Hoffnungsgeist zur Heilung der Angst

Jeder kennt das Gefühl von Angst. Meistens reagieren wir auf es falsch. Im Evangelium an Pfingstsonntag wird gezeigt, was die richtige Antwort auf Furcht ist. Pater Christoph Kreitmeir legt den Text aus.

Ausgelegt! | Bonn - 03.06.2017

Impuls von Pater Christoph Kreitmeir

Vor kurzem hörte ich einen Radiobeitrag über Furcht und Angst. Immer wieder begleiten uns diese unangenehmen Seelenzustände in unserem Leben, egal ob wir arm oder reich, Mann oder Frau, jung oder alt sind. Immer wieder diese Furcht und diese Angst, die uns einengen, einsperren und verkümmern lassen.

Angst schnürt die Kehle zu, Furcht breitet sich im Inneren unserer Seele aus. Menschen isolieren sich, fliehen ihre Ängste oder antworten mit falschen Mitteln wie Tabletten, Alkohol, Aggression, Misstrauen oder Depression gegen sie. Die richtige Antwort ist aber Mut und Vertrauen. Hast du Angst, dann sei mutig! Nur, wie finde ich zu diesem Therapeutikum der Seele?

Die Jünger Jesu hatten sich vor Furcht eingesperrt, weggesperrt. Sie fanden alleine nicht zum befreienden Ausgang ins Leben. Jesus kam überraschend in ihr Seelengefängnis und sprach ihnen Frieden zu. Freude machte sich in den Seelen der von Gott besuchten Menschen breit. Sie wurden mit heilendem, mit Heiligem Geist beschenkt, der sie befähigte, Einengendes zu überwinden, hinauszugehen und Ordnung in eine durcheinandergeratene Welt zu bringen.

Es ist wirklich so: Sobald eine erhellende Sicht in aufgescheuchte Seelen kommt, sobald Liebgewonnenes und Vertrautes hinter allen einschließenden Ängsten und dunklen Erfahrungen gesehen werden kann, sobald Hoffnung in uns wie heilender Geist neu atmet, dann eröffnen sich uns neue Horizonte. Neue Lösungen können gesehen und angepackt werden.

Pfingsten ist wie eine Neuschöpfung! Im ersten Buch der Bibel heißt es: "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, Finsternis lag über der Urflut und der Geist Gottes schwebte über den Wassern." (Gen 1,1-2) Dieser Geist Gottes schuf neues Leben aus dem Tohuwabohu, dem Durcheinander, der Unordnung.

Im Neuen Testament bringt Jesu heilender und heiliger Geist Licht in dunkle Stimmungen und verängstigte Seelen. Auffallend ist, dass die Jünger bei der pfingstlichen Begegnung mit Jesus, den sie so vermissten und nun neu sahen, nicht vereinzelt und allein waren: Sie waren beieinander! Sie verstecken sich zwar in ihrer Furcht, aber sie taten es gemeinsam. "Geteiltes Leid ist halbes Leid", heißt es so richtig im Volksmund.

Die Psychologie und Psychotherapie entdecken die Spiritualität wieder neu. Persönliche Wertvorstellungen, personalisierte Begegnung und Glaubensüberzeugungen bekommen wieder Bedeutung im Umgang mit existenziellen Unsicherheiten. Genau diese Erkenntnisse offenbart die Pfingsterzählung des heutigen Evangeliums.

Folgende Impulse des Heiligen Geistes gelten auch heute noch und bringen Aufbruch und neues Leben hervor:

  • Bei sich sein
  • Gemeinsam sein
  • Sich an den Hoffnungsgeber – Jesus – erinnern
  • Sich ausrichten auf Gott – ihm begegnen
  • Offen sein
  • Sich füllen und leiten lassen
  • Mut und Vertrauen entwickeln
  • Friede, Freude, Hoffnung und Begeisterung trotz allem
  • Ausgestattet werden mit Gaben und Fähigkeiten
  • Sich senden lassen und im Wagnis wachsen

Gott bringt durch Jesus Ordnung in das Tohuwabohu von Furcht und Angst. Gottes und Jesu heiliger Geist wehen auch heute noch und hauchen uns neuen Hoffnungsodem ein.

Es stimmt wirklich!

Von P. Christoph Kreitmeir OFM

Das Evangelium nach Johannes (Joh 20, 19-23)

Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.

Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.

Der Autor

P. Christoph Kreitmeir ist Franziskaner und arbeitet als Priester, Seelsorger und psycho-spiritueller Lebensberater.

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