Seligsprechung von Johannes Paul I. rückt näher

Der Prozess zur Seligsprechung des "33-Tage-Papstes" hat eine entscheidende Etappe genommen: Der Vatikan erkannte ihm den "heroischen Tugendgrad" zu. Doch zur Seligsprechung fehlt noch ein Wunder.

Päpste | Vatikan - 09.11.2017

Die Seligsprechung von Papst Johannes Paul I. (1912-1978) ist näher gerückt. Wie der Vatikan am Donnerstag mitteilte, erkannte die Heiligsprechungskongregation dem "33-Tage-Papst" den sogenannten heroischen Tugendgrad zu. Papst Franziskus habe das Dekret unterzeichnet. Hierbei handelt es sich um die amtliche Feststellung, dass ein Katholik die christlichen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung in herausragender Weise gelebt hat. Damit gilt Johannes Paul I. als verehrungswürdig.

Nur das Wunder fehlt jetzt noch

Für eine Seligsprechung Albino Lucianis muss nun noch ein Wunder anerkannt werden, das in Folge eines Bittgebets an Johannes Paul I. nach dessen Tod eingetreten ist. In der Regel sind dies medizinisch nicht erklärbare Heilungen. Laut italienischen Medienberichten soll es bereits drei Fälle geben, die dafür in Betracht kommen.

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Es war eines der kürzesten Pontifikate in der Geschichte des Papsttums. Nur 33 Tage nach seiner Wahl zum Papst starb Johannes Paul I. am 28. September 1978. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen beschäftigt er auch heute noch die Gemüter.

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Die Seligsprechung gilt als Vorstufe zur Heiligsprechung. Im Unterschied zu Heiligen dürfen Selige nur regional verehrt werden, aber nicht in der gesamten Weltkirche. Bislang wurden vier Päpste des 20. Jahrhunderts seliggesprochen: Pius X., Johannes XXIII., Johannes Paul II., und "Konzilpapst" Paul VI. Bis auf Letzteren wurden alle auch heiliggesprochen. Noch nicht abgeschlossen ist das Seligsprechungsverfahren für Pius XII. Ihm wurde 2009 der heroische Tugendgrad zuerkannt, die Anerkennung eines Wunders steht jedoch ebenfalls noch aus.

Leibarzt des Papstes bestätigte Herzinfarkt-These

In den vergangenen Tagen hatte ein Buch Aufsehen erregt, das bislang unbekannte Aussagen des Leibarztes zum Tod von Johannes Paul I. enthält. Autorin ist die Vize-Postulatorin im Seligsprechungsprozess, Stefania Falasca. Demnach klagte der Papst wenige Stunden vor seinem Tod am 28. September 1978 über starke Schmerzen im oberen Brustbereich, wollte aber keinen Arzt rufen lassen. Dies stützt die offizielle Darstellung, nach der Johannes Paul I. einem Herzinfarkt erlag. Das unerwartet frühe Ende des Pontifikats und eine fragwürdige vatikanische Kommunikationsstrategie hatten Spekulationen über eine mögliche Ermordung ausgelöst.

Albino Luciani, damals Patriarch von Venedig, wurde am 28. August zum Papst gewählt und starb in der Nacht vom 28. auf den 29. September. Der Seligsprechungsprozess war im November 2003 in seinem norditalienischen Heimatbistum Belluno eingeleitet worden. (tja)

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