Zwei Jahre hätten Gesprächsversuche nicht gefruchtet

Bonner Uni-Rektor will "Widerstand" gegen Woelki-Hochschule leisten

Aktualisiert am 17.08.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Die Bonner Universität steht fest hinter ihrer katholischen Fakultät. Rektor Michael Hoch verschärft seine Kritik an Kardinal Woelkis Kölner Hochschule für Katholische Theologie noch einmal: Jetzt sei "Widerstand" an der Zeit.

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Der Rektor der Universität Bonn, Michael Hoch, verschärft seine Kritik an Kardinal Rainer Maria Woelkis Hochschulneugründung deutlich. Gegenüber der WDR-Lokalzeit sagte Hoch am Dienstag, er habe kein Verständnis dafür, dass mit der Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT) eine Konkurrenzinstitution zur Bonner Theologiefakultät etabliert werden soll. Die Universität hätte zwei Jahre lang versucht, mit dem Erzbistum in Kontakt zu kommen und herauszufinden, was dort wirklich geplant sei. "Das hat nicht gefruchtet. Jetzt ist der Moment, Widerstand zu leisten und aufzustehen", betonte der Biologe. Wie der Widerstand aussehen solle, sagte Hoch nicht. Gegenüber katholisch.de erläuterte ein Sprecher: "Die Umstände haben sich so entwickelt, dass wir die Öffentlichkeit informieren mussten und damit unseren Widerstand gegen die aus unserer Sicht fragwürdigen, überflüssigen und konkordatswidrigen Pläne zur KHKT zu erklären." Die Ausbildung von Geistlichen und Religionslehrern an staatlichen Institutionen sei aus Sicht der Universität ein "hohes gesellschaftliches, wissenschaftliches und religionspolitisches Gut, das unter keinen Umständen aufgegeben werden darf".

In der Diskussion über die Finanzierung der KHKT würden "unheimlich große Beträge" genannt. Hoch betonte, dass er selbst Katholik sei und sich frage, ob die Hochschule über seine Kirchensteuerbeiträge mitfinanziert werde. Der Rektor wies auch darauf hin, dass die Katholisch-Theologische Fakultät in Bonn durch das Preußenkonkordat als Priesterausbildungsstätte des Erzbistums abgesichert sei. "Das heißt: Es war schon immer die Fakultät des Bistums, und das wird jetzt bedroht."

Hohe Kosten und unklare Rechtslage

Schon im Mai hatte Hoch in der Debatte um die Hochschulneugründung und den Ort der Priesterausbildung im Erzbistum Köln der Fakultät "mit großem Nachdruck" seine Unterstützung zugesagt – unabhängig davon, "wie sich die Dinge entwickeln werden". Er hoffe, dass diese Verpflichtung seitens der Universitätsleitung auch von der Erzdiözese als Chance betrachtet würde, Herausforderungen dieser Zeit gemeinsam anzugehen. Auch der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät, der Moraltheologe Jochen Sautermeister, sieht in der KHKT keine Alternative zu seiner Fakultät. Sautermeister wies darauf hin, dass die Kirche wissenschaftlich wie finanziell davon profitiere, wenn die theologische Ausbildung an staatlichen Hochschulen angesiedelt sei.

Die Finanzierung der KHKT ist noch unklar. Laut den aktuellen Wirtschaftsplänen des Erzbistums hat sie einen Finanzbedarf von 3 Millionen Euro pro Jahr, ursprünglich wurden 1,2 Millionen Euro angesetzt. Eine staatliche Finanzierung der Kölner Hochschule gibt es nicht. Zur Frage, ob die Erzdiözese mit der Übernahme der ehemaligen Ordenshochschule das Konkordat breche, gibt es unterschiedliche Ansichten. Während der Bonner Staatskirchenrechtler Christian Hillgruber davon ausgeht, dass nur eine komplette Verlagerung der Priesterausbildung weg von der Bonner Fakultät dem Konkordat widersprechen würde, geht der Staatsrechtler Josef Isensee, der ebenfalls in Bonn lehrt, davon aus, dass die Gründung im Widerspruch zu den vertraglichen Vereinbarungen zwischen Staat und Kirche stehe. (fxn)

24. August 2022, 9 Uhr: Ergänzt um Stellungnahme der Uni Bonn.