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Beliebter Schutzpatron

Der Fischer aus Kapharnaum war einer der ersten Jünger Jesu. Rund um seinen Gedenktag ist ein vielfältiges Brauchtum entstanden.

Andreas | Bonn - 01.03.2015

Andreas stammte aus dem Dorf Kapharnaum am See Genezareth. Gemeinsam mit seinem Bruder Simon – der später von Jesus Fels (Petrus) genannt wurde – übte er den Beruf des Fischers aus. Andreas war ein frommer Jude und glaubte an die Verheißung der Propheten, dass Gott den Messias schicken würde.

Andreas schloss sich Johannes dem Täufer an und begegnete eines Tages Jesus. Er war so begeistert, dass er mit seinem Bruder Kapharnaum verließ, um Jesus nachzufolgen. Andreas und Petrus gelten heute als die ersten Apostel. Nach dem Tod Jesu ging Andreas auf Missionsreisen durch verschiedene Länder. Während einer dieser Reisen erlitt er der Überlieferung nach am 30. November 60 im griechischen Patras an einem X-förmigen Kreuz, das deswegen heute Andreaskreuz heißt und vor allem als Verkehrszeichen vor Bahnübergängen bekannt ist, das Martyrium. Dieser Tag ist heute auch der Gedenktag des Heiligen.

Der Apostel ist unter anderem Schutzpatron von Russland, Griechenland, Schottland und Spanien. Außerdem ist er der Patron zahlreicher Städte, darunter Mailand, Neapel, Amalfi, Ravenna, Brügge und Bordeaux. Im schottischen Wappen und auch im britischen Union Jack ist das Andreas-Kreuz vertreten. Andreas wird als Schutzpatron für viele Berufsgruppen und Gelegenheiten angerufen, etwa als Beschützer der Fischer und Fischhändler, der Seilmacher und Wasserträger.

Vielfältiges Brauchtum

Da Andreas nach kirchlicher Tradition den Bischofssitz von Konstantinopel, dem heutigen Istanbul gründete, versteht sich der orthodoxe Patriarch von Konstantinopel als Nachfolger des Apostels, so wie der Papst als Nachfolger des Petrus gilt. Die Kopfreliquie des heiligen Andreas wurde im Zuge der osmanischen Eroberung nach Rom gebracht und seit 1462 im Petersdom aufbewahrt. Papst Paul VI. gab sie 1964 als Akt der Ökumene an die Orthodoxie zurück. Die Echtheit wird allerdings angezweifelt.

Um den Andreastag herum endet das alte und beginnt das neue Kirchenjahr. Allerlei Brauchtum geht vor allem auf die Andreasnacht zurück, denn diese galt als Losnacht - eine Nacht, die sich besonders anbietet, Orakel zu befragen und die Zukunft vorauszusagen. Deshalb befragten Mädchen den heiligen Andreas früher gern, wer ihr Zukünftiger werde. Jede Gegend hatte ihr eigenes Liebes- oder Heiratsorakel. In Hessen ließen sich zum Beispiel Mädchen von einer ehrbaren Witwe einen Apfel schenken. Sie durften sich aber nicht für das Geschenk bedanken und auch nicht mit der Frau sprechen. Die eine Apfelhälfte aß das Mädchen vor Mitternacht, die andere legte sie unters Kopfkissen. In der Nacht, so glaubte man, würde sie von ihrem Zukünftigen träumen.

Gedenktag: 30. November

Patron zahlreicher Länder (unter anderem Russland, Griechenland, Schottland und Spanien) und Städte (unter anderem Mailand, Neapel, Amalfi, Ravenna, Brügge und Bordeaux) sowie vieler Berufsgruppen, darunter Fischer, Seilmacher und Wasserträger.

Im Harz sollte der Genuss von zwei Gläsern Wein den Traum vom Bräutigam herbeiführen. In Thüringen deckten Mädchen ihm den Tisch und ließen das Fenster offen stehen, damit er sich zeige. In verschiedenen Gegenden gab es das Apfelorakel. Das Mädchen schälte den Apfel in einem Stück und warf die lange Schalen-Schlange hinter sich. Konnte sie aus dem Gebilde einen Buchstaben lesen, war dies der Anfangsbuchstabe vom Namen ihres zukünftigen Mannes.

Aus Böhmen stammt das Lichterschwimmen. In doppelt so viele Walnussschalen, wie Mädchen in der Stube waren, wurden kleine Kerzen gesteckt und angezündet. Sowohl die leuchtenden als auch die Nussschalen ohne Kerze setzten die Mädchen in eine große Schüssel mit Wasser und ließen sie schwimmen. Ihrer Schale ohne Licht gab das Mädchen im Geheimen den Namen des erwünschten Bräutigams. Die Nussschalen, die aneinander stießen, symbolisierten nach dem Orakel das künftige Brautpaar.

Damit Wünsche in Erfüllung gehen...

Aber auch Kinder kamen in manchen Gegenden am Andreasfest auf ihre Kosten. Im Riesengebirge hängten Mädchen und Jungen ihre Strümpfe am Andreasabend vors Fenster. Am nächsten Morgen waren sie mit Äpfeln, Nüssen und einem Andreaskranz gefüllt, einem Hefegebäck mit Rosinen. Die Erfüllung von Wünschen erhoffte man sich von den Andreaszweigen, im Volksmund Andreasreiser genannt. Am Andreastag wurden um sechs, um neun oder um zwölf Uhr Zweige von neunerlei Bäumen oder Sträuchern geschnitten - schweigend und ohne von jemandem gesehen zu werden. Je drei Zweige wurden mit einem bunten Band zusammengebunden und in Gedanken Wünsche ausgesprochen. Blühten die Zweige an Weihnachten auf, gingen die Wünsche in Erfüllung.

Auch Wetterregeln gibt es für den Andreastag, etwa: Wenn es an Andreas schneit, der Schnee hundert Tage liegen bleibt. Oder: Hält St. Andreas den Schnee zurück, so schenkt er reiches Saatenglück.

Von Margret Nußbaum und Steffen Zimmermann

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