Woelki kritisiert Hetze nach Kölner Silvesternacht

Als "widerlich und unverantwortlich" hat Kölns Kardinal Rainer Maria Woelki die "üble Hetze und den blanken Hass" in den Kommentaren zur Kölner Silvesternacht wahrgenommen. Er plädiert dafür, verantwortlich mit der Wahrheit über die Taten umzugehen.

Kriminalität | Köln - 09.01.2016

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat vor vorschnellen Urteilen über die Gewaltexzesse der Silvesternacht in Köln gewarnt. Er sei besorgt, "weil jetzt sofort viele ihr politisches Süppchen aus diesem dunklen Neujahrsbeginn kochen", sagte er auf domradio.de. "Obergrenzenschützer und Populisten nutzen offenbar die Gunst der Stunde."

Zudem verwahrte sich der Erzbischof gegen Hetze, die auch gegen ihn persönlich gerichtet sei. "Na Woelki, das kommt dabei raus! Da siehst du, was du mit deiner Willkommenskultur und deine Flüchtlingskanzlerin uns hier in Köln eingebrockt haben!", zitierte der Kardinal und erklärte: "Vieles, was ich an übler Hetze und blankem Hass in den letzten Tagen gehört und gerade auch in unseren sogenannten sozialen Netzwerken gelesen habe, ist nicht nur widerlich und unverantwortlich. Es verstößt auch gegen die menschliche Würde." Diese Würde sei in Köln von marodierenden Männerhorden in schändlichster Weise missachtet worden.

"Mir als Erzbischof von Köln macht es große Sorge, dass so etwas hier bei uns geschehen konnte", sagte Woelki. Sein Mitgefühl gelte allen betroffenen Frauen und Opfern. "Nirgendwo darf es bei uns Platz für sexuelle Gewalt und Sexismus geben." Die Gewalttäter müssten selbstverständlich zur vollen Verantwortung gezogen werden, gleich, welcher Herkunft sie seien oder ob die Gewalttaten von Hintermännern organisiert wurden. "All das muss gründlich aufgeklärt und ehrlich benannt werden. Aber es muss auch einen verantwortlichen Umgang mit der Wahrheit geben", appellierte der Kardinal im "Wort des Bischofs", das das domradio am Sonntag sendet. (KNA)

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In seiner Predigt am Dreikönigstag forderte Kardinal Rainer Maria Woelki, Christen müssten sich Angriffen wie in der Silvesternacht in Köln entgegenstellen und "die Würde der Frauen verteidigen".  Domradio Köln

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