Vatikan: Kritik am Brief der vier Kardinäle

Der Brief der vier Kardinäle stößt in der Vatikanzeitung auf deutliche Kritik. Ein Beitrag im "Osservatore Romano" bezeichnet die "Zweifel" als "eingebildet". Den Autoren wird ein Bußwerk ans Herz gelegt.

Vatikan | Vatikanstadt - 11.12.2016

Der Vatikan hat indirekt Kritik am offenen Brief der vier Kardinäle geübt, die von Papst Franziskus mehr Klarheit im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen fordern. Seine offiziöse Tageszeitung "Osservatore Romano" veröffentlichte in ihrer Sonntagsausgabe einen Gastbeitrag, der die von den Kardinälen geäußerten Zweifel als "eingebildet" bezeichnet. "Einige ehrenwerte Herren leiden, weil sie nicht verstehen, was Franziskus in 'Amoris laetitia' sagen wollte", heißt es in dem Artikel des spanischen Kardinals Fernando Sebastian Aguilar (86).

Kardinal: Diese Zweifel sind eingebildet

Ihre Zweifel seien "eingebildet", da Franziskus selbst seine Äußerungen als hinreichend klar betrachte, so der Kardinal. Für das Verstehen des päpstlichen Schreibens "Amoris laetitia" zum katholischen Verständnis von Ehe und Familie reiche es aus, es "langsam zu lesen und verstehen zu wollen", heißt es in dem Artikel. Wer sage, das seien persönliche Meinungen, es ändere sich nichts oder es ändere sich zu viel, brauche mehr Aufrichtigkeit und geistige Offenheit, so der ehemalige Erzbischof von Pamplona.

Der "Osservatore Romano" veröffentlicht Beiträge zu derart heiklen Themen nur mit Billigung oder im Auftrag des vatikanischen Staatssekretariats. Der Gastbeitrag des spanischen Kardinals unter dem Titel "Es reicht, verstehen zu wollen" erschien ursprünglich in der spanischen Zeitschrift "Vida Nueva". Aguilar war 2014 von Franziskus ins Kardinalskollegium berufen worden.

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Mit seinem Apostolischen Schreiben "Amoris laetita" hat Papst Franziskus für Aufruhr in der Kirche gesorgt. Ein Vertrauter des Papstes sagt nun: Den Pontifex selbst lässt die heiße Debatte kalt.

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Franziskus habe eine "sehr realistische Sicht", schreibt der spanische Kardinal weiter. Demnach gebe es Menschen, die in sündhaften Situationen gefangen seien, dies bereuten, aber sich nicht daraus befreien könnten. Der Papst lehre, dass diese Menschen von ihren Sünden losgesprochen werden und ohne Skandal die Kommunion empfangen könnten, wenn sie aufrichtig bereuten. Weiter heißt es in dem Artikel: "Wenn jene, die zweifelten, etwas ihr Papier sparen würden und zur Beichte gingen, würden sie das besser verstehen".

Zu den vier Unterzeichnern des im November veröffentlichten Briefs gehören auch der frühere Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, und der emeritierte deutsche Kurienkardinal Walter Brandmüller. (KNA)

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