Wahre Schätze!

Um einen Schatz geht es im Sonntagsevangelium. Dieses Worte verwenden auch Liebespaare gerne - und sogar die Werbebranche. Pater Christoph Kreitmeir erklärt, was die "wahren Schätze" im Evangelium sind.

Ausgelegt! | Bonn - 29.07.2017

Impuls von Pater Christoph Kreitmeir

Für mich als Geistlichen ist es immer wieder amüsant, mitzuerleben, welche Kosenamen sich Menschen geben, wenn sie sich lieben. "Du bist mein Schatz, du bist meine Perle." – Was für eine Aussage! Ein Schatz oder eine Perle sind schwer zu finden, sie sind überaus wertvoll und wenn man sie gefunden hat, dann will man sie nicht mehr hergeben.

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, welche Werbeideen derzeit die Kosmetikindustrie nutzt, um Käufer und Käuferinnen zu locken? Eine ganze Duschserie wirbt auf den Verpackungen mit "Streichelzarte Berührung", "Glückliche Auszeit", "Lebensfreude", "Gute Laune", "Sommerglück", "Sei frech, wild und wunderbar" oder "Sei frei, verrückt und glücklich". Ich empfinde diese Werbestrategie wirklich als gelungen, denn nicht nur angenehme Düfte und reinigende Wirkung ist in den Tuben zu finden. Die Worte wirken nach innen auf die oft gestresste Seele, die in den tagtäglichen Anforderungen nach Auszeiten, Oasen und Erholung sucht.

Ein Shampoo heißt sogar "Wahre Schätze" und verspricht wohltuende Vitalisierung und tiefenwirksame Regenerierung ohne zu "beschweren". Die Werbestrategen sind schlau – sie arbeiten mit unseren tiefen Sehnsüchten. Ob das Versprochene auch eingehalten wird, steht auf einem anderen Papier.

Jesus vergleicht in dem heutigen Evangelium das Himmelreich mit einem Schatz und einer Perle. Wer sie findet, tut alles dafür, sie zu bekommen und zu behalten. Das Himmelreich ist kein Werbeversprechen, sondern etwas sehr Wertvolles, das gesucht und gefunden werden will. Und zwar nicht erst nach dem Tod, sondern schon hier und jetzt.

In der Klinikseelsorge sehe ich meine Aufgabe darin, die auf vielfältige Weise leidenden Menschen mit der "Anderwelt" des Glaubens, mit dem wirklich Wertvollen im Leben in Kontakt zu bringen. Ein gutes Wort, ein Lächeln, ein Mittragen, ein Sich-Aussprechen-lassen, eine Berührung – all das hilft, Schweres leichter zu tragen und zu ertragen. Als Priester darf ich auch die Vergebung von Sünden zusprechen, die Krankensalbung spenden und die besondere Nähe Jesu in der eucharistischen Kommunion schenken. Das sind wirklich wahre Schätze, die unser Leben wertvoller werden lassen, weil sie mitteilen: Gott lässt dich nicht im Stich. Ein Stück Himmel kommt so auf die Erde.

Wer mitten im nüchternen Alltag – und das gilt nicht nur für ein Krankenhaus – sich für die positiven Überraschungen Gottes offenhält, der wird diese wahren Schätze nicht nur schätzen, sondern lieben.

Jeden Tag bin ich dankbar für diese Erfahrungen des Himmelreiches hier und jetzt, die wirklich revitalisieren und tiefenwirksam regenerieren ohne zu "beschweren". Sie erhellen und erfreuen das Leben und wirken wohltuend. Jesus ist auch heute in unserer Zeit der wirklich wahre Schatz! Glücklich, frei und wunderbar, wer ihn gefunden hat.

Von P. Christoph Kreitmeir OFM

Das Evangelium nach Matthäus (Mt 13, 44-52)

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker.

Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie.

Weiter ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Netz, das man ins Meer warf, um Fische aller Art zu fangen. Als es voll war, zogen es die Fischer ans Ufer; sie setzten sich, lasen die guten Fische aus und legten sie in Körbe, die schlechten aber warfen sie weg.

So wird es auch am Ende der Welt sein: Die Engel werden kommen und die Bösen von den Gerechten trennen und in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.

Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten: Ja. Da sagte er zu ihnen: Jeder Schriftgelehrte also, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, gleicht einem Hausherrn, der aus seinem reichen Vorrat Neues und Altes hervorholt. 

Der Autor

P. Christoph Kreitmeir ist Franziskaner und arbeitet als Priester, Seelsorger und psycho-spiritueller Lebensberater.

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