Laien erhalten Spitzenpositionen im Vatikan

Laien sollen im Vatikan nach dem Wunsch von Papst Franziskus mehr Verantwortung und höhere Positionen übernehmen. Im Zuge seiner Kurienreform hat er jetzt zwei Spitzenstellen im Medienbereich neu besetzt.

Medien | Vatikanstadt - 23.12.2015

Papst Franziskus macht ernst mit dem Anspruch, mehr Laien in vatikanische Spitzenpositionen zu bringen. Während er die Kurienkardinäle beim Weihnachtsempfang ermahnte, die Reform der Kurie mit Entschlossenheit, klarem Verstand und Tatkraft fortzuführen, übertrug er zwei Schlüsselaufgaben im Medienbereich an Laienmitarbeiter: Stefano D'Agostini (57), bislang Technik-Chef des Vatikan-Fernsehens CTV, wird dort neuer Direktor. Und im Presseamt übernimmt der US-Journalist Greg Burke (56) die Stelle des stellvertretenden Leiters.

Beide neuen Medienchefs haben eine bemerkenswerte Biografie, wie der "Osservatore Romano" (Dienstagsausgabe) betont. D'Agostini, der seit über 30 Jahren Regie bei der Übertragung von Papstmessen führt, hat das "Privileg", im Vatikan geboren zu sein - und zwar am 28. Oktober 1958 zu jener Stunde, als Weißer Rauch der Welt die Wahl von Papst Johannes XXIII. mitteilte. Sein Vater war "sediario pontificio", also einer jener Träger, die den Papst damals bei öffentlichen Zeremonien auf dem - inzwischen abgeschafften - Tragsessel durch den Petersdom trugen. Dieses Amt hatte bereits dessen Großvater bekleidet - und der Familie damit eine Dienstwohnung im Vatikan ermöglicht.

1994 kürte Burke Johannes Paul II. zum "Mann des Jahres"

Auch der frühere Magazin- und TV-Journalist Greg Burke stand bereits in vatikanischen Diensten, allerdings erst seit 2012. Auf dem Höhepunkt der Affäre um den Holocaustleugner Richard Williamson warb das Staatssekretariat den erfahrenen und umgänglichen Medien-Mann aus Missouri von seinem Posten als Italien-Korrespondent von "Fox News" ab und verpflichtete ihn als Berater. Auf sich aufmerksam gemacht hatte dieser schon 20 Jahre zuvor, als das "Time Magazine" unter seiner römischen Korrespondentenführung 1994 Papst Johannes Paul II. zum "Mann des Jahres" kürte.

Ende Januar 2016 wird Burke - als Nachfolger des in Pension gehenden Passionisten-Paters Ciro Benedettini (69) - zweiter Mann im Presseamt, hinter dem Jesuiten Federico Lombardi (73). Nach dem legendären Presseamtsleiter Joaquin Navarro-Valls (79; Amtszeit 1984-2006) übernimmt damit erneut ein Opus-Dei-Mann eine wichtige Funktion im vatikanischen Presseamt.

Das sind freilich nicht die einzigen personellen Weichenstellungen im neugegründeten Mediensekretariat. Die Behörde soll in den nächsten vier Jahren die verschiedenen vatikanischen Medieneinrichtungen wie Radio Vatikan, die Zeitung "Osservatore Romano", CTV, den Vatikan-Verlag oder das Presseamt unter einem Dach zusammenführen. Dabei dürfte es sich freilich stärker auf technische und praktische Fragen konzentrieren.

Fusion von Medien- und Kulturrat?

Konzeptionelle Belange des Kommunikationswesens, um die sich seit Jahrzehnten der Medienrat kümmert, könnten mittelfristig an den Kulturrat unter seinem rührigen Leiter Kardinal Gianfranco Ravasi übergehen, vermuten Beobachter. Darauf deutet zumindest die Versetzung des bisherigen Sekretärs des Medienrates, des Iren Paul Tighe (57), zum Beigeordneten Sekretär im päpstlichen Kulturrat hin. Ob auf seine alte Stelle ein Nachfolger berufen wird, ist fraglich. Zudem erreicht Medienratspräsident Claudio Celli im Juli die Pensionsgrenze von 75 Jahren.

Die von Franziskus angestrebte Straffung und Erneuerung des Medienbereich wie auch der Kurie insgesamt lassen sich freilich nicht nur durch neue Strukturen und neue Personen realisieren. Bedeutsamer sind eine Umkehr und eine Änderung von Mentalitäten, betont der Papst immer wieder. Und nachdem er die Kurie in seiner als harsch empfundenen Jahresbilanzrede 2014 vor "15 Krankheiten" gewarnt hatte, legte er beim traditionellen Weihnachtsempfang in diesem Jahr einen "Katalog von 12 Tugenden" vor. Und auch wenn er sich für manche Skandale der jüngsten Zeit entschuldigte, wie "Vatileaks 2" oder erneute Finanzaffären: Franziskus sparte diesmal nicht mit Anerkennung und Dank für seine treuen Mitarbeiter - mit denen er sein Reformprojekt verwirklichen will.

Von Johannes Schidelko (KNA)

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