Nuntius: Deutschland braucht stabile Regierung

Der päpstliche Botschafter, Nuntius Nikola Eterovic, ist sich sicher: Eine stabilen deutsche Regierung ist wichtig für die ganze Welt. Warum, erklärte er beim Neujahrsempfang des Diplomatischen Korps.

Politik | Berlin - 11.01.2018

Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, hat mit Blick auf die laufenden Sondierungsgespräche zwischen Union und SPD die Bedeutung einer stabilen Regierung in Deutschland bekräftigt. Diese sei für die Europäische Union und die ganze Welt sehr wichtig, sagte der Papstbotschafter am Donnerstag beim Neujahrsempfang von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für das Diplomatische Korps im Berliner Schloss Bellevue.

Eterovic, der bei dem Empfang in seiner Funktion als Doyen des Diplomatischen Korps (siehe Textbox) sprach, lobte die Aufnahme vieler Flüchtlinge durch die Bundesrepublik in den vergangenen Jahren, die große Spendenbereitschaft der Deutschen und das Friedensengagement weltweit. Leider seien zu den bestehenden Krisen wie im Mittleren Osten, in der Ukraine und in verschiedenen Ländern Afrikas weitere hinzugekommen, etwa Nordkorea und kürzlich die des Status von Jerusalem. Der Nuntius zeigte sich überzeugt, dass die Bundesrepublik auch weiterhin eine wichtige Rolle auf internationaler Ebene spielen werde.

Stichwort: Doyen

Das Wort Doyen stammt aus dem Französischen und bedeutet Dekan oder Ältester. In einem erweiterten Sinn wird der Begriff meist für eine herausgehobene Persönlichkeit auf einem bestimmten Gebiet verwendet. Im Bereich der Diplomatie steht der Doyen dem Diplomatischen Korps, dem Zusammenschluss aller in einem Land akkreditieren Botschafter, vor. Viele Staaten, darunter auch die Bundesrepublik Deutschland, haben festgelegt, dass die Rolle des Doyen immer vom jeweiligen Apostolischen Nuntius übernommen wird. Für Deutschland ist diese Regelung im Reichskonkordat von 1933 festgeschrieben worden. Dort heißt es in einem Zusatz zu Artikel 3: "Der Apostolische Nuntius beim Deutschen Reich ist, entsprechend dem Notenwechsel zwischen der Apostolischen Nuntiatur in Berlin und dem Auswärtigen Amt vom 11. und 27. März 1930, Doyen des dort akkreditierten Diplomatischen Korps." (stz)

Bundespräsident Steinmeier warb in seiner Ansprache vor den Diplomaten für Offenheit. Rückzug und Abschottung, um die innere Eintracht zu sichern, könnten nicht Programm sein für ein Land wie Deutschland, das seinen Frieden und Wohlstand dem Vertrauen unzähliger Partner in aller Welt verdanke. "Für dieses Vertrauen und für diese Zusammenarbeit sind wir dankbar", sagte das Staatsoberhaupt.

Der Druck der Globalisierung und die veränderte Debattenkultur im Zeitalter der Digitalisierung stellten den inneren gesellschaftlichen Zusammenhalt auf die Probe, so Steinmeier weiter. Er habe daher bewusst die Zukunft der Demokratie zum Thema seiner Amtszeit gewählt. Denn wenn der Blick auf das Gemeinsame, Verbindende verloren gehe, wenn der politische Ton rauer, gar unversöhnlich werde, dann gehe das an keiner Gesellschaft spurlos vorüber. "Vielfach stecken dahinter Angst vor der Zukunft und Sorge vor der Ungewissheit", betonte der 62-Jährige.

Der Bundespräsident bekräftigte vor den Diplomaten, dass Deutschland sich auch künftig im Verbund der Weltgemeinschaft starkmache für den Klimaschutz, saubere Weltmeere, Bildung, Gesundheit und eine nachhaltige Entwicklung. "Wir werden die Welt nicht als Arena betrachten, in der jeder seine eigenen Interessen allein national und kurzfristig verfolgt", so Steinmeier wörtlich. (stz/KNA)

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