Sternberg: Zölibat hat Plausibilität verloren

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland nur 58 neue Priester geweiht. Für den ZdK-Präsidenten Thomas Sternberg bedeutet das eine "katastrophale pastorale Situation".

Kirche | Köln - 15.02.2017

Angesichts des Priestermangels hat der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, von einer "katastrophalen pastoralen Situation" gesprochen. Die Zahl der katholischen Priester gehe seit Jahren "dramatisch" zurück, sagte Sternberg am Mittwoch im Deutschlandfunk. Im vergangenen Jahr seien für ganz Deutschland 58 neue Priester geweiht worden. "Die Frage, warum nicht auch erwachsene Männer, verheiratete Männer Priester werden können, die wird einfach nicht mehr verstanden." Heute habe der Zölibat seine Plausibilität verloren, sagte Sternberg.

Er zeigte sich überzeugt: "Wir werden künftig zu ganz anderen Gemeindestrukturen kommen müssen." Sternberg sagte weiter, er gehe davon aus, dass bestimmte Modell wegbrechen würden. In diesem Zusammenhang nannte er auch "XXL-Pfarreien". Es sei nötig, vom Versorgungsmodell wegzukommen. Es werde darauf ankommen, "dass Laien selbstbewusst und eigenständig ihre Dinge in die Hand nehmen".

Ohne religiöses Wissen zur Erstkomunnion?

Man solle sich hüten "davon auszugehen, dass die Kirche nur dann Kirche ist, wenn die Gemeinschaft auch voll und ganz in allen Positionen theologisch gebildet, liturgisch gebildet auf der Höchstform der Religiosität steht", sagte Sternberg. Es sei zwar ein Problem und eine "Katastrophe", wenn religiöses Wissen bei Menschen wegbreche. Aber dennoch sei zu beachten, dass sie sich eben an die Kirche wendeten, wenn beispielsweise eine Erstkommunion anstehe.

Anlass von Sternbergs Äußerungen ist das in diesen Tagen erscheinende Buch "Aus, Amen, Ende?" des Münsteraner Pfarrers Thomas Frings, dessen Schritt ins Kloster für Schlagzeilen gesorgt hatte. Er wollte sich eine Auszeit nehmen, nachdem er die Service-Erwartungen an seine Person als zu hoch und die Kontakte in der Großpfarrei als zu unpersönlich empfunden hatte. Seit September 2016 lebt der 56-Jährige als sogenannter Postulant im Kloster.

"Ich bin nicht frustriert gegangen, ich bin gegangen, bevor der Frust kam", sagte er im Deutschlandfunk. Und kritisiert: "Wir haben einen Nachwuchsmangel, der so eklatant geworden ist, dass selbst dieses ganze fusionierte Modell der Diözese so schon nicht mehr funktionieren wird in kürzester Zeit." Angesichts von fehlendem Nachwuchs habe er sich gefragt, wie viel Energie er aufwenden solle. (KNA)

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