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Heiliger Universalgelehrter

Kaum ein Heiliger hat ein so umfangreiches Werk hinterlassen. Nicht nur deshalb ist Thomas von Aquin eine der großen Persönlichkeiten der Kirche. Sein Gedenktag ist am 28. Januar.

Thomas von Aquin | Bonn - 28.02.2015

Kaum ein Heiliger hat der Nachwelt ein so umfangreiches Werk hinterlassen wie Thomas von Aquin (1225-1274). Allein die Studienausgabe seines Hauptwerkes, der "Theologischen Summe", umfasst nicht weniger als 60 Bände. Eigene Philosophenschulen haben sich aus seinem Denken entwickelt. Der Thomismus war für alle katholischen Theologen bis weit in das 20. Jahrhundert hinein die maßgebliche Lehre katholischen Denkens und Forschens.

In dem von Thomas verfassten Lehrbuch kommt ein umfassendes christliches Weltbild zum Ausdruck, das die gesamte Wirklichkeit vom Stein über den Menschen bis zum Engel, ja bis zu Gott hin beschreibt. Es war das die große Sehnsucht dieser Zeit: eine umfassende, fast gigantisch anmutende Enzyklopädie, eine Zusammenschau aller Wissenschaften zu erreichen.

Mit brennendem Holzscheit

Thomas wurde 1224 auf der Burg Roccasecca in der Nähe von Neapel geboren. Mit fünf Jahren brachten die Eltern ihn zu den Benediktinern von Monte Cassino. Sie hatten die Hoffnung, er werde einmal als Abt des berühmten Klosters die Position der eigenen Familie stärken.

Infolge politischer Streitigkeiten zwischen Kaiser und Papst musste Thomas Monte Cassino 1239 verlassen. Er begann seine Studien an der kaiserlichen Universität zu Neapel, ein erster großer Wendepunkt seines Lebens. In Neapel entdeckte Thomas zwei Dinge: Aristoteles wurde der Autor seines Lebens, und er beschloss, in den noch jungen Dominikanerorden (1216 approbiert) einzutreten. Mit seiner Begeisterung für Aristoteles geriet der junge Thomas zunächst in Konflikt mit der Kirche und mit seinem Entschluss, Dominikaner zu werden, in Widerspruch zu seinem Elternhaus. Bei den Dominikanern sammelte sich die intellektuelle Elite dieser Zeit.

Aufstrebender "Starprofessor"

Die Familie war nicht bereit, den Ordenseintritt ihres jüngsten Mitglieds tatenlos hinzunehmen. Zwei seiner Brüder nahmen ihn kurzerhand gefangen und verschleppten ihn zur Familienburg Roccasecca. Als es den Brüdern nicht gelang, ihm das Ordensgewand mit Gewalt vom Leibe zu reißen, schickten sie ein sparsam gekleidetes Mädchen zu ihm. Doch Thomas verjagte es mit einem brennenden Holzscheit. Nach einem Jahr vergeblichen Hausarrests ließ man ihn schließlich 1245 als Dominikaner nach Paris ziehen. Dort wurde er Schüler Alberts des Großen, besser bekannt als Albertus Magnus.

Gedenktag: 28. Januar

Patron der katholischen Wissenschaft und der katholischen Schulen und Hochschulen, der Theologen, Philosophen, Studenten, Buchhändler, Bleistiftfabrikanten, Bierbrauer; gegen Blitz, Unwetter und Sturm, für Keuschheit und Reinheit

Albert nahm Thomas mit nach Köln, um mit ihm als Gehilfe dort eine Dominikanerhochschule nach dem Vorbild von Paris zu gründen. 1252 kam er als aufstrebender "Starprofessor" zurück nach Paris, in das Zentrum der damaligen Wissenschaft. Doch die wissenschaftliche Welt in Paris war zu diesem Zeitpunkt tief zerstritten. Die beiden neuen Bettelorden, Franziskaner und Dominikaner, rivalisierten um die Herrschaft über die rechte kirchliche Lehre. Im Jahre 1259 zog der Orden Thomas aus der Konfrontation und schickte ihn nach Italien zurück. Die fruchtbarste Zeit seines Lebens begann. Er verfasste sein Hauptwerk, die "Theologische Summe".

Fragen zu Glaube und Vernunft

Jedes Jahr 4.000 Seiten, so hat man ausgerechnet, hat Thomas geschrieben. Das war nur möglich, indem er zeitweise vier Sekretäre gleichzeitig beschäftigte und wie bei einem Schachspieler, der Partien simultan spielt, immer wieder von einem zum anderen Thema sprang. Bis zum frühen Morgen diktierte Thomas und merkte kaum, dass der Docht der Kerze, die er in der Hand hielt, ihm die Finger versengte. Er schlief kaum noch, trieb an seinem Körper Raubbau. Am 7. März 1274 starb er auf der Reise zum Konzil von Lyon im Kloster Fossanova.

Das große Thema des Thomas von Aquin, des Denkers der Scholastik, ist die Frage nach dem Verhältnis von Glaube und Vernunft. Thomas legt im Rahmen seines Hauptwerks Argumente dafür dar, dass der Glaube an die Existenz Gottes nicht vernunftwidrig ist, sich also Glaube und Vernunft nicht widersprechen. Seine "fünf Wege" legen rationale Gründe für Gottes Existenz dar. Die Argumentationskette endet jeweils mit der Feststellung: "Das ist es, was alle Gott nennen."

Von Markus Schüppen

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