Gelten für Bischöfe andere Maßstäbe?

Pater Max Cappabianca über den Eichstätter Finanzskandal

Standpunkt | Bonn - 17.05.2018

Der Vatikan ermittelt nicht im Eichstätter Finanzskandal. Allerdings würden "die Ergebnisse der prozessualen Nachforschung und der gerichtlichen Entscheidung eingehend studiert werden", zitieren Medien aus dem Brief der zuständigen Vatikanbehörde. Werden da die Mächtigen wieder geschont? Gelten für Bischöfe andere Maßstäbe? In der Politik mussten andere wegen weit geringerer Summen ihren Stuhl räumen. Man denke nur an Christian Wulff, Bundespräsident a.D.!

Leider ist der Verdacht nicht unbegründet, ist in der Vergangenheit doch oft mit zweierlei Maß gemessen worden. Wie konnte es sein, dass der frühere Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst auf einen Posten in Rom befördert wurde? Hatte der Prüfbericht nicht eindeutig seine persönliche Verantwortung belegt und hätte er nicht für den entstandenen Schaden zur Rechenschaft gezogen und bestraft werden müssen?

Dem Eichstätter Bischof muss zugutegehalten werden, dass er selber - wenn auch spät - die Aufklärung angestoßen hat. Es ehrt ihn, dass er sogar an Rücktritt gedacht hat. Es ist wahrscheinlich wirklich besser, er sorgt jetzt selbst für die Aufarbeitung des unter seiner Verantwortung entstandenen Skandals, denn anders als in Limburg scheint Hanke tatsächlich ein Opfer gewesen zu sein, weil er den falschen Leuten vertraut hat. Aber am Ende müssen auch in Eichstätt die Verantwortlichen bestraft werden, Bischof nicht ausgenommen.

Strafen haben nämlich eine reinigende Funktion und ermöglichen einen Neuanfang. Das ist der Sinn von Buße. Wenn man Kirchenführer schont, wird ihnen die Chance zur Heilung vorenthalten. Es muss auch nicht immer gleich ein Rücktritt sein, aber schmerzhaft ist eine Buße immer. Barmherzigkeit zeigt sich, wenn danach die Chance zu einem Neuanfang gewährt wird.

Man darf gespannt sein, wie der Eichstätter Finanzskandal ausgeht. Hoffentlich zeigt sich dann, dass die Kirche eigentlich ein Profi im Umgang mit Schuld und Sühne sein sollte.

Von Pater Max Cappabianca

Der Autor

Der Dominikaner Max Cappabianca ist Leiter der Katholischen Studierendengemeinde Hl. Edith Stein in Berlin.

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