Die Liebe im Mittelpunkt

Das nachsynodale Schreiben des Papstes zur Familiensynode steht ganz im Zeichen der Liebe. Mit "Amoris laetitia" hat Franziskus eines seiner wichtigsten Schreiben veröffentlicht. Katholisch.de stellt die einzelnen Kapitel vor und zitiert die wichtigsten Stellen.

Familiensynode | Bonn - 08.04.2016

Das Apostolische Schreiben "Amoris laetitia" gliedert sich in eine Einführung und neun inhaltliche Kapitel. Das vierte Kapitel über "die Liebe in der Ehe" nimmt dabei mit 76 Paragraphen (89-164) den größten Raum ein. Der zweitlängste Abschnitt ist das sechste Kapitel über "einige pastorale Perspektiven" mit 60 Paragraphen (199-258). Unter den inhaltlichen Abschnitten des Schreibens bildet das abschließende neunte Kapitel über "Spiritualität in Ehe und Familie" mit 13 Paragraphen (313-325) das kürzeste.

Einleitung (1-7)

Schon in der Einführung des Textes zeigt Papst Franziskus auf, was er damit jedenfalls nicht erreichen will: Alle möglichen Fragen der Ehe und Familie zu beantworten. Er weist darauf hin, "dass nicht alle doktrinellen, moralischen oder pastoralen Diskussionen durch ein lehramtliches Eingreifen entschieden werden müssen" (AL 3). Der Papst möchte sein Schreiben, wie auch die vorangegangenen Synoden als Handreichung für die Eheleute, die Familien und alle in der Seelsorge tätigen verstanden wissen. "Amoris laetitia" umfasst daher eine Vielzahl von Themen und stellt sich als umfangreiches Werk dar. "Darum empfehle ich nicht, es hastig ganz durchzulesen", so Franziskus (AL 7). Vielmehr sollten Familien und in der Pastoral Tätige das Schreiben in den jeweils für sie passenden Abschnitten vertiefen.

Linktipp

Das nachsynodale Schreiben "Amoris laetitia - Über die Liebe in der Familie" liegt in deutscher Sprache vor und ist im Wortlaut auf der Internetseite des Vatikan zu finden.

Zur Internetseite des Vatikan

1. Kapitel – Im Licht des Wortes (8-30)

Im ersten inhaltlichen Kapitel des Schreibens setzt sich Papst Franziskus mit biblischen Quellen zur Ehe und Familie auseinander. Der Abschnitt beginnt mit dem ersten von zwei großen Zitaten aus der Heiligen Schrift, nämlich dem Psalm 128, der auch in der Trauliturgie vorkommt (AL 8). Weiter greift er Jesu Rede über die Ehe und das Scheidungsverbot aus dem Matthäus-Evangelium auf (Mt 19, 3-12) und legt dar, welche alttestamentlichen Quellen diesem Wort zugrunde liegen (AL 9-13). Besondere Beachtung schenkt der Papst den biblischen Quellen zu Familien in der Krise. "Die Idylle, die der Psalm 128 besingt, bestreit nicht die eine bittere Wirklichkeit, welche die ganze Heilige Schrift kennzeichnet", so Franziskus (AL 19). Der "blutbefleckte Weg des Leidens" (AL 20) auch der Familien durchziehe die Bibel, etwa in den Begegnungen Jesu mit Armen, Randständigen und Ausgestoßenen (AL 21). Dennoch sei das Wort Gottes zu verstehen als "ein Reisegefährte auch für die Familien, die sich in einer Krise oder inmitten irgendeines Leides befinden" (AL 22). Zum Ende des Kapitels empfiehlt der Papst, die Heilige Familie als Vorbild zu sehen und sich ein Beispiel am Mut und an der Gelassenheit Marias zu nehmen (AL 30).

2. Kapitel – Die Wirklichkeit und die Herausforderungen der Familie (31-57)

Im zweiten Kapitel will Papst Franziskus "die aktuelle Situation der Familien betrachten, um 'Bodenhaftung' zu bewahren" (AL 6). Dazu fasst er ausgewählte Erfahrungen der Synodenväter zur familiären Wirklichkeit in allen Teilen der Weltkirche auf, welche ihm besonders besorgniserregend erscheinen (AL 31). In den folgenden Paragraphen äußert Franziskus deutliche Kritik an kulturellen Entwicklungen unserer Zeit, spart dabei jedoch auch nicht mit Selbstkritik an kirchlichen Fehlentwicklungen. So benennt er hier – wie an anderen Stellen des Schreibens – das Problem eines "ausufernden Individualismus", sowie "den heutigen Lebensrhythmus, den Stress, die Gesellschaftsstruktur und die Arbeitsorganisation". Diese Faktoren würden "die Möglichkeit dauerhafter Entscheidungen gefährden" (AL 33). Später kritisiert er eine "Kultur des Provisorischen", in der Menschen keine Bindungen mehr eingehen: "Sie meinen, dass man die Liebe wie in den sozialen Netzen nach Belieben des Konsumenten ein- und ausschalten und sogar schnell blockieren kann" (AL 39). Der Auftrag der Kirche wird klar formuliert: "Als Christen dürfen wir nicht darauf verzichten, uns zugunsten der Ehe zu äußern, nur um dem heutigen Empfinden nicht zu widersprechen, um in Mode zu sein oder aus Minderwertigkeitsgefühlen angesichts des moralischen und menschlichen Niedergangs" (AL 35). Zugleich räumt der Papst eigenes Versagen der Kirche ein. Diese habe ihre Überzeugung oft in einer Weise vertreten, die gerade das Gegenteil provoziert (AL 36). Dazu zähle etwa das "Beharren auf doktrinellen, bioethischen und moralischen Fragen", ohne zugleich den Familien ausreichend Unterstützung zukommen zu lassen (AL 37).

Unter den Herausforderungen, die den Familien heute gestellt werden, nennt der Papst unter anderem die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowohl im Beruf, als auch in der Kindeserziehung. Franziskus stellt fest, "dass es zwar bemerkenswerte Verbesserungen in der Anerkennung der Rechte der Frau und ihrer Beteiligung im öffentlichen Bereich gegeben hat, in einigen Ländern aber noch vieles voranzubringen ist" (AL 54). Bis heute wirkten die "Ausschreitungen der patriarchalen Kultur, in denen die Frau als zweitrangig betrachtet wurde" nach (ebd.). Die positiven Folgen von Emanzipation und Feminismus seien entsprechend zu würdigen.

Weiter widmet Franziskus der "Ideologie, die gemeinhin Gender genannt wird" einen eigenen Paragraphen. Darin erklärt er, dass man trotz der Berücksichtigung der "Vielschichtigkeit des Lebens" das biologische, schöpferische Geschlecht nicht von einer soziokulturellen Rolle trennen darf. "Verfallen wir nicht der Sünde, den Schöpfer ersetzen zu wollen! Wir sind Geschöpfe, wir sind nicht allmächtig", so der Papst (AL 56).

3. Kapitel – Auf Jesus schauen – die Berufung der Familie (58-88)

Im dritten Kapitel widmet sich Papst Franziskus zunächst biblischen und früheren lehramtlichen Aussagen zur Familie. Weiter geht er auf die Sakramentalität der Ehe ein. "Das Sakrament der Ehe ist nicht eine gesellschaftliche Konvention, ein leerer Ritus oder das bloße äußere Zeichen einer Verpflichtung", so Franziskus (AL 72). Vielmehr müsse es als Werkzeug des göttlichen Heils verstanden werden. Dieser Aspekt scheine zu sehr in den Hintergrund getreten zu sein. Später erklärt der Papst: "Auf jeden Fall müssen wir mehr über das göttliche Handeln im Ritus der Trauung nachdenken, wie es in den Ostkirchen sehr markant zu Tage tritt" (AL 75). Im orthodoxen Ritus nimmt der Segen für das Brautpaar eine deutlich wichtigere Rolle ein, als im lateinischen Ritus.

Vier Paragraphen des Kapitels setzen sich mit "unvollkommenen Situationen", also Lebensgemeinschaften, die nicht dem katholischen Ideal der Ehe entsprechen, auseinander. Besonders markant ermahnt der Papst an dieser Stelle die Bischöfe und Pfarrer, "die verschiedenen Situationen gut zu unterscheiden" (AL 79). An dieser Stelle zitiert Franziskus seinen Vorgänger Johannes Paul II., dessen Apostolisches Schreiben über die Familie "Familiaris consortio" immer wieder auftaucht. Johannes Paul II. hatte das sogenannte Prinzip der Gradualität bereits zum wichtigen Maßstab der Pastoral erklärt.

Zum Thema der Empfängnisverhütung verweist Franziskus auf die Enzyklika "Humanae vitae" von Paul VI., deren Botschaft es wiederzuentdecken gelte. Demnach müsse "bei der Bewertung der Methoden der Geburtenregelung die Würde der Person respektiert werden" (AL 82). Im Folgenden Paragraphen bestätigt der Papst die kirchliche Position zur Abtreibung. Der Wert des ungeborenen Lebens, des "unschuldigen Kindes, das im Schoß seiner Mutter wächst", sei ein Wert in sich selbst. Daher dürfe es "niemals Gegenstand der Herrschaft eines anderen Menschen sein. Allein die Möglichkeit, Entscheidungen über dieses ungeborene Leben zu fällen, dürfe "in keiner Weise als ein Recht über den eigenen Körper" bezeichnet werden.

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Was bedeutet die Ehe? Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger".
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4. Kapitel – Die Liebe in der Ehe (89-164)

Das vierte Kapitel über die Liebe stellt den inhaltlichen Schwerpunkt und sozusagen den Kern von "Amoris laetitia" dar. "Alles Gesagte reicht nicht aus, um das Evangelium von Ehe und Familie zum Ausdruck zu bringen, wenn wir nicht eigens darauf eingehen, von der Liebe zu sprechen", erklärt der Papst eingangs (AL 89). Im Paragraphen 90 folgt das zweite, große Bibelzitat des Schreibens: das Hohelied der Liebe aus dem ersten Korintherbrief. In den folgenden Abschnitten (AL 91-119) folgt eine umfangreiche Exegese des bekannten Schrifttextes.

In den weiteren Paragraphen des Kapitels erläutert Franziskus ausführlich verschiedene Aspekte der ehelichen Liebe. Am Beginn steht die Feststellung, dass diese "alle Merkmale einer guten Freundschaft" habe (AL 123). Ehepartner sollen demnach nicht bloß Verliebte sein, sondern lebenslange Weggefährten. Franziskus spricht direkt die jungen Menschen an und ermutigt sie, sich zur Heirat zu entschließen. "Heiraten ist eine Weise auszudrücken, dass man wirklich das mütterliche Nest verlassen hat, um andere starke Bindungen zu knüpfen und eine neue Verantwortung gegenüber einem anderen Menschen zu übernehmen", heißt es dort etwa (AL 131). Weiter erklärt der Papst den hohen Wert der Leidenschaft, der Emotionen, des Genusses und schließlich auch der Erotik in der ehelichen Liebe. "Die Sexualität ist nicht ein Mittel zur Befriedigung oder Vergnügung, denn es ist eine zwischenmenschliche Sprache, bei der der andere ernst genommen wird in seinem heiligen und unantastbaren Wert", schreibt Franziskus (AL 151). Sexualität und erotische Liebe müssten als Geschenke wahrgenommen werden, die würdevoll behandelt, zugleich aber auch genossen werden sollen. Ausdrücklich erklärt der Papst, dass diese Liebe nicht bloß selbstlos gelebt werden soll, sondern dass auch die eigenen Bedürfnisse berücksichtigt werden müssen (AL 157).

Schließlich geht Franziskus im Kapitel über die eheliche Liebe auch auf die ehelosen Lebensformen. Ehe und Ehelosigkeit dürften dabei nicht gegeneinander aufgewogen werden: Beide Wege, die Liebe zu leben, hätten ein je eigenes Charisma. "Die Jungfräulichkeit hat den symbolischen Wert einer Liebe, die es nicht nötig hat, den anderen zu besitzen, und spiegelt so die Freiheit des Himmelreiches wider" (AL 161). Der Zölibat dürfe jedoch nicht als "bequeme Einsamkeit" verstanden werden (AL 162). Vielmehr sollten sich Ehelose ein Vorbild an der ehelichen Treue nehmen, welche ein Abbild der Treue Gottes zu seinem Volk sei.

5. Kapitel – Die Liebe, die wird (165-198)

"Die Familie ist nicht nur der Bereich der Zeugung, sondern auch der Annahme des Lebens, das ihr als Geschenk Gottes begegnet", schreibt Papst Franziskus zu Beginn des fünften Kapitels. Dieses widmet sich der Zeugung von Kindern und dem Zusammenleben der Familie. Relativ am Beginn des Kapitels erinnert Franziskus an die hohe Bedeutung einer verantworteten Elternschaft (AL 167). In einem eigenen Abschnitt setzt sich das Schreiben mit der Zeit der Schwangerschaft auseinander. Darin warnt der Papst vor einer falschen Anwendung moderner medizinischer Möglichkeiten zur pränatalen Untersuchung: "Dank der wissenschaftlichen Fortschritte kann man heute im Voraus wissen, welche Haarfarbe das Kind haben wird und unter welchen Krankheiten es in der Zukunft leiden wird (…). Doch nur der himmlische Vater, der (es) erschuf, kennt (es) vollkommen". Jedes Kind müsse darum freudig erwartet werden. "Es ist kein Accessoire oder eine Lösung für eine persönliche Ruhelosigkeit. Es ist ein Menschenwesen mit einem unermesslichen Wert und darf nicht für den eigenen Vorteil gebraucht werden". Darum sei es unerheblich, "ob es Eigenschaften hat, die dir gefallen oder nicht, ob es deinen Plänen und Träumen entspricht oder nicht" (AL 170).

Für die Erziehung der Kinder spielt die Mutter eine herausragende Rolle, sagt der Papst im Schreiben weiter. Kinder bräuchten die Gegenwart der Mutter besonders in den ersten Lebensmonaten. Dies dürfe bei allen Fortschritten im Bereich der beruflichen Gleichstellung von Frauen nicht außer Acht gelassen werden. Durch "ihre speziell fraulichen Fähigkeiten" habe die Frau auch Verpflichtungen (AL 173). Diese Feststellung lässt der Papst jedoch nicht stehen ohne den in den folgenden Paragraphen ausgeführten Hinweis, wie wichtig die Präsenz des Vaters in Erziehung und Familie ist.

Weiter betont Franziskus die Bedeutung anderer Familienmitglieder für die Erziehung und Bildung der Kinder. Darin schließt er etwa Geschwister, wie auch Großeltern ein, deren historisches Gedächtnis von großem Wert sei (AL 193). Zudem plädiert er dafür, die Familie groß zu denken. Auch Nachbarn, Freunde und andere Gemeindemitglieder seien dazu zu zählen.

6. Kapitel – Einige pastorale Perspektiven (199-258)

Franziskus stellt am Beginn des sechsten Kapitels Anforderungen an eine gute und zielführende Vorbereitung junger Menschen auf die Ehe. Dabei will er jedoch keine zentralen Regelungen treffen: "Es gibt verschiedene legitime Weisen, die unmittelbare Vorbereitung auf die Ehe zu gestalten, und jede Ortskirche soll unterscheiden, was für sie das Beste ist" (AL 207). Wichtig ist dem Papst, die Ehevorbereitung möglichst umfassend zu denken. Sie sei ein Prozess, der schon im Kindesalter beginnen müsse und von allen Gläubigen zu unterstützen sei. Dabei weist Franziskus etwa den Pfarreien eine zentrale Rolle zu. Ehevorbereitung dürfe jedenfalls nicht als "kurzer Kurs vor der Feier der Trauung" verstanden werden (AL 208). Die Vorbereitung und vor allem die notwendige Begleitung der Eheleute in den ersten Jahren nach der Hochzeit dürfe jedoch auch keine "Pastoral der kleinen Eliten" sein (AL 230). Dass gerade die Ehe viele Kirchenferne anziehe – etwa auch als Gäste bei der Trauung – versteht Franziskus vielmehr als große Chance, mit diesen Menschen wieder in Kontakt zu kommen (AL 216).

In einem längeren Abschnitt behandelt Franziskus anschließend Krisensituationen im Eheleben bis hin zur Frage des pastoralen Umgangs mit gebrochenen Beziehungen. Zuvorderst steht die Feststellung, dass Geschiedene in neuen Verbindungen nicht aus der Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen werden dürfen und besonders der pastoralen Nähe und Liebe bedürfen (AL 243). Besonderes Augenmerk legt der Papst weiter auf das Wohlergehen der Kinder aus gescheiterten Ehen: "Die getrennten Eltern bitte ich: 'Ihr dürft das Kind nie, nie, nie als Geisel nehmen!'" (AL 245). Auch getrennt lebende Eltern sollten vor ihren Kindern immer wertschätzend übereinander sprechen.

Im Abschnitt zu konfessionsverschiedenen und religionsverschiedenen Ehen geht Franziskus auf die auch bei den Synoden oft vorgebrachte Frage der gemeinsamen Eucharistie ein. Diese dürfe auch weiterhin nur im Ausnahmefall und entsprechend der kirchlichen Normen erfolgen (AL 247).

Im sechsten Kapitel findet sich die einzige Stelle, an der Franziskus direkt über homosexuelle Partnerschaften spricht. Er verurteilt jedwede Zurückweisung oder Diskriminierung Homosexueller und ruft zu respektvoller Begleitung auf (AL 250). Zugleich zitiert er das Abschlussdokument der Synode und verweist auf die Lehre der Kirche, wonach homosexuelle Partnerschaften nicht mit der Ehe in Analogie gesetzt werden dürfen (AL 251).

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7. Kapitel – Die Erziehung der Kinder stärken (259-290)

Der Erziehung der Kinder in den Familien widmet der Papst ein eigenes Kapitel in "Amoris laetitia". "Man muss sich überlegen, welchen Dingen man seine Kinder aussetzen will", so Franziskus. "Darum ist es unumgänglich, sich zu fragen, wer sich darum kümmert, ihnen Spaß und Unterhaltung zu verschaffen, wer über die Bildschirme in ihre Wohnungen eindringt, welcher Führung man die Kinder in ihrer Freizeit überlässt." Weiter erinnert der Papst an den Wert angemessener Verhaltensweisen (AL 266) und der "Strafe als Ansporn" (AL 268-270).

Ein gesonderter Abschnitt des Kapitels befasst sich mit der Sexualerziehung von Kindern. Mit Verweis auf das Zweite Vatikanische Konzil erklärt der Papst, dass diese grundsätzlich notwendig und zu begrüßen sei, zugleich warnt er jedoch vor Banalisierung und Schamlosigkeit (AL 280 f.). Deutliche Kritik äußert Franziskus an einer Sexualerziehung, die sich auf die Erläuterung von "safer sex" konzentriert. "Diese Ausdrücke vermitteln eine negative Haltung gegenüber dem natürlichen Zeugungszweck der Geschlechtlichkeit", so der Papst (AL 283).

In diesem Kapitel greift der Papst auch das Thema Gender noch einmal auf. Es dürfe nicht übersehen werden, dass in der Ausgestaltung der eigenen Identität nicht bloß biologische Faktoren einfließen. Männlichkeit und Weiblichkeit könnten nicht von der Schöpfung getrennt werden, "doch es ist auch wahr, dass das Männliche und das Weibliche nicht etwas starr Umgrenztes ist". Franziskus ruft entsprechend dazu auf, Geschlechterstereotype zu überwinden (AL 286).

8. Kapitel – Die Zerbrechlichkeit begleiten, unterscheiden und eingliedern (291-312)

Im vorletzten Kapitel des Schreibens kommt Papst Franziskus erneut auf die heiklen Fragen des Umgangs mit Menschen zu sprechen, der Lebensumstände "nicht gänzlich dem entsprechen, was der Herr uns aufträgt" (AL 6). Am Beginn steht eine bedeutsame Feststellung: Die Ehe bleibt das Ideal der Kirche; "andere Formen der Vereinigung widersprechen diesem Ideal von Grund auf, doch manche verwirklichen es zumindest teilweise und analog" (AL 292). Von diesem Gedanken ausgehend entwickelt der Papst anschließend erneut den Gedanken der Gradualität.

Mit Blick auf den Umgang mit "irregulären" Lebensverhältnissen – der Begriff wird im Schreiben stets in Anführungszeichen gesetzt – erklärt der Papst, dass weder von der Synode, noch vom Apostolischen Schreiben eine "neue, auf alle Fälle anzuwendende generelle gesetzliche Regelung kanonischer Art" zu erwarten war (AL 300). Vielmehr setzt Franziskus auf die Unterscheidung der Situationen und angewandte Barmherzigkeit. So erklärt er, dass es "nicht mehr möglich (ist) zu behaupten, dass alle, die in irgendeiner sogenannten 'irregulären' Situation leben, sich in einem Zustand der Todsünde befinden" (AL 301). Weiter erklärt er, dass allgemeine Normen nicht immer jedem Einzelfall gerecht werden können und bezeichnet das alleinige Beharren darauf als "kleinlich" (AL 304). Dabei verweist er auf Thomas von Aquin, wie es bereits die deutschen Bischöfe in ähnlicher Weise bei der Familiensynode getan hatten. In einer Fußnote schließlich reißt Franziskus, ohne wirklich konkret zu werden, die Frage des Eucharistieempfangs für Menschen in irregulären Verhältnissen auf. Wer der Gnade bedarf, soll auch die Hilfe der Kirche bekommen, "in gewissen Fällen könnte es auch die Hilfe der Sakramente sein" (AL 305, Fußnote 351).

Franziskus beschließt das Kapitel mit dem klaren Hinweis, dass die Kirche bei ihrem "Ideal der Ehe" und ihren Moralvorstellungen bleibt. "Außergewöhnliche Situationen zu verstehen bedeutet niemals, das Licht des vollkommeneren Ideals zu verdunkeln", so Franziskus (AL 307). Es gelte, die "unverkürzte Vollständigkeit der Morallehre" mit dem "Primat der Liebe" in Einklang zu bringen. Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Wahrheit dürften nicht als konkurrierende Größen wahrgenommen werden (AL 311).

9. Kapitel – Spiritualität in Ehe und Familie (313-325)

Am Schluss des Apostolischen Schreibens steht ein kurzes Kapitel über Glaube und Spiritualität in der Ehe. Darin verweist Franziskus auf den hohen Wert des gemeinsamen Gebets in der Familie und der Teilnahme an der Feier der Eucharistie (AL 318). Die höchsten Punkt der Liebe erreichten die Ehepartner dann, so Franziskus, wenn sie erkennen, dass sie sich nicht gegenseitig gehören, sondern jeder Mensch nur Gott als Herrn hat (AL 320).

08.04., 16:10 Uhr: Ergänzt um die Aussagen zu homosexuellen Partnerschaften

Themenseite: Familiensynode

Vom 4. bis 25. Oktober 2015 trat die XIV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode unter dem Thema "Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute" zusammen. Die Themenseite bündelt die Berichterstattung von katholisch.de zur Synode.

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Von Kilian Martin

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