Patriarch unterstützt Türkei-Offensive in Syrien

Bartholomaios I. betet für den Erfolg der türkischen Offensive in Syrien - das freut Erdogan-Anhänger und ruft Kritiker auf den Plan. Wie die Solidaritätserklärung entstanden ist, bleibt aber unklar.

Orthodoxie | Istanbul - 29.01.2018

Die türkische Tageszeitung "Hürriyet" hat am Wochenende ein Unterstützungsschreiben des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. an Präsident Recep Tayyip Erdogan für dessen militärische Offensive in Nordsyrien veröffentlicht. Anders als in der türkischen fand dies in der griechischen und zypriotischen Presse größtenteils negativen Widerhall.

In dem Schreiben des Ehrenoberhaupts der orthodoxen christlichen Kirchen heißt es, die Weltöffentlichkeit stehe hinter "der entschlossenen Haltung von Präsident Erdogan in seinem Kampf gegen den Terror". Die orthodoxe Kirche bete um Erfolg der Operation "Olivenzweig" im syrischen Afrin: "Wir bitten Gott darum, dass die türkischen Streitkräfte ihr Ziel erreichen!"

Alte Vorwürfe gegen Bartholomaios I. werden erneuert

Konservative orthodoxe Kreise, die Bartholomaios I. unter anderem wegen seiner ökumenischen Offenheit kritisch sehen, erneuern nun alte Vorwürfe gegen den Patriarchen als "Türkenknecht". Das neutrale Athener Kirchenportal "romfea.gr" gibt den Text aus der "Hürriyet" unter einem Bild von Bartholomaios mit einem schwerbewaffneten türkischen Soldaten und mit dem Titel wieder: "Ökumenischer Patriarch: Wir beten um Erfolg der türkischen Truppen".

Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel vor einem großen Holzkreuz.
Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel idt Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie.
 KNA

Das Patriarchat bestätigte die "Segnung der türkischen Waffen" durch Bartholomaios I. - unter Verweis darauf, dass der Patriarch die Erklärung als letzter Religionsführer nach dem israelitischen Oberrabbiner, dem armenischen Patriarchatsverweser und dem syrisch-orthodoxen Patriarchalvikar von Istanbul abgegeben habe. Zu den genauen Umständen und dem Zustandekommen der Erklärung könne man sich nicht äußern, hieß es.

Bislang hatte sich der Ökumenische Patriarch dem Druck Erdogans widersetzt, ihn öffentlich zu unterstützen. So äußerte er sich nicht zur angeblichen staatsfeindlichen Verschwörung von Anhängern des Predigers Fethullah Gülen und nahm als einzige religiöse Führungspersönlichkeit der Türkei nicht an einer Massen-Treuekundgebung für Erdogan im August 2016 teil.

Keine Unterstützung von der katholischen Kirche

Die regierungsnahe Boulevardzeitung "Sabah" berichtete am Wochenende ebenfalls, Bartholomaios habe sich als letzter auf die Liste der religiösen Minderheitenführer des Landes zur Unterstützung der Militäroperation gesetzt. Laut "Sabah" gab auch der "Verband nicht-mulimischer religiöser Stiftungen", eine Dachorganisation von christlichen und jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen, eine gleichlautende Unterstützungserklärung ab.

Keine Unterstützung des militärischen Vorgehens in Nordsyrien, wo neben Kurden auch Christen leben, liegt bislang von Seiten der katholischen Kirche in der Türkei vor. Ihr wurde dieser auch nicht abverlangt, da die türkischen Katholiken keinen öffentlich-rechtlichen Status wie Griechisch-Orthodoxe oder Armenier besitzen. In katholischen Kreisen herrscht aber Besorgnis über den Druck der Regierung auf die anderen religiösen Minderheiten. Beobachter werten den Vorgang als Nötigung des Ökumenischen Patriarchen - und das kurz vor einem für Anfang Februar geplanten Begegnung Erdogans mit Papst Franziskus, der als enger Freund von Bartholomaios I. gilt.

Von Heinz Gstrein (KNA)

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