Neuer Vorschlag zur Segnung homosexueller Paare

Immer mehr Katholiken wünschen sich eine Segensfeier für homosexuelle Paare, die laut Kirchenlehre nicht heiraten dürfen. Ein neuer Vorschlag dazu kommt jetzt aus dem Bistum Limburg.

Kirche | Frankfurt/Bonn - 21.01.2018

Nach der Anregung des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode kommt auch aus Bistum Limburg ein Vorschlag, über die Segnung homosexueller Paare nachzudenken. "Theologisch begründete Segensfeiern" könne es laut dem Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz zudem auch für andere Paare geben, denen eine katholische Eheschließung nicht möglich ist. Konkret gehe es ihm neben Homosexuellen um zivil Wiederverheiratete sowie Menschen, die sich nach eigener Einschätzung für das Ehesakrament nicht ausreichend würdig sehen. Seine Idee brachte zu Eltz am Samstag beim "Stadtkirchenforum II" ins Gespräch.

Auf der Veranstaltung, die Reformen für die Kirche vor Ort ausloten wolle, habe zu Eltz vor etwa 170 Teilnehmern betont, für eine solche Segensfeier müsse es verbindliche Richtlinien geben, wie aus einem Bericht des Bistums Limburg hervorgeht. Nur dann sei eine Verwechslung mit einer kirchlichen Eheschließung, in der das Sakrament der Ehe gespendet wird, ausgeschlossen. Stadtdekan zu Eltz begründete den Vorschlag mit dem "urmenschlichen Bedürfnis" nach Heil, Schutz, Glück und Erfüllung und damit nach dem Segen Gottes. Auch in Partnerschaften, denen eine katholische Eheschließung nicht möglich sei, gebe es "sittlich Gutes: Treue, Fürsorge, Verantwortung, Verpflichtung". Dieses Gute verdiene es, gutgeheißen zu werden. "Es ist, wo Glauben ins Spiel kommt, segenswürdig".

Bischof Bode fordert differenzierten Blick auf homosexuelle Partnerschaften

Bereits Anfang Januar hatte auch Bischof Franz-Josef Bode dazu aufgerufen, homosexuelle Beziehungen nicht vorrangig als schwere Sünde einzuordnen. "Wir müssen darüber nachdenken, wie wir eine Beziehung zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Menschen differenziert bewerten", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Bode forderte zugleich eine Debatte über den pastoralen und liturgischen Umgang mit homosexuellen Partnerschaften. "Wir müssen in der Kirche ausführlicher darüber diskutieren. Schweigen und Tabuisieren führt nicht weiter und verunsichert", mahnte er. Als erster Bischof in Deutschland brachte er zudem den Ritus einer Segensfeier ins Gespräch –  "die nicht zu verwechseln ist mit einer Trauung."

Linktipp: Bode: Über Segnung homosexueller Paare nachdenken

Die "Ehe für alle" ist mittlerweile politische Realität. Aber was folgt daraus für die Kirche? Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode will eine mögliche Segnung homosexueller Paare nicht mehr tabuisieren.

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Auch zu Eltz plädierte für eine liturgische Form der Segnung, die auf wesentliche Elemente und Symbolhandlungen einer kirchlichen Eheschließung verzichte. Dazu zählten etwa die Segnung und das Anstecken der Ringe oder das einander zugesprochene Eheversprechen. Einer solchen Feier könnten neben Priestern und Diakonen auch Männer und Frauen vorstehen, die vom Bischof als Gottesdienstleiter beauftragt sind. Zur Leitung einer Segensfeier dürfe niemand verpflichtet werden, der dies ablehne, mahnte der Stadtdekan.

Zudem forderte er als Bedingung eine "verbindliche öffentliche Erklärung der Partner, dass die Partnerschaft auf Lebenszeit angelegt ist." Das könne zum Beispiel durch die im Standesamt vollzogene staatliche Eheschließung zum Ausdruck gebracht werden. Seit Oktober vergangenen Jahres steht die Zivilehe in Deutschland auch homosexuellen Paaren offen. Eine solche verbindliche Partnerschaft verdiene Respekt, sagte zu Eltz. Gottes Segen werde demnach für eine "gelingende Zukunft von etwas, das es bereits gibt", erbeten. Damit sei eine Verwechslung mit der kirchlichen Eheschließung ausgeschlossen.

Bischof Genn hatte Segensfeier untersagt

Im September vergangenen Jahres hatte der Münsteraner Bischof Felix Genn die geplante Segensfeier für ein homosexuelles Paar unter Verweis auf diese Verwechslungsgefahr untersagt. "Es geht dem Bistum nicht darum, eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft herabzuwürdigen", hieß es damals von der Diözese. Vielmehr sollte durch das Verbot der Feier in der geplanten Form betont werden, dass es einen Unterschied zwischen dem Sakrament der Ehe und einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft gebe.

Wiederholt hatte sich auch der Vorsitzende der Familienkommission der DBK, Erzbischof Heiner Koch, strikt gegen eine Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften mit der Ehe von Mann und Frau ausgesprochen. Die Kirche könne weder die staatliche "Ehe für alle" gutheißen noch selber entsprechende Segenshandlungen vornehmen. Demgegenüber fordern zahlreiche Laien, allen voran das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), seit Langem die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Auch Vertreter der wissenschaftlichen Theologie in Deutschland sprechen sich für eine Änderung im Umgang der Kirche mit Homosexuellen aus. So traf etwa der jüngste Vorstoß von Bischof Bode bei Liturgiewissenschaftler Benedikt Kranemann und Moraltheologe Stephan Goertz auf Zustimmung. (Mit Material von KNA)

Von Kilian Martin

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Das Sakrament der Ehe ist Mann und Frau vorbehalten. Aber könnte es für gleichgeschlechtliche Paare einen Segen geben? Liturgiewissenschaftler Benedikt Kranemann analysiert den Vorschlag aus theologischer Sicht.

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