Unabhängigkeit für ukrainische Orthodoxie?

In der Ukraine gibt es drei orthodoxe Kirchen. Das Parlament fordert nun deren Vereinigung und Eigenständigkeit. Die Entscheidung liegt beim Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I.

Ukraine | Kiew - 16.06.2016

Mit großer Mehrheit hat das ukrainische Parlament den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. von Konstantinopel aufgerufen, die orthodoxe Kirche des Landes als eigenständig (autokephal) anzuerkennen.

Wegen eines Verstoßes gegen die Kirchenregeln solle das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie eine Entscheidung von 1686 für ungültig erklären, wonach das Kiewer Patriarchat Moskau untersteht, heißt es in der am Donnerstag beschlossenen Resolution. Das Parlament verabschiedete sie mit 245 zu 20 Stimmen; ein Abgeordneter enthielt sich.

Vereinigung der drei orthodoxen Kirchen?

In der Resolution wird darauf verwiesen, dass das Patriarchat von Konstantinopel in den vergangenen 150 Jahren vier Kirchen den Status der Autokephalie verliehen habe. Bartholomaios I. wird zugleich aufgefordert, aktiv zu einer Vereinigung der drei orthodoxen Kirchen in der Ukraine beizutragen. Parlamentspräsident Andrej Parubij sagte: "Ich vertraue darauf, dass der Ökumenische Patriarch die Gebete von Millionen Gläubigen hören wird, die kein Schisma in der Ukraine wollen."

Rund 70 Prozent der 45 Millionen Ukrainer bekennen sich zum orthodoxen Christentum. Sie gehören allerdings drei verschiedenen Kirchen an: entweder der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats, dem 1992 gegründeten Kiewer Patriarchat oder der vor etwa 90 Jahren entstandenen "Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche". Einzig die mit Moskau verbundene Kirche wird von der Weltorthodoxie anerkannt. (KNA)

Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2017