Religion

So katholisch ist Berlin

Wie die verschiedenen Kulturen die Hauptstadt prägen

Görlitz - 26.03.2014

Berlin ist ein Klischee: Arm aber sexy, freche Schnauze und gottlos noch dazu. So stellt sich der Rest der Republik die Hauptstadt vor. Und die Berliner tun alles, um diesem Klischee gerecht zu werden. Kurt Krömer pöbelt über deutsche Comedy-Bühnen. Die Berliner Politik scheint am Flughafen BER demonstrieren zu wollen, dass sie unfähig ist, mit Geld umzugehen. In keiner anderen Stadt leben so viele Atheisten wie in Berlin. Aber ist Berlin gottlos? Und wie katholisch ist Berlin?

Gottlos ist Berlin nicht. Von den rund 3,3 Millionen Einwohnern Berlins sind nach Erkenntnissen aus dem Zensus 2011 etwa 21,5 Prozent evangelisch und 9,2 Prozent katholisch. Insgesamt bezeichneten sich bei der Umfrage 37,4 Prozent der Berliner Bevölkerung als christlich, 9,0 Prozent rechneten sich einer anderen Religion oder Glaubensrichtung zu, 23,4 Prozent fühlten sich keiner zugehörig und 30,2 Prozent machten keine Angaben. Nach Angaben der Berliner Statistikstelle sind 7,2 Prozent dem Islam zuzurechnen und 0,3 Prozent gehören zur Jüdischen Gemeinde.

Mit "nur" 9,2 Prozent Katholiken ist Berlin aber dennoch - sieht man die absoluten Zahlen - die drittgrößte katholische Stadt Deutschlands. Nur in München und Köln leben noch mehr Katholiken als in Berlin. Genau 321.627 Katholiken zählt das Erzbistum Berlin in der Stadt Berlin. Und deren Zahl wächst. Ein Trend, der auch in anderen ostdeutschen Großstädten wie Dresden und Leipzig zu verzeichnen ist. "Berlin zieht Menschen aus aller Welt, aus Europa und ganz Deutschland an", bestätigt der Pressesprecher des Erzbistums, Stefan Förner.

Besonders viele fremdsprachige Gemeinden in Berlin

Für viele Menschen sei Berlin ein Zufluchtsort, an dem sie sich eine bessere Zukunft ohne Krieg oder Verfolgung suchten, erklärt Förner. Auch Menschen aus den Krisenländern der Europäischen Union wie Spanien, Portugal oder Italien kämen besonders häufig nach Berlin. Hier gibt es tatsächlich besonders viele fremdsprachige Gemeinden, die häufig neben den deutschsprachigen Gemeinden existieren. Jeder fünfte Katholik im Erzbistum Berlin ist nicht deutscher Muttersprache.

Der Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe in Berlin, Prälat Karl Jüsten.
Der Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe in Berlin, Prälat Karl Jüsten.  KNA

Besonders wahrgenommen wird im politischen Berlin die Katholische Akademie, die 1991 von den ostdeutschen Diözesen gegründet worden ist. In ihren Veranstaltungen und Konferenzen beschäftigt sie sich mit gesellschaftlichen Entwicklungen und legt besonderen Wert auf den katholischen Blickwinkel.

Hier hat auch das "Katholische Büro" seinen Sitz. Die Einrichtung ist die Vertretung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und des "Verbandes der Diözesen" (VDD) am Sitz der Bundesregierung. Das Generalsekretariat beider Einrichtungen sitzt in Bonn. Nach dem Hauptstadtbeschluss des Deutschen Bundestages hatten sich die Bischöfe gegen einen Umzug von DBK und VDD nach Berlin entschlossen. Bis heute wird erzählt, dass nur eine einzige Stimme den Ausschlag gab.

Die Bischöfe diskutieren: Bonn oder Berlin?

Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa hat diesen Beschluss jetzt in Frage gestellt. In einem Interview mit der Lausitzer Rundschau sagte Zdarsa, dass auch die Bischofskonferenz an "die Ränder" gehen müsse, wie es Papst Franziskus von der Kirche fordere. Berlin sei dafür der richtige Ort. Auch bei der Vollversammlung der Bischofskonferenz wurde über die Frage "Bonn oder Berlin" diskutiert.

Zwar liegt Berlin am östlichen Rand der Republik, aber nicht außerhalb der katholischen Welt. Auch hier gibt es katholische Schulen, Kindertagesstätten, einen Caritasverband und eine Kathedrale. Auch Wallfahrten gibt es in Berlin. Die sind aber anders, als sie in katholisch geprägten Gegenden sind. Hier gibt es keine Jahrhunderte alten Wallfahrtskirchen oder barocke Klöster mit Reliquien von Heiligen.

Die einzige Wallfahrtskirche der Stadt - Maria Frieden - ist aus Beton. Im Zentrum der Wallfahrten steht ein Bild von Otto Dix, die "Madonna vor Stacheldraht und Trümmern mit Paulus und Petrus". Das Bild hatte der Maler, dessen Kunst von Nazis als "entartet" bezeichnet wurde, 1945 in der Kriegsgefangenschaft gemalt. Aber spätestens bei den Reisemitteln der Pilger entspricht Berlin wieder dem Klischee. Der Berliner pilgert auch schon einmal mit U- und S-Bahn – denn die Wege in der Großstadt sind weit.

Von Markus Kremser

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