Luxemburger Erzbischof folgt auf Marx als COMECE-Chef

An der Spitze der europäischen Bischofskommission steht künftig der Luxemburger Erzbischof Jean-Claude Hollerich. Der Jesuit folgt dem Münchener Kardinal Reinhard Marx nach, der das Amt nach sechs Jahren abgeben musste.

Europa | Brüssel - 08.03.2018

Jean-Claude Hollerich (59), Erzbischof von Luxemburg, ist neuer Vorsitzender der EU-Bischofskommission COMECE. Die Bischöfe wählten ihn am Donnerstag in Brüssel bei ihrer Frühjahrsvollversammlung für die kommenden fünf Jahre in das Amt, wie die COMECE über den Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte. Hollerich folgt auf den Münchner Kardinal Reinhard Marx (64), der nach zwei Amtszeiten nicht mehr wiedergewählt werden konnte. Marx leitete die COMECE seit 2012.

Deutschland wird in der EU-Bischofskommission in Zukunft von Bischof Franz-Josef Overbeck vertreten, der zu einem der vier Vizepräsidenten bestimmt wurde. Neben Overbeck werden der Ire Noel Treanor, der Italiener Mariano Crociata und der Tscheche Jan Vokal zu Vizepräsidenten.

Hollerich ist seit 2011 Erzbischof in dem traditionell katholisch geprägten Luxemburg. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt trat der Jesuit als Krisenmanager auf, als die 2013 gewählte Regierung um den liberalen Premierminister Xavier Bettel auf eine stärkere Trennung des Staat-Kirche-Verhältnisses abzielte.

Internationale Erfahrung

Hollerich wurde am 9. August 1958 im luxemburgischen Differdange geboren. Er studierte Theologie in Rom und trat 1981 in den Jesuitenorden ein. Nach dem Noviziat im belgischen Namur und zwei Jahren in der heimatlichen Seelsorge setzte er sein Theologiestudien von 1985 bis 1989 in Tokio und Frankfurt fort. Zusätzlich studierte Hollerich nach seiner Priesterweihe 1990 Germanistik in München.

1994 wurde der Luxemburger Lehrer für Deutsch, Französisch und europäische Studien an der Jesuiten-Universität Sophia in Tokio, wo er später auch als Seelsorger der dortigen deutschen Pfarrei wirkte. 2011 folgte er auf den langjährigen Amtsinhaber Fernand Franck als Erzbischof von Luxemburg.

Ruhrbischof vertritt künftig deutsche Bischöfe

Neuer Delegierter der Deutschen Bischofskonferenz in der EU-Bischofskommission COMECE ist künftig der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck (54). "Ich gehe mit Freude und Spannung an meine neue Aufgabe heran", sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Donnerstag in Brüssel. Gerade angesichts "auseinanderdriftender" Interessen und politischer Entwicklungen sehe er heute in Europa eine große Aufgabe für die Kirche und die Gläubigen, das Gemeinsame und Verbindende zwischen den Mitgliedsstaaten zu unterstreichen und den Zusammenhalt zu stärken.

"Das sind wir nicht nur unseren gemeinsamen historischen und kulturellen Wurzeln schuldig", sagte Overbeck. Vielmehr helfe es auch, eine friedvolle Zukunft in einer starken Gemeinschaft zu sichern. "Als Bischof hierzu beizutragen, ist eine selbstverständliche Pflicht, aber auch eine herausforderungsvolle Aufgabe, die ich mit Zuversicht angehe", so der Ruhrbischof.

Die COMECE entstand 1980, ein Jahr nach den ersten Direktwahlen des Europaparlaments. In ihr sind die Bischofskonferenzen der 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union vertreten. Die Abkürzung steht für das lateinische «Commissio Episcopatum Communitatis Europensis». Die COMECE verfügt über ein ständiges Sekretariat mit Sitz in Brüssel. Generalsekretär der COMECE ist seit 2016 der Franzose Olivier Poquillon (51). (KNA)

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