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Asket und begnadeter Schriftsteller

Er war Eremit, eröffnete Klöster und hat die berühmte Vulgata-Übersetzung der Bibel geschaffen. Hieronymus zählt zu den vier großen lateinischen Kirchenvätern. Am 30. September ist sein Gedenktag.

Hieronymus | Bonn - 28.02.2015

Hieronymus gilt als der gelehrteste der vier lateinischen Kirchenväter und ist einer der bedeutendsten Theologen und Schriftsteller der Christenheit. Sein bekanntestes Werk ist die Übersetzung der Bibel ins Lateinische, die so genannte Vulgata. Der Gedenktag des Heiligen ist der 30. September.

Geboren wurde Hieronymus um das Jahr 347 in Stridon, der heutigen Stadt Strigova in Kroatien. Die christlichen Eltern schickten den Sohn zum Studium nach Rom. Dort ließ er sich später auch taufen. Hieronymus zeigte schon sehr bald seine herausragenden geistigen Fähigkeiten – vor allem in der Philosophie. Intensiv setzte er sich mit den Werken Ciceros und Platons auseinander. Darüber hinaus verfügte er über ein phänomenales Gedächtnis, war äußerst sprachbegabt und rhetorisch unschlagbar. Auch das  großstädtische Leben gefiel ihm.

Hieronymus, einer der vier großen abendländischen Kirchenväter, beim Verfassen der Vulgata, der Übersetzung der Bibel ins Lateinische.
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Doch hatte Hieronymus auch Schwierigkeiten, die Lektüre heidnischer Philosophen mit seinem Glauben zu vereinen. In einem Brief beschreibt er einen Traum, den er hatte, als er an starkem Fieber litt. Er habe sich vor seinem himmlischen Richter stehen sehen, der ihn nach seinem Glauben fragte. Als Hieronymus beteuerte, dass er Christ sei, antwortete der Richter: "Du bist kein Christ, du bist Ciceronianer. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz." Hieronymus war tief betroffen und versprach, sich mehr der Heiligen Schrift zu widmen – aus der Eingebung und Erkenntnis heraus, dass Gott ihn dazu berufen hatte.

Jahre in Askese, Jahre der Gelehrsamkeit

Hieronymus wechselte seinen Studienort und reiste nach Trier. Dort lernte er asketische Mönche kennen, deren Lebensweise ihm imponierte. Er wurde Theologe und Mönch. Gegen 370 zog er nach Aquileia in Italien. Dort traf er seinen Freund Rufinus wieder, den er in Rom kennen gelernt hatte. Dieser gehörte zum "Chor der Seligen", einem asketischen Kreis, dem sowohl Kleriker als auch Laien – Männer und Frauen – angehörten.

373, mit 26 Jahren, unternahm Hieronymus mehrere Pilgerreisen in den Orient. In Antiochia, einer Stadt im antiken Syrien (heute Antakya in der Türkei), lernte er Griechisch und befasste sich intensiv mit der Literatur des christlichen Gelehrten Origines. Hieronymus schloss sich Mönchen in der Wüste bei Aleppo an und lebte in völliger Askese in einer Felsenhöhle. Es war wohl eine harte Zeit für den jungen Mann, der noch vor wenigen Jahren das Großstadtleben in Rom genossen und Nächte lang und mit Freunden philosophiert hatte. Doch er erlitt alles um Christi willen, wie es in einer alten Heiligen-Legende heißt.

Die Löwenlegende

Eine der bekanntesten Überlieferungen über Hieronymus ist die Löwenlegende, wegen der er oft mit diesem Tier auf Gemälden dargestellt wird: Als er Eremit war, sei ein hinkender Löwe in die Felsenhöhle gekommen und alle Mönche seien geflohen. Hieronymus aber fragte den Löwen, warum er zu ihnen gekommen sei. Das wilde Tier hob seine blutende, verletzte Pranke hoch. Hieronymus trug den Mönchen auf, Wasser zu bringen und die Wunde zu reinigen. Sie zogen einen Dorn aus der Löwenpranke und pflegten das Tier, bis die Wunde verheilt war. Der Löwe blieb bei den Mönchen und hütete die Weidetiere, während die Männer im Wald Holz sammelten. Eines Tages schlief der Löwe beim Hüten der Tiere ein und eine vorüberziehende Karawane stahl unbemerkt einen Esel. Die Mönche dachten zunächst, der Löwe hätte ihn gefressen. Doch der Löwe entdeckte die Karawane mit dem Esel, lief hin und brüllte so gewaltig, dass die Männer fast zu Tode erschraken. Voller Angst und Reue brachten sie den Esel zu Hieronymus zurück. Er nahm die Männer freundlich auf. Diese schenkten ihm eine große Summe Geld – wohl aus schlechtem Gewissen. Hieronymus ließ es dem Kloster zukommen. (mnu/luk)

Immer intensiver vertiefte Hieronymus sich nun in theologische Werke, machte Abschriften, verfasste Briefe und lernte Hebräisch. Nach wenigen Jahren ging Hieronymus zurück nach Antiochia. Dort wurde er 379 zum Priester geweiht und längere Zeit wegen einer Krankheit festgehalten. 382 kehrte Hieronymus über Konstantinopel, wo er den Kirchenvater Gregor von Nazianz traf, nach Rom zurück. Papst Damasus I. machte ihn zu seinem Sekretär und beauftragte ihn, die Bibel ins Lateinische zu übersetzen. Diese so genannte "Vulgata" enthält Texte, die bis heute für die Katholische Kirche verbindlich sind – wenn auch inzwischen in der überarbeiteten Form der "Nova Vulgata". Als Damasus starb, machte sich Hieronymus Hoffnungen auf den Stuhl Petri. Nachdem aber Siricius Papst wurde, verließ der Gelehrte Rom und ging nach Betlehem – seinem letzten Wirkungsort.

Schutzpatron der Gelehrten

Vornehme Frauen, die sich in Rom um Hieronymus geschart hatten, folgten ihm und machten ihn zu ihrem geistlichen Führer. In Betlehem gründete die Heilige Paula, die zu seinem Kreis gehörte, drei große Frauenklöster. Hieronymus selber übernahm den Vorstand eines kleineren Männerklosters. Dazu gehörten auch Pilgerherbergen und eine Schule, an der er selbst unterrichtete. Hier beendete er die lateinische Bibelübersetzung. 35 Jahre lebte Hieronymus noch in Betlehem. Er widmete sich ganz der theologischen Wissenschaft, schrieb Briefe und Bibelkommentare und starb mit 73 Jahren am 30. September 420.

Obwohl Hieronymus laut dem Buch "Heilige und Namenspatrone im Jahreslauf" aufgrund seiner Krankheiten und der strengen Askese "häufig überreizt und kränkend war und polemisch urteilte", wurde er von den Großen seiner Zeit geschätzt. Seine Reliquien gelangten nach Rom in die Kirche Santa Maria Maggiore; das Volk verehrte ihn seit dem Mittelalter wie einen Heiligen. Hieronymus ist Schutzpatron der Gelehrten, Schüler, Studenten, Korrektoren und Übersetzer, der Theologen samt ihrer Fakultäten und der Bibelgesellschaften. Oft wird er mit langem weißen Bart, als Eremit mit Kreuz, mit Löwen (siehe Infokasten) oder als alter Gelehrter am Schreibpult dargestellt.

Von Margret Nußbaum

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