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Was macht eine Diakonin?

Katholische Verbände begehen am Dienstag den bundesweiten "Tag der Diakonin", der für eine Zulassung von Frauen zum Diakonenamt werben soll. Bei der kleinen Kirchengemeinschaft der Altkatholiken gibt es einige ständige Diakoninnen und Frauen, die das Amt ein Jahr bis zu ihrer Priesterweihe bekleiden. Katholisch.de stellte Dorrit Hakala (36) drei Fragen zu ihrem Beruf. Sie ist in Stuttgart Diakonin der Alt-Katholischen Kirche und wird im September Priesterin.

Tag der Diakonin | Stuttgart - 29.04.2014

Katholische Verbände begehen am Dienstag den bundesweiten "Tag der Diakonin", der für eine Zulassung von Frauen zum Diakonenamt werben soll. Bei der kleinen Kirchengemeinschaft der Altkatholiken gibt es einige ständige Diakoninnen und Frauen, die das Amt ein Jahr bis zu ihrer Priesterweihe bekleiden. Katholisch.de stellte Dorrit Hakala (36) drei Fragen zu ihrem Beruf. Sie ist in Stuttgart Diakonin der Alt-Katholischen Kirche und wird im September Priesterin.

Frage: Frau Hakala, warum sind Sie in der Alt-Katholischen Kirche Diakonin geworden und möchten Priesterin werden?

Dorrit Hakala: Bei uns gibt es die Möglichkeit, ehrenamtliche Geistliche zu werden. Ich bin und bleibe hauptberuflich Ärztin und sehe es als meine Aufgabe, mich ganzheitlich um den Körper, Geist und die Seele der Menschen zu kümmern. Außerdem feiere ich sehr gerne den Gottesdienst. Früher war ich römisch-katholisch, dann lange Zeit ausgetreten, und nun in der Alt-Katholischen Kirche habe ich 2006 mit dem Theologiestudium und parallel dazu mit Kursen im Priesterseminar begonnen.

Frage: Welche diakonischen Aufgaben haben Sie seit ihrer Weihe im September 2013 übernommen?

Hakala: Das sind vor allem liturgische Aufgaben, ich helfe im Gottesdienst, verkünde da das Evangelium und predige. Außerdem arbeite ich gerne mit Kindern und Jugendlichen zusammen und fahre oft bei der Jugendfreizeit im ökumenischen Pilgerort Taizé mit. Zudem betreiben wir von der altkatholischen Diakonie Stuttgart zusammen mit den evangelischen Kollegen die Beratungsstelle "Café Strich-Punkt" für männliche Prostituierte. Alle anderen diakonischen Aufgaben der Nächstenliebe lebe ich direkt im Beruf in der Zuwendung zu den Patienten, da mein Wohn- und Arbeitsort eine Autostunde von der Kirchengemeinde entfernt ist.

Frage: Gibt es einen Unterschied zwischen Frauen und Männern, wenn Sie diakonische Aufgaben übernehmen und wie sehen Sie es, dass es in der römisch-katholischen Kirche keine Diakoninnen und Priesterinnen gibt?

Hakala: Frauen und Männer gehen manche Dinge anders an. Zum Beispiel ist meine Erfahrung, dass Frauen mehr aus dem Alltag heraus predigen. Im Umgang mit Menschen sehe ich jedoch keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern, da hat jeder persönlich seinen eigenen Zugang. Zur römisch-katholischen Kirche kann ich mich nicht äußern, da es nicht meine Kirche ist. Aber ich finde es schade für diejenigen Frauen, die sich berufen fühlen und nicht Diakonin werden können.

Das Interview führte Agathe Lukassek

Stichwort: Altkatholiken

Die Alt-Katholische Kirche ist im vorigen Jahrhundert durch Abspaltung von der römisch-katholischen Kirche entstanden. Streitpunkt war die dogmatische Erklärung der Unfehlbarkeit und der Leitungsgewalt (Jurisdiktionsprimat) des Papstes auf dem Ersten Vatikanischen Konzil (1868-1870). Die Altkatholiken lehnen auch die Mariendogmen von 1854 und 1950 ab. Ihre Priester haben keine Zölibatspflicht. Seit Pfingsten 1996 gibt es bei den deutschen Altkatholiken auch Priesterinnen, was jedoch in der weltweiten Gemeinschaft altkatholischer Kirchen, der "Utrechter Union", umstritten war. Daraufhin kündigte die "Polish National Catholic Church of America" die Sakramentsgemeinschaft auf und trennte sich 2003 von der "Utrechter Union". (luk/KNA)

Stichwort: Diakon

Das Wort "Diakon" bedeutet "Diener". In der römischen Kirche der ersten Jahrhunderte wirkten Diakone in der Armen- und Krankenpflege oder als Gehilfen des Bischofs in der Gemeindeverwaltung und beim Gottesdienst. Seit dem fünften Jahrhundert verlor das Amt in der römischen Kirche spürbar an Bedeutung. Im Gegensatz zur orthodoxen Kirche wurde in der katholischen Kirche der Diakonat lediglich zur Durchgangsstufe für die Priesterweihe. Das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) belebte den Diakonat als Weiheamt neu: Seit 1968 können auch verheiratete Männer in der katholischen Kirche zu "Ständigen Diakonen" geweiht werden; sie streben also kein Priesteramt an. Ständige Diakone dürfen auch taufen und predigen, nicht aber die Messe lesen oder Beichte hören. Auch Frauen waren in der frühen Kirche als Diakoninnen in speziellen Diensten der Gemeinde tätig, beispielsweise in der Glaubensunterweisung, der Armenfürsorge und der Arbeit mit Frauen. Sie hatten aber nach Darstellung vieler Kirchenhistoriker keine Funktion am Altar. In der lateinischen Westkirche sind Diakoninnen für die Zeit vom sechsten bis ins 13. Jahrhundert bezeugt. In der Ostkirche lebte die Tradition der Diakoninnen weiter. Unter Berufung auf die gleiche Würde der Frauen und das Priestertum aller Gläubigen wurden nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil auch in der katholischen Kirche Forderungen nach der Diakoninnenweihe von Frauen laut. Die Würzburger Synode der westdeutschen Bistümer (1972 bis 1975) appellierte an den Papst, "die Frage des Diakonats der Frau entsprechend den heutigen theologischen Erkenntnissen zu prüfen". Die Deutsche Bischofskonferenz hat eine Diakoninnenweihe zuletzt immer wieder mit dem Argument abgelehnt, dass eine Teilhabe von Frauen am priesterlichen Weiheamt nicht möglich sei. Im vergangenen Jahr regte Kurienkardinal Walter Kasper an, über ein eigenes Diakoninnenamt nachzudenken, eine Art "Gemeinde-Diakonin". Diesem Vorschlag schloss sich der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, an. (KNA)

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