Zimmermann mit großem Herzen

Josef, der Zimmermann. Josef, der an der Krippe die Laterne hält. Josef, der Ziehvater Jesu: Das sind womöglich die Bilder, die viele von ihm vor Augen haben werden. Denn so zeigen ihn viele Darstellungen. In ihm steckt aber mehr.

19. März und 1. Mai: Heiliger Josef | Bonn - 01.02.2015

Josef, der Zimmermann. Josef, der an der Krippe die Laterne hält. Josef, der Ziehvater Jesu. Das sind womöglich die Bilder, die viele von ihm vor Augen haben werden. Vielleicht auch: Josef als alter Mann mit dichtem Bart. Denn so oder so ähnlich zeigen ihn viele Darstellungen. Ein Grund für die Vorstellungen von einem betagten Josef könnte sein, dass er eine bewegte Vergangenheit hatte.

"Der Bart erscheint mir plausibel", stimmt Ansgar Wucherpfennig, Professor an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen, zu, "ein alter Mann war Josef aber sicherlich nicht. Das können wir den neutestamentlichen Quellen zumindest nicht entnehmen."

Eine Ursache für die Vorstellung eines betagten Josef ist womöglich die Tatsache, dass er vor seiner Ehe mit Maria schon einmal verheiratet gewesen sein soll. Ein Mann heiratete jedoch in der damaligen Zeit gewöhnlich im Alter von 18 Jahren, sodass Josef durchaus auch in zweiter Ehe noch ein junger Mann gewesen sein kann. Insgesamt, so glaubt Wucherpfennig, sei das Aussehen Josefs der Phantasie überlassen. Aus Mangel an Schilderungen über sein Äußeres. "Das ist zum Beispiel bei Paulus anders. Da wissen wir aus Quellen, dass er wohl nicht so hübsch war", fügt Wucherpfennig schmunzelnd hinzu.

Ein paar Anhaltspunkte dafür, wie wir uns Josef vorzustellen haben, gibt es dennoch. So spricht seine Herkunft aus dem südlichen Mittelmeerraum dafür, dass Josef dunkelhaarig und von nicht sehr großer Statur war. Sein Beruf als Zimmermann weist auf einen kräftigen Körperbau, vor allem aber auf starke Hände und Arme hin. "Josef muss auch ziemlich fit und sportlich gewesen sein. Schließlich unternahm er lange Wanderungen", ergänzt Ansgar Wucherpfennig, sodass sich nun doch ein recht deutliches Bild zusammenfügt. Es ist jedoch lediglich das äußere Bild eines Mannes.

Gedenktage: 19. März und 1. Mai

Neben dem Josefstag am 19. März wird seit 1955 auch der 1. Mai als "Josef der Arbeiter" gefeiert. Papst Pius XII. hat den seit 1889 als "Kampftag der Arbeiter" begangenen Tag als Zeichen der Aussöhnung mit der Arbeiterschaft eingeführt. Damit soll der Heilige geehrt, aber auch die Würde der menschlichen Arbeit bewusst gemacht werden. Josef ist Patron der gesamten Kirche (seit 1870), von Mexiko, den Philippinen, Kanada, Peru, Böhmen, der Steiermark, von Kärnten und Tirol, des Bistums Osnabrück und des Erzbistums Köln. Außerdem ist er der Patron der Ehepaare und der Familien, der Kinder und Jugendlichen, der Erzieher, der Zimmerleute, Holzfäller, Tischler, Handwerker, Arbeiter, Ingenieure, zudem Schutzheiliger in Wohnungsnot, in Versuchungen und verzweifelten Lagen sowie für einen friedlichen Tod.

Über das Innenleben Josefs verrät die Bibel noch weitaus weniger. Für Wucherpfennig, Professor für Exegese des Neuen Testaments, ist die Gerechtigkeit jedoch ein zentraler Charakterzug. Der gerechte Josef, der nicht auf seinem Recht beharrt, mit Maria als Ehefrau zusammenzuleben. Der Mann, der ein Kind, dessen leiblicher Vater er nicht ist, als seinen Sohn aufzieht und ihm die Liebe eines Vaters schenkt. Wegen seiner Nähe zu Jesus nehme Josef auch eine herausragende Stellung unter den Heiligen ein, weiß Wucherpfennig.

Innerer Konflikt

Den inneren Konflikt, den die Schwangerschaft Marias bei Josef auslöst, deutet das Matthäusevangelium an. Es berichtet, dass Josef an Marias Treue zweifelte und sich von ihr habe trennen wollen. Doch dann erklärte ihm ein Engel in einem Traum, dass Maria vom Heiligen Geist schwanger sei. So blieb Josef bei ihr. Nach der Geburt Jesu floh die Familie gemeinsam nach Ägypten, um dem Kindermord des Herodes zu entgehen. Die Überwindung des inneren Konflikts und die Annahme Jesu als Sohn zeuge von einem großen und weiten Herzen, ist Wucherpfennig überzeugt.

Josefs Tod ist an keiner Stelle der Bibel explizit erwähnt. In dem Jahr, in dem Jesus seinen zwölften Geburtstag feiert, pilgert Josef mit seiner Familie zum Osterfest nach Jerusalem. Danach verschwindet die Figur des Josef. Die Forschung vermutet, dass sein Todeszeitpunkt zwischen der gemeinsamen Wallfahrt und dem öffentlichen Auftreten von Jesus liegen muss.

Ein älterer Handwerker mit Heiligenschein (Josef) schläft an den Tisch gelehnt in seiner Werkstatt. Rechts erscheint ihm im Traum ein Engel mit einer Botschaft in der Hand.
Der Ziehvater Jesu in seiner Werkstatt: Ein Teil des Freskos "Traum des heiligen Joseph" von Modesto Faustini (19. Jh.) in der "Basilika vom Heiligen Haus" in Loreto (Mittelitalien).  KNA

Was bleibt von der Figur des heiligen Josef von Nazareth in der Gegenwart? Der Josefstag ist seit 1621 ein Fest im römischen Kalender. Papst Benedikt XIII. fügte den Namen Josefs in die Allerheiligenlitanei ein. Papst Pius IX. ernannte Josef 1870 zum Patron der katholischen Kirche.

Auch eine Reihe von Bauernregeln erinnern an den heiligen Josef. Angefangen von "Josef klar, ein Honigjahr" über "Ist es klar am Josefstag, spart er uns viel Not und Plag" bis hin zu "Ein schöner Josepfstag bringt ein gutes Jahr" blicken alle Sprüche optimistisch in die Zukunft, sofern nur das Wetter am Josefstag klar und schön ist. So ist Josef auch für Ansgar Wucherpfennig eine "echte Frühlingsfigur", wie er es ausdrückt. Er trage den Moment des Aufbruchs, des Anfangs in sich.

"Großartiges Vorbild"

Darüber hinaus verweist der Theologe Wucherpfennig auf eine weitere – womöglich weniger naheliegende – Bedeutung des heiligen Josef für die Gesellschaft und Kirche in der Gegenwart. Er biete eine Identifikationsfigur für Männer und sei dafür ein "großartiges Vorbild". Schließlich definiere er sich nicht ausschließlich über seine Männlichkeit, sondern finde sich in Reflexion und Gespräch wieder.

Für den Wissenschaftler Ansgar Wucherpfennig, der über Josef geforscht hat, hat sich die Beziehung zu dem Heiligen durch seine Arbeit verändert. So habe sich über den zunächst intellektuellen Zugang die Figur mehr und mehr verlebendigt und sei schließlich zu einem Ansprechpartner im Gebet gewachsen. "Damit habe ich tatsächlich nicht gerechnet", schildert Wucherpfennig seine ganz persönliche Erfahrung. (vre)

Linktipp: Held am Rand

Die stillen Anpacker im Hintergrund sind meist viel wichtiger, als die, die das Rampenlicht suchen. In der Weihnachtsgeschichte nach Matthäus nimmt Marias Verlobter Josef diese Rolle ein. - "Wort zum Sonntag"-Sprecher Wolfgang Beck über den heiligen Josef.

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