Papst: Kirche darf Behinderte nicht ausgrenzen

Entweder alle oder keiner: Dass Behinderte von den Sakramenten ausgeschlossen werden, ist für Papst Franziskus ein Skandal. Die Kirche dürfe Andersartigkeit nicht als Problem wahrnehmen - im Gegenteil.

Kirche | Vatikanstadt - 11.06.2016

Papst Franziskus hat eine Diskriminierung von Behinderten in der katholischen Kirche kritisiert. Es sei traurig, dass den Betroffenen in einigen Fällen weiter der Zugang zu den Sakramenten verwehrt werde, heißt es in einem Redetext, den der Vatikan am Samstag verbreitete.

In der Kirche müsse eine Mentalität herrschen, die Behinderten Schutz vor Vorurteilen, Ausgrenzung und Verdrängung biete, fordert der Papst darin. Zugleich wünsche er eine stärkere Berücksichtigung von Behinderten in Gottesdiensten. Sie könnten durch Gesang und Gesten ihren eigenen Beitrag dazu leisten. Franziskus ließ den Redetext an Teilnehmer einer Konferenz über Behindertenseelsorge der Italienischen Bischofskonferenz austeilen. Während der Audienz selbst antwortete er auf Fragen seiner Gäste.

Eine Teilnehmerin habe den Papst gefragt, weshalb Menschen mit Behinderung in manchen Gemeinden die Sakramente verwehrt würden, berichtet "Radio Vatikan". In seiner Antwort erklärte der Papst demnach, dass Menschen mit besonderen Bedürfnissen eine entsprechende Sakramentenkatechese erhalten sollen: "Wir haben alle die Möglichkeit, zu wachsen, weiterzugehen, den Herrn zu lieben, Gutes zu tun, die christliche Lehre zu verstehen und alle haben wir die Möglichkeit, die Sakramente zu empfangen, klar?"

Dann kannst du gleich die Kirchentüre zuschließen. Entweder alle oder keiner.

Papst Franziskus über die Ausgrenzung von Behinderten

Weiter habe Franziskus daran erinnert, dass bereits zur Einführung der Kinderkommunion durch Papst Pius X. vor einem Jahrhundert debattiert wurde, ob Kinder überhaupt in der Lage seien, das Sakrament zu erfassen. Wenn heute Menschen mit Behinderung vom kirchlichen Leben ausgeschlossen würden, sei das vergleichbar. "Dann kannst du gleich die Kirchentüre zuschließen. Entweder alle oder keiner. Einem Priester, der sagt, er könne nicht alle aufnehmen, weil nicht alle verstehen könnten, dem sage ich: Du bist derjenige, der nicht versteht", so Franziskus.

Franziskus lobt die Vielfalt

Bei der Zusammenkunft habe der Papst den Reichtum betont, der sich durch die unterschiedlichen Fähigkeiten aller Menschen ergebe. "Die Unterschiede sind gerade der Reichtum, denn ich habe eine Sache, du eine andere und mit diesen beiden werden wir zu etwas Schönerem, Größerem." Franziskus lehne demnach die Vorstellung von einer Welt ab, in der alle Menschen die gleichen Fähigkeiten besitzen: "Aber das wäre doch so langweilig! Eine langweilige Welt! Natürlich gibt es schmerzhafte Unterschiede, aber wir wissen alle, dass die von Krankheiten kommen. Aber diese Unterschiede helfen uns, fordern uns heraus und bereichern uns."

Als sich ein Kind mit Down-Syndrom auf das Podest neben den Papst stellte, lobte er ihr gutes Beispiel: "Die hat keine Angst, die riskiert was, die weiß, dass die Unterschiede ein Reichtum sind: Sie riskiert, das ist uns allen eine Lehre. Sie wird nie diskriminiert werden, was? Die weiß sich selbst zu verteidigen!" (kim/KNA)

Linktipp: Besonders. Anders. Normal.

Immer weniger Kinder wollen heute nach der Erstkommunion ministrieren. Umso schöner, wenn sich ein so junger Mensch zum Dienst in der Kirche entscheidet. Josef ist zudem noch ein ganz besonderer Mensch. Er hat das Down-Syndrom.

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