Stephan Ackermann übernimmt Liturgiekommission

Triers Bischof Stephan Ackermann übernimmt die Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz. In der Fachgruppe könnte schon bald ein Großprojekt wieder aus der Schublade geholt werden.

Bischofskonferenz | Bonn - 28.09.2017

Die Bischöfe befördern Stephan Ackermann: Bei ihrer Herbst-Vollversammlung in Fulda wählten seine Amtsbrüder den Trierer Bischof zum neuen Vorsitzenden der Liturgiekommission. Ackermann war zuvor bereits Stellvertreter von Friedhelm Hofmann. Der ehemalige Würzburger Diözesanbischof war nach seiner Emeritierung vor eineinhalb Wochen auch aus seinen Ämtern in der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) geschieden.

Wie der promovierte Kunsthistoriker Hofmann ist auch Ackermann kein gelernter Liturgiker. Nach Studium in Trier und Rom promovierte er an der Jesuiten-Hochschule St. Georgen im Fach Dogmatik. Parallel war er von 1999 bis 2006 Regens des Spätberufenenseminars St. Lambert in Lantershofen. 2006 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Weihbischof in Trier. Im Jahr 2009 folgte er dem heutigen Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, als Trierer Diözesanbischof nach. Seit 2010 ist Ackermann der Beauftragte der DBK für Fragen des sexuellen Missbrauchs.

Trier wird "Liturgiehauptstadt"

Mit der Wahl Ackermanns zum Kommissionsvorsitzenden wird Trier zur "liturgischen Hauptstadt" Deutschlands. Der älteste Bischofssitz der Republik ist seit mittlerweile 70 Jahren Standort des Deutschen Liturgischen Instituts, dessen Vorstand Ackermann ebenfalls angehört. Als zentrale Bildungs- und Forschungseinrichtung der DBK für alle Themen rund um den Gottesdienst arbeitet das Institut der Liturgiekommission zu. Darüber hinaus fungiert es als Schnittstelle zwischen akademischer Wissenschaft und liturgischer Praxis in Diözesen und Gemeinden.

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EXKLUSIV: Im ersten Interview als neuer Vorsitzender der Liturgiekommission spricht Triers Bischof Stephan Ackermann über die neue Bibel und neue Regeln aus Rom.
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Von der Kompetenz des Instituts profitierte auch schon Ackermann in seiner Funktion als Diözesanbischof: Erstmals seit Jahrhunderten wurde in seinem Bistum Anfang 2016 eine Witwenweihe gefeiert. Dieses Ritual ist zwar seit der Antike belegt, war aber jahrhundertelang nicht gepflegt worden. In Kooperation mit dem Liturgischen Institut erarbeitete Ackermann eine neue Vorlage für die Feier – und schrieb damit Liturgiegeschichte.

Liturgiekommission und Institut waren zudem in den zurückliegenden Jahren mit mehreren Großprojekten befasst: Im Jahr 2013 wurde das neue Gotteslob für die deutschsprachigen Diözesen vorgestellt. Seit Herbst vergangenen Jahres liegt zudem die neue Einheitsübersetzung der Bibel ins Deutsche vor. In den kommenden Jahren soll diese in Form neuer liturgischer Bücher für den Gebrauch im Gottesdienst umgesetzt werden. Auch hierbei werden Institut und Kommission unter der Ägide Ackermanns eine zentrale Rolle spielen.

Kommt das neue Messbuch wieder auf den Tisch?

Zudem könnte in der Liturgiekommission demnächst ein Großprojekt auf Wiedervorlage gelegt werden: das neue Messbuch. Noch vor wenigen Jahren scheiterte der Versuch der deutschen Bischöfe, eine neue Übersetzung der Texte der Heiligen Messe anzufertigen. Größtes Problem damals war ein Disput mit dem Vatikan über manche Formulierungen. Dem Vernehmen nach war das Buch bereits fertig, als das Projekt schließlich doch beerdigt wurde. Anfang September jedoch änderte Papst Franziskus die Übersetzungsvorgaben für liturgische Bücher und räumte damit den Bischofskonferenzen weitgehende Selbstbestimmung ein. Es scheint daher nicht ausgeschlossen, dass die Liturgiekommission ihre Vorlage von vor vier Jahren nun wieder hervorholt.

Für Ackermann spielt darüber hinaus die aktuelle Entwicklung der Seelsorge eine große Rolle. Bis Mai 2016 beriet er sich bei einer Diözesansynode mit den Gläubigen über die Zukunft im Bistum Trier. Am Ende beschloss das Gremium neben einer Stärkung der Laien etwa im liturgischen Dienst auch einen drastischen Umbau der Pfarreienlandschaft. In diesem Zusammenhang müssten auch neue, von Laien getragene Gottesdienstformen entwickelt werden. Jüngst forderte der Bischof zudem seine Priester auf, eine Debatte über das eigene Berufsbild zu führen. Er wünsche sich, dass diese sich vor allem als Seelsorger und weniger als Manager verstehen, berichtete die Trierer Bistumszeitung "Paulinus". Demnächst hat Ackermann eine passende Gelegenheit, sich in diesem Sinne selbst zu prüfen: Am 10. Oktober begeht er den 30. Jahrestag seiner Priesterweihe.

Von Kilian Martin

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