Noch keine Lösung für die Not der Eheleute

Dürfen konfessionsverschiedene Ehepaare gemeinsam zur Eucharistie treten? Auch die Bischofskonferenz diskutiert diese Frage. Dass jedoch bereits eine Antwort vorliegt, weist der Pressesprecher zurück.

Ökumene | Bonn - 06.04.2017

Die Frage des gemeinsamen Kommunionempfangs konfessionsverschiedener Paare steht an. Darin sind sich auch die deutschen Bischöfe einig. Eine konkrete Antwort liegt jedoch noch nicht auf dem Tisch. Zu dieser Klarstellung sah sich der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Matthias Kopp, am Donnerstag genötigt. In einem Leserbrief an die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) erklärte er: Die Bischöfe diskutieren das Thema, eine Entscheidung ist aber noch nicht in Sicht.

Anlass der Intervention seitens der Bischöfe war ein "FAZ"-Bericht vom vergangenen Montag über den 200. Geburtstag der lutherischen Gemeinde Roms. Spätestens seit dem Besuch Papst Franziskus' im November 2015 ist mit ihrer Christuskirche auch die Frage nach der gemeinsamen Eucharistie verbunden. Dort sprach der Pontifex seinen bewusst offen formulierten Satz von der persönlichen Gewissensbefragung: "Sprecht mit dem Herrn und geht weiter", sagte er der protestantischen Frau eines Katholiken. So ging nun auch beim Jubiläum der deutschsprachigen Protestantengemeinde kein Weg an diesem drängenden Thema gelebter Ökumene vorbei.

Noch intensiver als in Rom werden die Überlegungen jedoch derzeit in Deutschland geführt, worauf auch die "FAZ" hinwies. Der DBK-Vorsitzende, Kardinal Reinhard Marx, erklärte das Thema "konfessionsverschiedene Ehen und gemeinsame Teilnahme an der Eucharistie" im März zur "dringenden pastoralen Aufgabe" für die Bischöfe. Zum Abschluss ihrer jüngsten Vollversammlung im März sagte er weiter: "Wir haben hier noch kein Ergebnis, aber wir sind mit der während der Vollversammlung geführten Diskussion auf einem guten Weg."

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Ein gemeinsames Abendmahl für konfessionsverbindende Paare könnte vielleicht schon in naher Zukunft mögich sein, sagte Kardinal Marx am Ende der Vollversammlung der deutschen Bischöfe im März 2017.
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Im Gegensatz zu anderen theologischen Streitfragen unserer Tage – etwa Zölibat oder Frauendiakonat – haben die deutschen Bischöfe beim Kommunionempfang konfessionsverschiedener Ehepaare eine tatsächliche Regelungskompetenz. Auch dazu hätten sie sich im März beraten, erklärte Marx. "Dabei hat die Deutsche Bischofskonferenz sich bereits früher gegen kasuistische Lösungen ausgesprochen, sondern für nachvollziehbare Kriterien", so der Vorsitzende. Zuletzt hatten sich die Anzeichen gemehrt, dass eine solche Lösung in absehbarer Zeit möglich sein könnte.

Grundlage für eine mögliche Regelung der Bischofskonferenz ist das Kirchenrecht selbst. Dieses sieht vor, dass Nichtkatholiken in "Notsituationen" zum Empfang der Eucharistie zugelassen werden dürfen. Bischöfe oder Bischofskonferenzen können in ihrem Rechtsbereich festlegen, was unter einer solchen Notlage zu verstehen ist. Dies könnte laut dem Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller auch das Leben in einer konfessionsverschiedenen Ehe sein. Gegenüber katholisch.de erklärte er im März zudem, dass es bereits viele Vorschläge für eine entsprechende Regelung gebe, die jederzeit umgesetzt werden könnten.

Medien spekulieren über interne Widerstände

Wie weit die Überlegungen der DBK jedoch bereits gediehen sind, bleibt unterdessen Gegenstand von Spekulationen. So hatte die "FAZ" behauptet, es gebe ein unterschriftsreifes Papier, dem jedoch noch sieben Bischöfe die Zustimmung verweigerten. Ähnliches wurde in einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" kolportiert. Eine Quelle für diese Information nannte keine der Zeitungen. Demgegenüber stellte nun DBK-Sprecher Kopp fest: "Weder gibt es ein solches Papier, noch fehlen irgendwelche Unterschriften dazu." Die Debatte der Bischöfe dauere an, "ohne dass derzeit irgendein Ergebnis feststeht".

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hatte kurz nach der DBK-Vollversammlung berichtet, dass die Frage bei der Bischofskonferenz "in guten Händen" sei. Man habe eine Vorlage diskutiert und arbeite nun an einem verbindlichen Schreiben. Schick gab sich dabei als ein Unterstützer zu erkennen: "Wir wollen die Kanzel- und Eucharistiegemeinschaft unter Beibehaltung der jeweiligen Traditionen." Bereits im Januar hatte sich auch Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode für den gemeinsamen Kommunionempfang ausgesprochen. Schon damals zeigte er sich zuversichtlich, dass eine Entscheidung in diesem Sinne noch während des Reformationsjahres 2017 "nicht utopisch" sei.

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In der Ökumene sieht der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper große Fortschritte, aber auch Probleme, die noch gelöst werden müssen. Besonders bei einer Sache ist er optimistisch.
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Ein weiterer großer Unterstützer des gemeinsamen Kommunionempfangs ist der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper. Wie Marx und Bode hofft auch der ehemalige Ökumene-Chef des Vatikan auf eine Lösung noch im laufenden Jahr des Reformationsgedenkens. "Es ist dringend notwendig, dass die Christen zusammenstehen und natürlich nach Möglichkeit auch miteinander die Eucharistie teilen können", sagte er im Interview zum 60. Priesterjubiläum gegenüber katholisch.de. Man könnte sich schließlich nicht wünschen, dass die Paare am Sonntagsgottesdienst teilnehmen, sie dann aber "vor dem Altar wieder trennen". Voraussetzung für den gemeinsamen Kommunionempfang sei selbstverständlich, dass "der evangelische Partner in der Substanz unser Eucharistieverständnis teilt", so Kasper.

Auch auf protestantischer Seite hat das katholische Vorhaben einen prominenten Fürsprecher. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, nannte es bereits vor seinem ersten Treffen mit Papst Franziskus als wichtiges Anliegen. "Die Eheleute sollen nicht nur ihr Bett teilen dürfen, sondern auch am Tisch des Herrn gemeinsam willkommen sein", sagte der bayerische Landesbischof im April 2016. In der Zwischenzeit hat Bedford-Strohm den Papst mehrfach getroffen, wobei auch das Thema der konfessionsverschiedenen Ehen zur Sprache kam. Im Februar dieses Jahres empfing der Papst Bedford-Strohm und Marx gemeinsam anlässlich einer deutschen Delegationsreise. Dabei betonte Franziskus, gerade die Eheleute in Mischehen würden den Schmerz der Kirchentrennung besonders stark empfinden. "Besonnen müssen wir uns mit inständigem Gebet und all unseren Kräften darum bemühen, die noch bestehenden Hindernisse zu überwinden", schlussfolgerte er.

Von Kilian Martin

Linktipp: Theologe: Vorschläge liegen längst auf dem Tisch

Der Kommunionempfang ist eine drängende Frage gemischtkonfessioneller Ehepaare. Es gäbe Antworten darauf, erklärt Kirchenrechtler Thomas Schüller. Er kritisiert, dass diese nicht umgesetzt werden. (Artikel von März 2017)

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