Orthodoxe Christen werfen Patriarch "Verrat" vor

Unter arabischen Christen in Palästina regt sich Unmut gegen den griechisch-orthodoxen Patriarchen Theophilos III. Anlass für die Proteste: Er soll "Land an den Feind" verkauft haben.

Palästina | Ramallah - 31.08.2017

Gegen den griechisch-orthodoxen Patriarchen Theophilos III. ist am Mittwoch ein Strafantrag eingereicht worden. Palästinensisch-orthodoxe Christen werfen ihm vor, Kirchenland an jüdische Israelis verkauft und damit die kirchliche Verantwortung zum Schutz palästinensischen Landes verletzt zu haben, wie die staatliche palästinensische Nachrichtenagentur "Wafa" berichtete.

Der von mehreren arabisch-orthodoxen Organisationen eingereichte Antrag trägt laut Bericht die Unterschrift von mehr als 300 prominenten Palästinensern und richtet sich gegen Theophilos als Privatperson sowie in offizieller Funktion. Theophilos habe mit dem Verkauf von Kircheneigentum in Jerusalem, Jaffa, Nazareth und anderen Orten Verrat begangen, indem er "Land an den Feind" verkauft und damit zu "israelischen Plänen zur Judaisierung Jerusalems" beigetragen habe.

Palästinensische Christen demonstrierten demnach am Mittwoch vor dem Büro des palästinensischen Generalstaatsanwalts in Ramallah gegen die Landverkäufe. Der stellvertretende Präsident des orthodoxen Zentralkomitees in Palästina und Jordanien, Nabil Maschhour, forderte den Generalstaatsanwalt auf, rechtliche Schritte gegen den griechischen Patriarchen einzuleiten.

Griechisch-othodoxe Kirche ist zweitgrößter Grundbesitzer in Jerusalem

Der stellvertretende Präsident der palästinensischen Anwaltskammer bezeichnete die Verkäufe laut Bericht als "ernste Bedrohung" Ostjerusalems als Hauptstadt eines zukünftigen Palästinenserstaates und rief die Palästinenserregierung dazu auf, dem Patriarchen mit sofortiger Wirkung die Anerkennung zu entziehen.

Die Proteste gegen den Verkauf von Kirchenland an jüdische Investoren halten an, seit die israelische Finanzzeitung "Calcalist" Ende Juni Details eines Landverkaufs in Westjerusalem bekannt machte. Palästinensische Christen fordern seither die Absetzung und den Boykott des Patriarchen. Auch die palästinensische Regierung und Jordanien, das sich für den Schutz christlicher und muslimischer Heiliger Stätten in Jerusalem verantwortlich sieht, verurteilten den Verkauf.

Die griechisch-orthodoxe Kirche ist nach der israelischen Landbehörde der größte Grundbesitzer in Jerusalem. Der Vorgänger des amtierenden Patriarchen Theophilos III., Irinaios I., war 2005 nach nur vierjähriger Amtszeit über einen Skandal um undurchsichtige Landverkäufe an israelische Geschäftsleute gestürzt. Seither wird Irinaios I., der alle Anschuldigungen als haltlos zurückwies, im Jerusalemer Patriarchat in Klosterhaft gehalten. (KNA)

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