Sich Zeit nehmen – wie geht das?

Noch viel zu tun bis Weihnachten? Damit der Advent dennoch eine besinnliche Zeit werden kann, setzen Sie Prioritäten im Umgang mit der Zeit. Wie das funktionieren kann, zeigen unsere zehn Strategien.

Advent | Ingolstadt - 27.11.2017

Jedes Jahr wiederholt sich das gleiche Schauspiel: "Was, schon wieder Advent? Nur noch ein paar Wochen, dann ist es Weihnachten und es gibt noch so viel zu tun!" Irgendwie stolpern die Menschen durch die Zeit und sind dann überrascht, wenn sie diese einholt. Die Adventszeit zeigt dies im Laufe des Jahres am deutlichsten. Aus einer Möglichkeit der Besinnung wurde eine Zeit der Hektik und des Herumrennens.

Viele Menschen wollen sich dem entziehen und kehren zur Urbedeutung der Adventszeit zurück: sich auf das Fest der Menschwerdung Gottes vorbereiten. Und das braucht Zeit. Zeit, die der moderne Mensch oft nicht mehr hat. So lernt er auf dem Weg, sein Leben bewusster gestalten zu wollen, gleichzeitig, dass er der Regisseur seiner Zeit werden kann. Sich Zeit nehmen für das wirklich Wichtige im Leben – wie geht das? Zehn irische Weisheiten geben uns dazu konkrete Tipps:

1. Nehmen Sie sich Zeit, um zu arbeiten, es ist der Preis des Erfolges.
2. Nehmen Sie sich Zeit, um nachzudenken, es ist die Quelle der Kraft.
3. Nehmen Sie sich Zeit, um zu spielen, es ist das Geheimnis der Jugend.
4. Nehmen Sie sich Zeit, um zu lesen, es ist die Grundlage des Wissens.
5. Nehmen Sie sich Zeit, um freundlich zu sein, es ist das Tor zum Glücklichsein.
6. Nehmen Sie sich Zeit, um zu träumen, es ist der Weg zu den Sternen.
7. Nehmen Sie sich Zeit, um zu lieben, es ist die wahre Lebensfreude.
8. Nehmen Sie sich Zeit, um froh zu sein, es ist die Musik der Seele.
9. Nehmen Sie sich Zeit, um zu genießen, es ist die Belohnung Ihres Tuns.
10. Nehmen Sie sich Zeit, um zu planen, dann haben Sie Zeit für die übrigen neun Dinge.

Wie diese Tipps schon zeigen, ist Zeit kein materielles Gut, das man nach dem Motto "Zeit ist Geld" besitzen kann. Zeit ist ein Phänomen, das es in sich hat. Der Schriftsteller und Philosoph Rüdiger Safranski beschreibt in seinem Buch "Zeit: Was sie mit uns macht und was wir aus ihr machen", das zu einem Spiegel-Bestseller wurde, das Mysterium der Zeit: "Die Zeit bewirkt, dass wir einen schmalen Streifen von Gegenwärtigkeit bewohnen, nach beiden Seiten umgeben von einem Nicht-Sein: das Nicht-Mehr der Vergangenheit und das Noch-Nicht der Zukunft." Schon der hl. Augustinus fragte: "Was also ist die Zeit? Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich's, will ich's aber einem Fragenden erklären, weiß ich's nicht."

Advent: Zeit der Vorbereitung

Der Advent ist die vierwöchige Vorbereitungszeit auf Weihnachten. Das Wort kommt vom lateinischen "adventus" und lässt sich mit "Ankunft" übersetzen. Was Sie sonst noch über den Advent wissen müssen, erfahren Sie hier.

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Wie geht das nun also? Sich Zeit nehmen? Es ist eine bewusste Entscheidung, die uns zu größerer Freiheit führen kann. Schon der römische Philosoph Seneca (+ 65 n. Chr.) schrieb an seinen Freund Lucilius: "Befreie dich für dich selbst und sammle und bewahre die Zeit, die dir bisher entweder geraubt oder heimlich entwendet wurde oder entschlüpfte. ... Ein großer Teil des Lebens entgleitet den Menschen, wenn sie Schlechtes tun, der größte, wenn sie nichts tun, das ganze Leben, wenn sie Nebensächliches tun. ... Während das Leben aufgeschoben wird, eilt es vorbei."

Es kommt also darauf an, Prioritäten in seinem Leben und im Umgang mit seiner Zeit zu setzen, denn wem etwas wirklich wichtig ist, der findet auch Wege, es zu verwirklichen. Wenn nicht, dann findet er Gründe, es sein zu lassen. Hier kommen zehn mögliche Strategien, wie es mit der eigenen Zeiteinteilung klappen kann:

Strategie 1 - Struktur
Sich hinsetzen und mit Hilfe von Stift und Papier sich einen Überblick meiner Zeit verschaffen. Den Tag und die Woche strukturieren und Freiräume einplanen.

Strategie 2 - Bewegung
Zeiten der Bewegung einplanen und nutzen: Spazieren gehen, den Kopf und die Seele frei bekommen, dem Körper etwas Gutes tun. Neue Ideen bekommen, die Dinge klarer sehen.

Strategie 3 - Müßiggang
Einmal am Tag und einmal wöchentlich etwas ganz Anderes tun oder sich Zeiten des bewussten Faulseins und des Müßigganges erlauben. So eine "Kur" befreit und verschafft Entspannung und Überblick. Die Lust am Tun kehrt zurück ...

Strategie 4 - Selbstbelohnung
Sich selbst belohnen. Diese Strategie erleichtert das Durchhalten von "ermüdenden Tätigkeiten" und gibt Energie und Freude zurück.

Strategie 5 - Austausch
Das Gespräch und den Austausch suchen. Mit einem lieben Menschen und mit Gott. Diese Strategie gibt das Gefühl, nicht alleine zu sein, den eingeschlagenen Weg zu bedenken, freundlich korrigiert zu werden. Gleichzeitig schenkt diese gemeinsame Zeit viel Energie und Kraft für das Alltägliche zurück.

Strategie 10: Einen Tag im Monat raus in die freie Natur - und zwar bei Wind und Wetter. Es kann, muss allerdings nicht die Wüste sein.
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Strategie 6 - Aufräumen
Mein Zimmer oder meine Wohnung reinigen und Aufräumen. Äußeres Aufräumen schafft Ordnung im Außen und auch im Inneren. Größeres Wohlbefinden und neue Freiräume entstehen.

Strategie 7 – Entscheidungen treffen
Gerade, wenn man schon länger etwas Hin und Her bewegt, befreit das "Sich entscheiden" sehr. Das kleine Büchlein des Jesuiten Stefan Kiechle "Sich entscheiden" ist dabei eine große Hilfe. UND: "Der Mensch wird des Weges geführt, den er wählt.“ (Johannes Bours)

Strategie 8 – Loslassen und Freigeben
Sich von Dingen und Menschen trennen, die einem auf längere Zeit nicht gut tun. Bewussten Loslassen ist ein Wagnis, das sich lohnt und Raum für Neues schafft. Freigeben  zieht Freiheit nach sich.

Strategie 9 - Abgrenzung
Grenzen setzen, freundlich-bestimmtes Ja- oder Nein-sagen bewirken Klarheit und Überblick. Niemand kann mich mehr ausnutzen, wenn ich das nicht zulasse. Diese Strategie bringt die eigene Würde zurück und verschafft einem Respekt bei anderen. UND: Sie verschafft unmittelbar mehr Raum und Zeit.

Strategie 10 - Wüstentag
Bewusst einen Tag im Monat herausnehmen, um bei Wind, Regen oder Hitze sich in der Natur zu bewegen. Dabei die Bedürftigkeit des Leibes und der Seele spüren. Eine Folge wird sein: Ich bin sehr dankbar für mein Leben so wie es ist. Dankbarkeit ist das Therapeutikum gegen Unzufriedenheit. Und Unzufriedenheit ist ein Zeiträuber.

Von Christoph Kreitmeir

Der Autor

Christoph Kreitmeir ist Buchautor und als Priester und Klinikseelsorger am Klinikum Ingolstadt tätig.

Tipp: Spiritueller Adventskalender

Mit seinem spirituellen Adventskalender möchte Christoph Kreitmeir Menschen ab dem 1. Dezember die Möglichkeit schenken, jeden Tag eine Treppenstufe zur Menschwerdung Gottes und somit zur eigenen Menschwerdung zu ersteigen.

Zur Homepage von Christoph Kreitmeir

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