Vatikan will Umgang mit Priesterkindern regeln

Die irischen Bischöfe haben es bereits getan, jetzt sollen nach dem Willen des Vatikan alle anderen nachziehen. In Rom arbeitet man derzeit an Richtlinien für dieses besonders heikle Thema.

Vatikan | Vatikanstadt - 08.11.2017

Der Vatikan will Richtlinien zum Umgang mit Priesterkindern und deren Vätern erlassen. Das geht aus einem jetzt bekanntgewordenen Brief der Päpstlichen Kinderschutzkommission von Ende Oktober hervor. Der Brief richtet sich an die Organisation "Coping International", eine Selbsthilfeplattform von Kindern katholischer Priester.

Das Thema werde jene vatikanische Arbeitsgruppe bearbeiten, die auch die Richtlinien zur Prävention von Missbrauch in der Kirche entwickelt hat, heißt es in dem Schreiben, das "Coping International" auf seiner Internetseite veröffentlichte. Die vatikanische Arbeitsgruppe will demnach auch mit der Organisation zusammenarbeiten und deren Vorschläge aufgreifen.

Richtlinien der irischen Bischöfe als Vorbild?

Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe, Bill Kilgallon, bezieht sich in in seinem Schreiben auf die Richtlinien der Irischen Bischofskonferenz vom August. Darin heißt es: "Wenn ein Priester Vater eines Kindes wird, soll das Wohl des Kindes sein primäres Anliegen sein." Der werdende Vater müsse "zu seiner Verantwortung stehen - persönlich, rechtlich, moralisch und finanziell". Bei allen Überlegungen sei die Mutter des Kindes voll einzubeziehen.

Mit ihren "Grundsätzen der Verantwortung von Priestern, die Kinder zeugen" reagierten Irlands Bischöfe unter anderem auf die Initiative des irischen Coping-Gründers Vincent Doyle. Doyle hatte 2011 nach dem Tod seiner Mutter erfahren, dass sein leiblicher Vater ein katholischer Priester gewesen sei. Seit einigen Jahren öffnet sich die Kirche dem für sie heiklen Thema. Da ihre Priester zölibatär leben sollen, dürften sie keine Kinder haben.

Die vatikanische Arbeitsgruppe muss überlegen, inwieweit die irischen Leitlinien ein Modell für die Weltkirche sein können. Da die sozialen, rechtlichen und kulturellen Verhältnisse weltweit unterschiedlich sind, müssten örtliche Bischofskonferenzen über eine vatikanische Richtlinie hinaus gegebenenfalls Einzelheiten regeln - sofern sie das nicht schon getan haben. Das Bistum Regensburg etwa erklärte vor einiger Zeit: Ein Priester "muss aus eigener Kraft die Sorge für ein Kind tragen, dessen Vater er geworden ist. Er muss den Unterhalt aus seinen Einkünften bezahlen." (tja/KNA)

 

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