Null Toleranz bei Missbrauch

Auf dem Rückflug von seiner Heilig-Land-Reise gab Papst Franziskus eine Pressekonferenz. Eine Stunde bezog er Stellung zu aktuellen Themen.

Papstreise | Rom - 27.05.2014

Papst Franziskus hat auch nach drei anstrengenden Tagen in Nahost noch die Energie gefunden, auf dem Rückflug eine einstündige Pressekonferenz zu geben. Er sprach über Missbrauch, seine Vorgänger und seine Reisepläne sowie über den Zölibat. Pädophilie sei ein schweres Problem, bei dem es für die katholische Kirche null Toleranz gebe, bekräftigte Franziskus am Montagabend auf dem Weg von Tel Aviv nach Rom.

Derzeit wird nach Aussagen des Papstes gegen drei Bischöfe der Weltkirche ermittelt und die Strafe für sie abgewogen. "Es gibt keine Privilegien für Amtsträger"; das sei im Interesse der Kirche. Offen blieb, ob den Oberhirten Missbrauch oder die Vertuschung dessen vorgeworfen wird.

Franziskus will in der ersten Juni-Woche mit acht Opfern sexuellen Missbrauchs einen Gottesdienst im Vatikan feiern; darunter auch zwei Deutsche. Er habe die Gruppe zu einer Messe in die Kapelle des Gästehauses Santa Marta eingeladen, sagte er den mitreisenden Journalisten. Anschließend sei ein Gespräch geplant. Auch der Vorsitzende der vatikanischen Kinderschutzkommission, Kardinal Sean Patrick O'Malley, werde an der Begegnung teilnehmen.

Seligsprechung von Pius XII. tritt auf der Stelle

Weiter sprach Franziskus über Details seiner Reise. Das am Sonntag überraschend angekündigte gemeinsame Friedensgebet von Israels Staatspräsident Schimon Peres und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sei ursprünglich bereits für die Heilig-Land-Reise geplant gewesen, so der Papst. Dieses Vorhaben sei aber an organisatorischen Problemen gescheitert. Ein Termin stehe noch nicht fest; die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" nannte unterdessen den 6. Juni und berief sich dabei auf den Stab von Abbas. Franziskus betonte, es gehe nicht um Verhandlungen, sondern um ein Gebet für den Frieden.

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Bilanz der dreitägien Reise von Papst Franziskus durch das Heilige Land
 KNA/Gottfried Bohl

Zum Seligsprechungsverfahren für Papst Pius XII. (1939-1958) fehle ein Wundernachweis, sagte Franziskus. Der Prozess für den Weltkriegspapst sei nicht blockiert; er sei vielmehr offen. Ein Nachweis eines Wunders auf Vermittlung des Kandidaten gehört zu den Voraussetzungen für eine Kirchenehrung. Der Prozess für Pius XII. wird vor allem von jüdischer Seite kritisiert. Die Gegner des 1965 eröffneten Verfahrens werfen dem Papst vor, zum Holocaust geschwiegen zu haben.

Im Dezember 2009 hatte das Verfahren für Pius XII. mit der Verleihung des heroischen Tugendgrades eine erste entscheidende Hürde genommen. Damit erkannte der Vatikan an, dass Pius christliche Tugenden in herausragender Weise gelebt habe. Für eine Seligsprechung fehlt seither noch der Nachweis eines Wunders. Bei der Heiligsprechung des Konzilspapstes Johannes XXIII. (1958-1963) hatte Franziskus auf den Nachweis eines Wunders verzichtet. Allerdings war für dessen Seligsprechung im Jahr 2000 wie vorgeschrieben eine wissenschaftlich unerklärliche Heilung bestätigt worden.

Papst besucht 2015 die Philippinen und Sri Lanka

Weiter berichtete Franziskus, dass er im Januar die 2004 vom Tsunami heimgesuchte Region der Philippinen besuchen wolle. Er werde sich zunächst zwei Tage auf Sri Lanka aufhalten und dann für vier Tage auf den Inselstaat weiterreisen. Auch für dieses Jahr steht noch eine Asien-Reise auf dem Reiseprogramm des Papstes: Im August nimmt er in Südkorea am asiatischen Jugendtag teil. In der Hauptstadt Seoul will er auch eine Seligsprechung von Märtyrern vornehmen.

Mit dem bisherigen Gang der von ihm auf den Weg gebrachten Kurienreform zeigte sich das Kirchenoberhaupt zufrieden. In der ersten Juli-Woche solle eine weitere viertägige Versammlung des zuständigen Beratergremiums von Kardinälen ("K8-Rat") stattfinden, sagte er. Danach träfen sich die acht Kardinäle erneut im September für vier Tage. Dem Gremium gehört auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx an. Auf den bisherigen Tagungen befasste sich der Rat unter anderem mit der Bischofssynode, vatikanischen Finanzorganisationen und den Kongregationen.

Auch zur die Ehelosigkeit von Geistlichen wurde der Papst von den Journalisten befragt. Unverheiratete Priester seien ein Geschenk an die Kirche, das er schätze, und kein Glaubensdogma, verteidigte Franziskus den Zölibat. Zwar seien die Türen für eine Diskussion offen, derzeit stünden jedoch für die Kirche andere Themen mehr im Mittelpunkt.

Tür geöffnet für weitere Papst-Rücktritte

Weiter äußerte sich Franziskus über seinen direkten Vorgänger Papst Benedikt XVI. Dieser habe mit seinem freiwilligen Rücktritt vom Papstamt "eine Tür geöffnet". Von nun an sei es grundsätzlich möglich, dass der Bischof von Rom bei besonderen Gründen sein Amt niederlege, wenn er sich nicht mehr in der Lage sehe, es auszuüben, sagte er. So wie das Ausscheiden aus dem Amt aus Altersgründen heute für Bischöfe selbstverständlich sei, so könne es künftig auch "emeritierte Päpste" geben.

"Ich werde mir die gleichen Fragen stellen, wie sie sich Benedikt XVI. gestellt hat", so Franziskus. Er erinnerte daran, dass es in der Kirche noch vor wenigen Jahrzehnten kaum emeritierte Bischöfe gegeben habe. Heute müssen Bischöfe dem Papst nach dem Kirchenrecht mit Erreichen der Altersgrenze von 75 Jahren ihren Rücktritt anbieten.

Franziskus hatte erstmals im vergangenen Jahr eine - damals stundenlange - "fliegende Pressekonferenz" gegeben, und zwar auf dem Rückflug vom Weltjugendtag in Rio de Janeiro nach Rom. Bei Johannes Paul II. und Benedikt XVI. war eine Pressekonferenz auf dem Hinflug in das jeweils besuchte Land üblich. (luk/KNA/dpa)

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Radio Vatikan dokumentiert ganze Passagen aus der Pressekonferenz im Volltext. Der Papst spricht darin über die Kurie, die geplante Bischofssynode zum Thema Familienpastoral, die Zukunft Jerusalems und das Treffen mit Patriarch Bartholomaios.

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