Neue Details über Tod von Johannes Paul I.

Die offizielle Version des Vatikan nach dem Tod des "33-Tage-Papstes" lautete: Herzinfarkt. Doch es gab Zweifel. Nun sind Notizen des päpstlichen Leibarztes Renato Buzzonetti aufgetaucht.

Vatikan | Rom - 04.11.2017

Zum Tod des 33-Tage-Papstes Johannes Paul I. sind bislang unbekannte Details aufgetaucht. Demnach klagte der Papst wenige Stunden vor seinem Tod am 28. September 1978 über starke Schmerzen im oberen Brustbereich, wollte aber keinen Arzt rufen lassen. Dies stützt die offizielle Darstellung, nach der Johannes Paul I. einem Herzinfarkt erlag. Das unerwartet frühe Ende des Pontifikats hatte Spekulationen über eine mögliche Ermordung wachgerufen.

Die neuen Erkenntnisse fußen auf zuvor nicht veröffentlichten Dokumenten, die jetzt von der Vize-Anwältin des Seligsprechungsverfahrens für Johannes Paul I., Stefania Falasca, in einem Buch veröffentlicht werden ("Papa Luciani - Chronik eines Todes"). Der Vatikan-Korrespondent Andrea Tornielli zitierte Inhalte des am Dienstag erscheinenden Bands vorab in der Online-Ausgabe der italienischen Tageszeitung "La Stampa" am Samstag.

Kardinäle zweifelten an der Todesursache

Laut Falasca findet sich die Notiz über die Schmerzattacke, die Johannes Paul I. im Beisein seines Sekretärs John Magee erlitt, in dem Bericht des päpstlichen Leibarztes Renato Buzzonetti für das vatikanische Staatssekretariat unmittelbar nach dem Papsttod. Der Band dokumentiert neben Krankenakten von Albino Luciani, dem späteren Johannes Paul I., auch Zweifel der Kardinäle an der Todesursache: So befragten die Papstwähler vor dem neuerlichen Konklave Mediziner nach möglichen Anzeichen für eine Fremdeinwirkung.

Am Erscheinungstag des Buchs von Falasca tagt im Vatikan eine Sitzung der Heiligsprechungskongregation zum Verfahren Johannes Pauls I. Noch am Dienstag selbst oder am Mittwoch ist laut dem Vatikan-Korrespondenten Tornielli mit einer Bestätigung des amtierenden Papstes Franziskus über den "heroischen Tugendgrad" seines Vorgängers zu rechnen. Diese ist zusammen mit dem Nachweis eines Wunders Voraussetzung für eine Seligsprechung.

Johannes Paul I. wurde am 17. Oktober 1912 als Albino Luciani im norditalienischen Forno di Canale geboren und kam aus sehr armen Verhältnissen. Von 1937 bis 1947 lehrte er Dogmatik am Priesterseminar von Belluno. 1958 wurde er Bischof von Vittorio Veneto, einer beschaulichen Provinzstadt in Venetien; zwölf Jahre später schließlich Patriarch von Venedig. Am 26. August wählten ihn die Kardinäle im Konklave zum Nachfolger Pauls VI. (bod/KNA)

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