Papstreise

Nicht wie die Kaninchen

Frauen, Sexuallehre, Meinungsfreiheit: Das waren die Themen bei der jüngsten fliegenden Pressekonferenz Franziskus'

Bonn - 20.01.2015

Deutliche Worte und bildhafte Vergleiche gehören zu den Markenzeichen von Papst Franziskus - und er scheut sich auch nicht, sie vor Journalisten zu wählen, die sie unverzüglich in die Weltöffentlichkeit transportieren. Das zeigte der Pontifex aufs Neue auf dem Rückflug von Manila nach Rom . Dieses Mal ging es um die katholische Sexuallehre, Frauen in der Kirche, Korruption in der Kirche - und einen neuen Begriff, den der Papst auf seiner Reise prägte.

Sexuallehre

Katholiken müssen sich nach den Worten von Papst Franziskus nicht "wie Kaninchen" vermehren. In manchen Fällen sei es unverantwortlich, weitere Kinder zu bekommen, sagte der Papst. Nötig sei vielmehr eine "verantwortete Elternschaft".

"Manche glauben, um gute Katholiken zu sein, müssen man, entschuldigt das Wort, sein wie Kaninchen. Nein!", sagte der Papst wörtlich. Zugleich betonte er, "Offenheit für das Leben" sei eine Bedingung für eine christliche Ehe.

Franziskus: "Kinder sind ein Schatz"

Als Beispiel berichtete der Papst von einer Frau, die sieben Kinder durch Kaiserschnitt geboren hatte und ein achtes erwartete. "Wollen Sie sieben Waisen zurücklassen? Das heißt Gott herausfordern", habe er der Schwangeren gesagt. Die Kirche biete Ehepaaren Hilfe unter anderem durch Elternberatung. Zugleich seien Kinder für viele Arme "ein Schatz".

Ausdrücklich nahm Franziskus seinen Vorgänger Paul VI. (1963-1978) in Schutz, der das Verbot künstlicher Verhütungsmittel ausgesprochen hatte. Paul VI. sei "ein Prophet" gewesen.

Franziskus wies damit den Vorwurf zurück, die katholische Kirche fördere durch ihre Ablehnung künstlicher Verhütungsmethoden die Armut in armen Ländern.

Frauen in der Kirche

Frauenförderung in der Kirche ist für Papst Franziskus eine Frage von Horizonterweiterung. "Wenn ich sage, dass es wichtig ist, dass Frauen in der Kirche mehr berücksichtigt werden sollen, geht es nicht nur darum, ihnen einen Posten zu geben", etwa als Nummer zwei in einer Vatikanbehörde, sagte der Papst. Zwar sei auch das möglich; es gehe aber darum, "dass sie uns sagen, wie sie die Realität erleben". Frauen betrachteten die Dinge aus einer anderen Perspektive, mit einem größeren Reichtum, so der Papst.

"Ideologische Kolonisation"

Papst Franziskus hat sich gegen ein Aufzwingen der Gender-Theorie durch westliche Geldgeber in Entwicklungsländern gewandt. Wenn finanzielle Hilfe an Bedingungen geknüpft werde, etwa die Lehre der Gender-Theorie in den Schulen, verlören diese Völker ihre Identität.

Es gebe eine "ideologische Kolonisation" durch bestimmte Mächte, so der Papst. Sie strebten aus seiner Sicht eine völlige Gleichheit aller Kulturen an. Globalisierung sei zwar notwendig, müsse aber die Freiheit der Völker in all ihren Lebensbereichen beachten.

Während seines Besuchs auf den Philippinen hatte Franziskus den Begriff "ideologische Kolonisation" vor allem mit Blick auf Angriffe gegen das traditionelle Familienbild und eine Relativierung der Ehe kritisiert. Die Philippiner rief er auf, ihren katholischen Traditionen treu zu bleiben.

Korruption in der Kirche

Korruption ist nach Meinung von Papst Franziskus auch eine Plage der Kirche. Er erinnere sich an derartige Fälle aus seiner Zeit als Bischof in Argentinien, sagte er am Montag. Wo das Angebot groß genug sei, werde "selbst der Heilige auf die Probe gestellt", so Franziskus.

Damals, so berichtete Franziskus, seien zwei Männer auf ihn zugekommen und hätten ihm umgerechnet 400.000 Dollar für die Armen angeboten - unter der Voraussetzung, dass sie die Hälfte davon persönlich zurückerhielten. Er habe damals zwei Möglichkeiten gehabt: sie "dorthin zu treten, wo die Sonne nicht hinscheint", oder sich dumm zu stellen. Er habe die zweite Variante gewählt und ihnen angeboten, den Betrag gegen eine Quittung abzugeben. Er habe nie wieder von ihnen gehört. Die Losung müsse sein: "Sünder ja, korrupt nein. Korrupt nie", forderte der Papst.

Reisen

Papst Franziskus plant für dieses Jahr noch mindestens drei Interkontinentalreisen: nach Lateinamerika , in die USA und nach Afrika. Bei einem zweiten Besuch in Lateinamerika - nach dem Weltjugendtag in Brasilien im Sommer 2013 - wolle er in Ecuador, Bolivien und Paraguay Station machen, kündigte er an. Einen genauen Termin nannte er nicht. Zuvor hatten bolivianische Medien berichtet, das Land erwarte ihn im Juli.

Bei seiner ersten Afrika-Reise will Franziskus nach eigenen Worten Ende des Jahres in der Zentralafrikanische Republik und in Uganda Station machen. Die Reise komme wegen der Ebola-Epidemie etwas verspätet. "Das ist eine große Verantwortung, solch große Versammlungen zu veranstalten, wegen der Ansteckungsgefahr", so der Papst.

Bei seiner USA-Reise Ende September will Franziskus neben den Reden vor den Vereinten Nationen in New York und vor dem Kongress in Washington auch eine Heiligsprechung vornehmen. In der US-Hauptstadt wolle er den spanischen Ordensmann und Missionar Junipero Serra (1713-1784) zur höchsten Ehre der Altäre erheben. Zudem besucht der Papst den katholischen Weltfamilientag in Philadelphia.

Meinungsfreiheit

Papst Franziskus hat seine Aussage zu den Grenzen der Meinungsfreiheit verteidigt. Die Freiheit müsse von Klugheit begleitet werden, so das Kirchenoberhaupt. Gewaltsame Reaktionen seien immer schlecht; dennoch müsse der Gebrauch der Meinungsfreiheit "der menschlichen Natur Rechnung tragen". Man könne nicht beständig "eine Person beleidigen oder provozieren". Franziskus hatte sich zuvor im Blick auf die Zeitschrift " Charlie Hebdo " dafür ausgesprochen, auch Satire müsse Grenzen haben. Wer andere zu sehr reize, riskiere "eine Reaktion, die nicht richtig ist", sagte der Papst. (gho/KNA)

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