Konzil berät über Autonomie und Diaspora

Nicht nur in der katholischen Kirche, sondern auch bei den Orthodoxen wird darüber diskutiert: Wie eigenständig kann eine Landeskirche innerhalb ihrer Mutterkirche sein?

Orthodoxie | Kolymvari - 22.06.2016

Am dritten Arbeitstag des orthodoxen Konzils auf Kreta steht eine Beschlussvorlage zur Autonomie der Landeskirchen und den Methoden ihrer Erklärung auf der Tagesordnung. Bei der "Autonomie" geht es um die begrenzte Eigenständigkeit einer Kirche innerhalb ihrer Mutterkirche. So sind etwa die Kirchen von Estland und Finnland "autonome" Kirchen innerhalb des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel.

Die "Autokephalie", also die vollständige Eigenständigkeit einer Kirche, wird dagegen nicht thematisiert. Über eine entsprechende Vorlage konnte während der Vorbereitung kein Konsens erzielt werden. Zwar herrschte über das Verfahren, nicht aber über den Modus der Unterzeichnung Einigkeit. Konfliktreich ist das Thema besonders in der Ukraine, wo es drei orthodoxe Kirchen gibt, von denen nur die zum Moskauer Patriarchat gehörende von den 14 orthodoxen Kirchen anerkannt wird.

Wie das Konzilssekretariat am Mittwoch mitteilte, sind mehr als 320 Journalisten von 138 Medien aus 25 Ländern akkreditiert. Wie aus den mittlerweile vollständig veröffentlichten Listen der Delegationen hervorgeht, werden die zehn teilnehmenden orthodoxen Kirchen durch ihre Vorsteher und 156 weitere Bischöfe vertreten. Die großen Kirchen haben maximal 25 Vertreter, die kleineren sind mit allen ihren Bischöfen anwesend. Kleinste Delegation ist die der orthodoxen Kirche der "Tschechischen Länder und der Slowakei" mit ihrem Metropoliten Erzbischof Rastislav (Gont) von Presov und zwei weiteren Bischöfen.

Am Dienstag wurde über die Diaspora beraten

Bereits am Dienstag hatte das Konzil über die Probleme der Diaspora beraten. Dabei ging es vor allem um Migranten aus verschiedenen orthodoxen "Mutterkirchen", die Länder in Westeuropa, Nordamerika oder Australien prägen. Der Beschlussentwurf enthält eine bereits 2009 von den Vorstehern der 14 orthodoxen Kirchen getroffene Regelung, mit der unter anderem regionale orthodoxe Bischofskonferenzen – wie etwa in Deutschland – eingerichtet wurden. Sie hat bisher aber nur vorläufigen Charakter.

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Beim Panorthodoxen Konzil auf Kreta wurde darüber diskutiert, wie sehr sich die Kirche der moderenen Welt öffnen darf. Aus Griechenland kam dazu ein radikaler Vorschlag.

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Der Pressesprecher des Patriarchats von Konstantinopel, John Chryssavgis, erläuterte vor Journalisten in Kolymvari, die Einrichtung von Bischofskonferenzen sei ein wichtiger Zwischenschritt zu einer endgültigen kirchenrechtlichen Festlegung. Eigentlich sei es eine "anomale Situation", dass in einer Region oder Stadt Bistümer oder Gemeinden mehrerer orthodoxer Kirchen existierten, obwohl sich die Orthodoxie als eine gemeinsame Kirche verstehe. Der Pressesprecher des Konzilssekretariats, Erzbischof Job von Telmessos, erklärte, die Diskussion über das Thema sei sehr lebhaft gewesen und noch nicht abgeschlossen.

Braucht es Bischofskonferenzen in den jeweiligen Ländern?

Wie aus Teilnehmerkreisen zu erfahren war, herrscht auf dem Konzil aber keineswegs Einmütigkeit. Auch wenn sich für viele Redner die Bischofskonferenzen gut bewährt hätten, wollen andere wie bisher für jede Mutterkirche in der Diaspora eigenständige, für ihre Leute allein zuständige Bischöfe. So will das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel seine prinzipielle Alleinzuständigkeit für die Diaspora auch künftig nicht aufgeben

Erzbischof Chrysostomos von Zypern forderte mehr Gemeinsamkeit in der orthodoxen Diaspora. Gerade dort müssten die anderen Christen sehen, "dass die Orthodoxen in erster Linie orthodox und dann erst Griechen, Russen oder Araber" seien. Die Serben schlugen vor, das Thema auf die nächste Session des Konzils zu vertagen, da die beiden großen russischen und arabisch-orthodoxen Diaspora-Kirchen diesmal nicht vertreten seien. Auch Anastasios von Albanien riet zu Behutsamkeit. (bod/KNA)

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