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Wegbereiter der modernen Krankenpflege

Johannes war Hirte, Soldat und Baurabeiter, bevor er - vermeintlich geisteskrank - in ein Hospital eingeliefert wurde. Dort folgt die Wende im Leben des heiligen Johannes von Gott.

Unsere Vorbilder | Bonn - 08.03.2017

Die Krankenpflege in öffentlichen Hospitälern befindet sich im 16. Jahrhundert in einem erbarmungswürdigen Zustand. Psychisch Kranke sind der Willkür ihrer Pfleger ausgesetzt, die ihre Patienten ans Bett fesseln oder auspeitschen, um sie "zur Vernunft" zu bringen. Johannes von Gott räumt mit diesen Missständen gründlich auf. Weil er die Krankenpflege revolutionierte, gilt er bis heute als Patron der Kranken und Krankenpfleger.

Das Licht der Welt erblickt Johannes am 8. März 1495 in Montemor-o-Novo. Sein Leben in der portugiesischen Kleinstadt nimmt knappe acht Jahre später eine dramatische Wende. Der Junge verlässt eines Nachts heimlich sein Elternhaus. Der Grund: Ein Priester, der bei der Familie zu Besuch war, hatte ausführlich von seinem Leben in Spanien erzählt. Johannes lässt sich von dessen Enthusiasmus anstecken, packt seine Siebensachen und macht sich zu Fuß auf den Weg nach Spanien. Im Dorf Oropesa in Andalusien – rund 300 Kilometer von seiner Heimat entfernt – findet er Unterschlupf bei einem Hirten. Er hütet die Tiere, hilft bei der Feldarbeit, lernt lesen und schreiben und entwickelt sich zu einem klugen und begabten jungen Mann. Seine Eltern können den Kummer über das plötzliche Verschwinden ihres Kindes nicht verwinden. Die Mutter verstirbt voller Gram innerhalb kurzer Zeit. Der Vater tritt – völlig gebrochen - in ein Franziskanerkloster ein. 

Als Geisteskranker im Hospital

Im Alter von 28 Jahren wird Johannes erneut von der Abenteuerlust gepackt, verdingt sich als Soldat, kämpft im spanisch-französischen Krieg und neun Jahre später gegen die vor Wien stehenden Türken. Nach deren Abzug kehrt Johannes in seine portugiesische Heimat zurück, um nach seinen Eltern zu suchen. Dort erfährt er vom Tod seiner Mutter und vom Klosterleben des Vaters. Geplagt von schweren Gewissensbissen zieht es den Sohn nach Santiago de Compostela. Dort sucht er Rat bei einem Mönch. Reumütig verdingt Johannes sich zuerst als Hirte, später als Bauarbeiter. Schließlich eröffnet er in Granada einen Laden, verkauft fromme Schriften und Heiligenbildchen. Eine entscheidende Wende bringt das Jahr 1539. Johannes hört den charismatischen Johannes von Avila predigen. Er ist von dessen Reden so begeistert, dass er in Ekstase gerät, durch die Straßen läuft und wirr redet. Als vermeintlich Geisteskranker wird Johannes ins Hospital gebracht. Dort lernt er am eigenen Leib die Methoden kennen, denen psychisch Erkrankte damals ausgesetzt waren. Man glaubte, die Kranken seien vom Teufel besessen, der mit aller Gewalt ausgetrieben werden sollte.

Montemor-o-Novo ist eine Stadt der Region Alentejo in Portugal. Sie liegt rund 80 Kilometer östlich der Hauptstadt Lissabon. Die Stadt, die heute etwas mehr als 17.000 Einwohner hat, erhielt seine Verwaltungsrechte erstmals von König Sancho I im Jahr 1203.
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Als Johannes Avila davon Kenntnis erhält, besucht er seinen Namensvetter im Hospital. Er versucht, seine Gedanken in rechte Bahnen zu lenken und trägt ihm auf, sein Leben fortan der Nächstenliebe zu widmen. Reumütig beschließt Johannes, sich voll und ganz in den Dienst der Kranken und Pflegebedürftigen zu stellen. Wie viele andere, die ihrem Leben eine neue Richtung geben möchten, unternimmt er eine Wallfahrt in das spanische Guadalupe, dem damals größten Marienwallfahrtsort. In dieser Stadt gibt es ein von Mönchen geführtes Spital.

Hier lernt Johannes vieles über die Behandlung von Kranken und die Organisation eines Krankenhauses. Ausgerüstet mit neuen Fähigkeiten kehrt er nach Granada zurück. Hier pflegt er kranke Obdachlose unter dem Torbogen eines Hauses. Bald darauf gründet er in der Stadt ein Spital. Die Versorgung der Kranken finanziert Johannes durch Erbetteln von Almosen. Sein leidenschaftlicher Einsatz spricht sich bald herum. Johannes geht in seiner Behandlung auf jeden einzelnen Patienten ein, gibt den Kranken ihre Würde zurück und verbietet die herkömmlichen grausamen Methoden. Auch kümmert er sich um Menschen am Rande der Gesellschaft - Prostituierte und Straßenkinder.

Orden der Barmherzigen Brüder

Wegen seiner wertvollen caritativen und sozialen Arbeit genießt Johannes mittlerweile ein enormes Ansehen. Der Bischof von Tuy gibt ihm deshalb den Beinamen "von Gott" und rät ihm, fortan ein Ordensgewand zu tragen. Johannes gelingt es, andere junge Männer für den Dienst an den Kranken zu gewinnen. Auch sie schließen sich der Gemeinschaft an, die sich bis zum heutigen Tage "Orden der Barmherzigen Brüder" nennt.

Am 8. März 1550 stirbt Johannes in Granada im Haus der befreundeten Familie Pisa an Entkräftung. Der Legende nach hat man ihn kniend mit einem Kreuz in der Hand gefunden. Beigesetzt wird der Heilige in der Familiengruft der Pisas. Zwei Jahre nach seinem Tod wird in Granada ein weiteres Hospital gegründet, bald darauf auch in Madrid und in anderen Städten Spaniens. Im Jahr 1571 wird der Orden der Barmherzigen Brüder von Papst Pius V. kirchlich anerkannt. Am 16. Oktober 1690 spricht Papst Alexander VIII Johannes von Gott heilig. Seine letzte Ruhestätte erhält er im Jahr 1759 in der barocken Basilika San Juan de Dios in Granada.

Von Margret Nußbaum

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