Priester, verheiratet, vier Kinder

Pastor Hans Janßen (60) kommt aus Bremen und war evangelischer Pfarrer. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Im Jahr 2012 wurde Janßen in Hamburg von Erzbischof Werner Thissen zum katholischen Priester geweiht. Wie es dazu kam, erzählt er im Interview.

Serie: Mein Glaube | Bonn - 20.06.2017

Frage: Herr Janßen, wie kam es dazu, dass Sie katholischer Priester werden wollten? Das ist für einen evangelischen Pastor doch ungewöhnlich, oder?

Janßen: Erzbischof Werner Thissen hat in unserem ersten Gespräch einen entscheidenden Satz gesagt: "Es kommt nicht darauf an, einen theologischen Disput zu führen, sondern es geht darum herauszufinden, was Gottes Wille ist." Das fand ich stark. Er meinte sogar, wenn ich am Ende doch evangelischer Pastor bleiben würde, wäre das auch in Ordnung für ihn. Ich habe da eine große Offenheit und ein freundliches Wohlwollen mir gegenüber gespürt.

Frage:  Bestimmt kam Ihnen nicht nur Wohlwollen entgegen bei Ihrer Entscheidung…

Janßen: Das stimmt, es gab große Vorbehalte von allen Seiten. Die einen haben gefragt, wie das überhaupt gehen soll und ob das überhaupt möglich ist. Die anderen haben sich mit mir gefreut, weil sie sahen, dass das eine geistliche Entscheidung war. Ich bin froh und dankbar, keine Freunde verloren zu haben. Manche hatten mir ja vorausgesagt, dass ich alles abbrechen würde. Aber das stimmte so nicht. Mein Vater, der überhaupt nicht kirchlich war, hatte die Auffassung: Wenn man einmal etwas angefangen hat, dann muss man auch dabei bleiben. Das stimmt einerseits ja auch, andererseits weiß ich nicht, ob ich es war, der sich verändert hatte oder ob es die kirchlichen Veränderungen waren, die mich zu einem Aufbruch bewegt haben. Ich glaube, da kommt beides zusammen.

Pastor Hans Janßen (60) kommt aus Bremen und war evangelischer Pfarrer. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Im Jahr 2012 wurde Janßen in Hamburg von Erzbischof Werner Thissen zum katholischen Priester geweiht. Heute ist Janßen katholischer Pfarrer in der Pfarrei St. Vicelin in Bad Oldesloe.
 Hans Janßen

Frage: Wie haben Ihre Frau und Ihre Kinder darauf reagiert, dass Sie katholisch werden wollten?

Janßen: Es war ein Ringen, das gebe ich zu. Nach dem einen Jahr der Prüfung und Vorbereitung und nachdem wir gefirmt worden waren, mussten wir aus dem evangelischen Pfarrhaus ausziehen. Wir sind dann nach Hamburg gezogen. 2008 wurde ich dann katholisch. Meine Frau hat sich nach langer Prüfung ebenfalls dafür entschieden.  Meine Kinder sind dagegen evangelisch geblieben. Ich hatte sie ja sogar zuvor selbst konfirmiert.

Frage: Wie ging es dann weiter?

Janßen: Danach war ich drei Jahre lang fürs Studium im Priesterseminar in St. Georgen bei Frankfurt. Zuerst habe ich schon geschluckt, aber mit der Zeit habe ich erkannt, dass dieser Weg, dieser Aufbruch in ein neues Leben wie ein Geschenk für mich ist. Ich war damals 51 Jahre alt.

Frage: Was war denn die treibende Kraft für Sie, diesen Weg anzutreten?

Janßen: Zum Beispiel das Sakramentsverständnis. Geradeheraus gesagt: Ich bin froh, jetzt in einer Kirche zu sein, in der es einen starken Konsens gibt. Ich muss nicht mehr streiten, ob wir im Gottesdienst die Gegenwart Christi feiern oder nicht und ich muss nicht mehr darauf Acht geben, ob der Küster nach dem Gottesdienst aus Versehen irgendwas verschüttet…

Pastor Hans Janßen (60) kommt aus Bremen und war evangelischer Pfarrer. Im Jahr 2012 wurde Janßen in Hamburg von Erzbischof Werner Thissen zum katholischen Priester geweiht (3. von links).
 Katrin Erbe

Frage: Sie meinen, den Wein aus dem Kelch nach der Abendmahlsfeier?

Janßen: Ja. Es war bei mir immer so, dass die "relicta", also die übrig gebliebenen Elemente aus der Abendmahlsfeier von mir selbst oder von den Kommunionhelfern verzehrt wurden. Das hat natürlich in der Gemeinde zu Rückfragen geführt, denn in der lutherischen Theologie, war das faktisch nur selten Praxis. In einer Gemeinde in Ostfriesland wurde ich aufgefordert, Traubensaft statt Wein zu nehmen. Das hielt ich nicht für vertretbar. Wenn Jesus in der Schrift sagt, tut dies zu meinem Gedächtnis und dabei von Brot und Wein spricht, dann kann es nicht sein, dass wir es nur so ähnlich machen. Das hat für mich auch mit der Treue zur Schrift zu tun. Wenn Sie wollen, war ein urevangelisches Element der Auslöser für mich darüber nachzudenken, ob ich in der katholischen Kirche nicht doch mehr zu Hause bin, als ich es in der evangelischen je war.

Frage: Was fasziniert Sie noch an der katholischen Kirche?

Janßen: Ich feiere gerne Gottesdienst, ich taufe auch gerne, auch die Krankensalbung ist mir wichtig. In meiner Gemeinde lasse ich gerade ein Beichtzimmer herrichten. Aber wenn ich zurückblicke, war mir schon als evangelischer Pastor das sonntägliche Abendmahl am wichtigsten. Mit der Zeit stellte ich dann fest, dass mir das Sakrament immer wichtiger wurde und ich merkte auch, dass es bezogen auf das Altarsakrament keine gemeinsame Auffassung in der evangelischen Kirche gab.

Pastor Hans Janßen (60) kommt aus Bremen und war evangelischer Pfarrer. Im Jahr 2012 wurde Janßen in Hamburg von Erzbischof Werner Thissen zum katholischen Priester geweiht (3. von links).
 Katrin Erbe

Frage: Finden Sie es fair, wenn Sie an das Zölibat denken, dass Sie, anders als katholische Priester, in einer Familie leben können?

Janßen: Ich denke dabei an einen Aspekt, der dabei immer untergeht. Als Priester bin ich für meine Frau eine Zumutung. Ja, wirklich! Denn was ist das für ein Familienleben, wenn ich jeden Feierabend, jedes Wochenende außer Haus bin und mich um die Menschen kümmere oder mit Ihnen Gottesdienst feiere? Das setzt bei der Frau die Bereitschaft voraus, diese Entscheidung mitzutragen und den Weg des Gehorsams mitzugehen. Das ist bei weitem nicht immer einfach. Ich wäre den Weg nicht gegangen, wenn meine Frau nicht dazu Ja gesagt hätte.

Frage: Sind Sie eigentlich noch evangelischer Pastor?

Janßen: Pastor ist meine Dienstbezeichnung, das heißt ich bin Geistlicher einer Pfarrei. Aber ich bin nicht mehr evangelischer Pastor, heute bin ich katholischer Pastor. Biografisch bleibt die Ordination, aber sie wird durch die Priesterweihe überboten. Beides gehört zu meinem Lebensweg und zu meiner Berufungsgeschichte dazu.

Frage: Ziel erreicht?

Janßen:  Berufung ist immer ein Weg, den wir nicht planen können. Ich folge Christus, denn nur so wurde meine Entscheidung erst möglich. Schon Abraham wurde in ein Land geschickt, das Gott ihm zeigen wollte. Das heißt, es war kein Land mit einem bestimmten Namen. Und genau das ist Berufung. Man braucht für einen neuen Weg eine gewisse Offenheit. Damit will ich sagen, wir werden fortwährend gerufen und die Berufung muss sich immer wieder neu bestätigen. Ich werde im Dezember Pfarrer von einer Großpfarrei in Hamburg. Es ist seit meiner Priesterweihe gerade mal fünf Jahre her, seit ich Priester bin. Auch dann müssen meine Frau und ich wieder alles loslassen und neu beginnen. Das ist nicht immer einfach. Aber das Wagnis hat sich gelohnt.  

Von Madeleine Spendier

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