Sozialreformer und Seelsorger

Als Kind eines Schäfers und als Kaplan im Wuppertal des Industriezeitalters lernte Adolph Kolping Armut unmittelbar kennen. Doch bei Mitleid blieb der Priester nicht stehen - er handelte sozial.

Adolph Kolping | Köln - 01.03.2015

Was Not bedeutet, erfuhr der Sohn eines Schäfers am eigenen Leib. Geld für den Besuch der höheren Schule gab es für ihn nicht. Adolph Kolping lernte deshalb das Schuhmacherhandwerk. Als Lehrling und Geselle bekam er die Schattenseiten des beginnenden Industriezeitalters hautnah mit. Diese zehn Jahre prägten den späteren Priester, Sozialreformer und Gründer des Kolpingwerks.

Wegen seines armen Elternhauses konnte Kolping erst mit 23 Jahren die Schulbank weiter drücken. Ab 1837 holte er am Kölner Marzellengymnasium das Abitur nach. Mit Unterstützung der Gutsbesitzerfamilie, für die sein Vater arbeitete, konnte er in München und Bonn Theologie studieren. Am 13. April 1845 empfing Kolping die Priesterweihe.

"Jetzt vermag man die Not am besten abzumessen"

Seine erste Stelle als Kaplan und Religionslehrer führte ihn nach Elberfeld, der damals zweitgrößten Stadt der preußischen Rheinprovinz. Als Geistlicher an Sankt Laurentius war er ständig mit der Not im Industriegebiet des Wuppertals konfrontiert. "Jetzt vermag man die Not am besten abzumessen", notierte er einmal, "wenn man im Pfandhause nachsieht, welche Klasse von Leuten ihre beste Habe dort hinterlegt hat, und wenn man auf der Straße diese Menschen betrachtet, denen der durchlebte Jammer tief ins Gesicht sich einwühlt."

Player wird geladen ...
Industrialisierung - Revolution - Viele Dinge verändern Anfang des 19. Jahrhunderts das Leben der Menschen in Europa. In dieser Zeit erblickt Adolph Kolping das Licht der Welt.
 katholisch.de

Bei Mitleid blieb Kolping nicht stehen. "Aber was hilft das Klagen, was hilft das Seufzen bei dem Übel, wenn nicht Hand angelegt wird, es zu verhüten?", ermunterte er damals die Gemeinde in einer Predigt zu sozialem Handeln. Wie sein Vorgänger wurde Kaplan Kolping zum Präses des vom Lehrer Johann Georg Breuer 1846 gegründeten Vereins, der jungen Gesellen auf Wanderschaft Gesellschaft, religiösen Halt, Bildung und soziale Unterstützung geben wollte. Schon damals ging es um die Entfaltung beruflicher und allgemeiner Fähigkeiten sowie um die Gestaltung der Lebenswelt aus dem Glauben heraus.

Kolping erkannte den Stellenwert des Gesellenvereins und wollte dieses Modell der Hilfe zur Selbsthilfe weitertragen. Deshalb ließ er sich 1849 vom damaligen Kardinal Johannes von Geissel in die Bischofsstadt Köln versetzen. Dort rief der zum Domvikar ernannte Geistliche gemeinsam mit sieben jungen Männern nach dem Elberfelder Vorbild einen Gesellenverein ins Leben, aus dem schließlich das weltweite Kolpingwerk hervorging.

Die Idee breitete sich im Rheinland und in Westfalen aus, wo sich Handwerksgesellen auf Wanderschaft organisierten. Beim Katholikentag 1851 in Mainz wies Kolping eindringlich auf die benachteiligten Menschen hin: "Es gibt eine Klasse Menschen, die kriegt ihr gar nicht zu sehen, aber sie lebt doch." Und er warb dafür, in jeder größeren Stadt für die Gesellen Hospize einzurichten, "damit sie nicht in die liederlichen Herbergen kommen, wo der Teufel haust". Kolping sammelte Spenden und öffnete zwei Jahre später das erste Gesellenhaus in Köln, das jungen Männern neben preiswertem Wohnraum auch Weiterbildungsmöglichkeiten bot. Weitere Gründungen dieser "Akademien im Volkston" folgten.

Das Grab von Adolph Kolping in der Kölner Minoritenkirche.
 KNA

Der als charismatisch beschriebene Geistliche entfaltete auch eine umfängliche journalistische Tätigkeit, etwa für die Wochenzeitung "Rheinische Volksblätter", um die sozialen Missstände des 19. Jahrhunderts aufzuzeigen. Kolping engagierte sich für seine Sache, obwohl er immer wieder unter Krankheiten litt. Vier Tage vor Vollendung seines 52. Lebensjahres starb er am 4. Dezember 1865 im Kölner Gesellenhaus.

Grab in der Kölner Minoritenkirche

Das Grab von Kolping, den Papst Johannes Paul II. (1978-2005) 1991 seligsprach, befindet sich in der Kölner Minoritenkirche. Sein Sozialverband, der Familien, Bildung für Jugendliche und Erwachsene und Entwicklungshilfe fördert, lebt weiter. Im Todesjahr zählte Kolpings Werk 24.000 Mitglieder und 400 Ortsvereine. Heute sind es 400.000 Mitglieder in rund 7.300 Kolpingsfamilien in 61 Ländern.

Von Andreas Otto (KNA)

Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2017