Sternsinger eröffnen Dreikönigssingen 2018

Kann man jemals zu alt für das Sternsingen sein? Tausende Kinder und Jugendliche, aber auch einige pensionierte "spätberufene" Sternsinger haben diese Frage bei der Eröffnungsfeier mit einem klaren Nein beantwortet.

Hilfswerke | Trier - 29.12.2017

Ein einziges Farbenmeer ist das Hauptschiff des Trierer Doms am Freitagvormittag. Bunte Umhänge, lange, wallende Gewänder, golden leuchtende Sterne und vor allem glänzende Papierkronen dominieren das Bild. Der gastgebende Trierer Bischof Stephan Ackermann versucht, die Kinder und Jugendlichen mit einem Wettbewerb aus der Reserve zu locken. "Wenn wir jetzt dieses Lied singen, dann probiert doch mal, lauter zu sein als die Orgel", fordert er die kleinen Könige auf. Es funktioniert: Eifrig singen sie bei der Eröffnungsfeier der 60. Aktion Dreikönigssingen 2018 das Lied "Gloria in excelsis Deo" mit.

"Einen solchen Auftakt mit so vielen Sternsingern zu haben, das ist für mich ein tolles Erlebnis", freut sich Ackermann. Seit 1959 richten das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) die Aktion aus. Erstmals findet der Auftakt in Trier statt. "Das Bild im Dom war fantastisch: So dicht gefüllt mit Sternsingern, ihren funkelnden Kronen und strahlenden Augen", sagt Missionswerk-Präsident Klaus Krämer.

Er hat allen Grund, gut gelaunt zu sein. Beim Dreikönigssingen Anfang 2017 haben die Sternsinger rund 46,8 Millionen Euro eingesammelt und damit eine magische Grenze geknackt: Im Rahmen der weltweit größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder wurden insgesamt rund 1,04 Milliarden Euro Spenden erzielt. Damit wurden rund 71.700 Projekte weltweit unterstützt. "Das ist natürlich ein Markstein, den wir erreicht haben", sagt Krämer.

Das Motto 2018 lautet "Segen bringen, Segen sein. Gemeinsam gegen Kinderarbeit - in Indien und weltweit!" Damit wollen die Sternsinger darauf aufmerksam machen, dass nach Angaben des Kindermissionswerks weltweit 152 Millionen Mädchen und Jungen von Kinderarmut betroffen sind. In Trier wird das Thema bei zahlreichen Aktionen thematisiert; es gibt auch einen online abrufbaren Kampagnenfilm, in dem der Fernsehreporter Willi Weitzel indische Slums besucht und etwa ein Mädchen trifft, das Armreifen herstellt und noch nie zur Schule gegangen ist.

"Das ist eigentlich verboten", sagt Elias aus dem saarländischen Perl. Er ist 14 Jahre alt und schon ein alter Hase bei den Sternsingern. Es ärgert ihn, dass dennoch viele Kinder schuften müssen, etwa in indischen Steinbrüchen oder in der Bekleidungsindustrie. Elias mag es, mit seinen Freunden jeden Januar von Tür zu Tür gehen und den Segen in die Häuser zu bringen - auch, wenn es schon mal vorkommt, dass Leute ihnen die Tür vor der Nase zuknallt. "Aber eigentlich sind fast alle sehr nett und geben was", sagt er.

"Das ist auch eine körperliche Herausforderung für manche Gruppen, wenn sie stundenlang gehen, sich zwischendurch aufwärmen und wieder losziehen", würdigt Bischof Ackermann das Engagement der Kinder. Man müsse auch mit Ablehnung zurecht kommen. Vor vielen Jahren, so Ackermann, habe ihm ein Mädchen folgende Episode erzählt: "Wir sind an ein Haus gekommen, da hat ein Mann das Fenster aufgemacht und rausgerufen: Es ist keiner da. Der hat doch gelogen!"

Auch ältere Herren werden zu Sternsingern

Bernd Manns stammt aus dem 600-Seelen-Dorf Trimbs bei Mayen, wo sich kein Sternsinger-Nachwuchs fand. Also nahmen das ein paar "Spätberufene" vor fünf Jahren selbst in die Hand. "Ich hatte früher als Kind nicht die Gelegenheit, das hole ich jetzt im Alter nach", sagt der 67-jährige, der in seinem blauweißen Gewand und mit der goldenen Krone einer der ältesten Sternsinger sein dürfte. "Wir machen das mit einem Höllenspaß."

Aus der Gegend um Passau, wo die nachfolgende bundesweite Aktion 2019 eröffnet wird, ist eine Mädchengruppe nach Trier gereist und hört sich vor der Porta Nigra ein Livekonzert an. "Ziemlich cool", meint Jana, 17 Jahre alt und schon zum zehnten Mal als Weise aus dem Morgenland dabei. "Wir haben es hier ziemlich gut", erklärt Jana, warum sie auf das traurige Schicksal von Millionen Kinderarbeitern aufmerksam machen will. Neben ihr werden rund um den Dreikönigstag am 6. Januar bundesweit knapp 400.000 Sternsinger und Begleiter unterwegs sein.

Von Michael Merten (KNA)

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