Missbrauch: Papst nimmt Rücktritte von drei Bischöfen an

Fast alle Bischöfe Chiles hatten nach dem Missbrauchsskandal ihren Rücktritt angeboten. "Drei verdorbene Bischöfe gehen", kommentiert nun eines der promintesten Opfer die Entscheidung des Papstes.

Chile | Vatikanstadt - 11.06.2018

Im Skandal um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche in Chile hat Papst Franziskus die Rücktritte von drei Bischöfen angenommen. Es handelt sich um den Bischof von Osorno, Juan Barros (61), von dem der Eklat seinen Ausgang nahm, sowie um Erzbischof Cristian Caro Cordero (75) von Puerto Montt und Bischof Gonzalo Duarte Garcia de Cortazar (75), Leiter des Bistums Valparaiso. Gründe für die Personalentscheidungen nannte der Vatikan in seiner Mitteilung vom Montag nicht.

Bereits am Morgen hatte die Erzdiözese Puerto Montt mitgeteilt, dass Papst Franziskus den Rücktritt Caros aus Altersgründen angenommen habe. Er akzeptiere die Entscheidung des Papstes, erklärte Caro. Sie sei in einer "schwierigen Phase" gefallen, sagte er mit Blick auf den aktuellen Missbrauchsskandal in Chiles Kirche. Diese Krise biete allerdings die Chance, sich in Zukunft entschiedener Christus zuzuwenden. Mit Erreichen der Altersgrenze von 75 Jahren sind alle Bischöfe vom Kirchenrecht gehalten, dem Papst ihren Rücktritt anzubieten.

Eines der prominentesten chilenischen Missbrauchsopfer, Juan Carlos Cruz, begrüßte die Entscheidung des Papstes. "Drei verdorbene Bischöfe gehen, und es werden weitere folgen", schrieb er auf Twitter. Für die chilenische Kirche breche eine neue Zeit an. Die "Bande verbrecherischer Bischöfe" sei dabei, sich aufzulösen.

Barros wurde der Mitwisserschaft beschuldigt

Die katholische Kirche in Chile wird derzeit von einem Missbrauchsskandal erschüttert, der seit Monaten für Schlagzeilen sorgt. Im Brennpunkt steht der inzwischen 87-jährige charismatische Priester Fernando Karadima, der 2011 wegen sexueller Vergehen verurteilt wurde. Aus seinem Kreis gingen mehrere Bischöfe hervor, darunter auch Barros, der von Opfern Karadimas der Mitwisserschaft beschuldigt wird.

Bei seinem Besuch in Chile zu Jahresbeginn hatte der Papst den 61-jährigen Barros noch in Schutz genommen und behauptet, für Vertuschungen von Missbrauchsfällen lägen keine Beweise vor. Die Vorwürfe gegen Barros hatte er daher als "Verleumdung" abgetan. Später entschuldigte sich Franziskus bei den Missbrauchsopfern für seine Wortwahl. Der gesamte Besuch des Pontifex' in Chile war von Protesten gegen den Bischof von Osorno begleitet worden. Kurz danach entsandte der Papst dann erstmals seine beiden Sonderermittler nach Chile, die - so Franziskus - "grobe Fehler" im Umgang mit Missbrauchsfällen aufgedeckt hätten. Nach einem Krisengespräch mit Franziskus Mitte Mai hatten 29 von 31 teilnehmenden aktiven Bischöfen aus Chile ihren Amtsverzicht angeboten. (bod/KNA)

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