Konkordat sichert Priesterausbildung an staatlicher Fakultät ab

Dekan: Woelki-Hochschule keine Alternative zur Bonner Uni-Theologie

Aktualisiert am 06.07.2022  –  Lesedauer: 
Dekan: Woelki-Hochschule keine Alternative zur Bonner Uni-Theologie
Bild: © LMU

Bonn ‐ Die theologische Fakultät an der Uni Bonn hat einen exzellenten Ruf – doch in Köln baut das Erzbistum eine neue theologische Hochschule auf. Der Bonner Dekan ist überzeugt: Der Platz der Theologie und der Priesterausbildung ist an der Universität.

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Der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn, Jochen Sautermeister, sieht in der von Kardinal Rainer Maria Woelki gegründeten "Kölner Hochschule für Katholische Theologie" (KHKT) keine Alternative für die Priesterausbildung im Erzbistum Köln. Mit Blick auf Bonn als im Konkordat festgelegten Ort der Priesterausbildung fragte der Professor für Moraltheologie im Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Dienstag): "Warum sollte man die Studenten von Köln nach Bonn fahren lassen wollen und den starken Standort Bonn schwächen?" Das bedürfe einer guten Begründung. Außerdem betonte er, dass die Bonner Fakultät die Fakultät des Erzbistums sei. Da die meisten Theologen im Kölner Kirchendienst in Bonn studiert hätten und Mitarbeitende der Fakultät sich in vielfältiger Weise im Erzbistum engagierten, sei die enge Verbindung von Erzdiözese und Fakultät "völlig selbstverständlich", so Sautermeister weiter. 

Der Dekan betonte den Wert einer in eine Volluniversität integrierten Theologie: "Die Einbindung der Theologie in den interdisziplinären Dialog und den gesellschaftlichen Diskurs ist etwas ganz Entscheidendes." An der Bonner Fakultät spiegelten sich eine Vielfalt theologischer Perspektiven wieder. Innerhalb der Universität werde die Fakultät geschätzt und sei umfassend in die Exzellenz-Strategie eingebunden. "Ohne die Theologie würde der Universität etwas fehlen, nämlich das Suchen nach grundlegenden Orientierungen und Verantwortung, eingebunden in die Beschäftigung mit existenziellen Fragen von Sinn, und zwar nicht allein aus allgemein philosophischer Sicht, sondern einer religionsintern-kritischen und produktiven Perspektive, die einzelwissenschaftliche Zugänge übersteigt", betonte Sautermeister.

Kirche profitiert auch finanziell von universitärer Theologie

Die Frage nach dem Ort der Priesterbildung war Mitte Juni auch Thema im Kölner Priesterrat. Sautermeister hatte dort die Fakultät vertreten. "Dabei habe ich unter anderem betont, dass an der Bonner Fakultät mit ihren Studiengängen Menschen gemeinsam Theologie studieren, die später in unterschiedlichen Berufen als Theologinnen und Theologen zusammenarbeiten werden", so Sautermeister. Der frühzeitig beginnende Austausch auf einem gemeinsamen Studienweg sei sehr förderlich für das spätere Gelingen der pastoralen Zusammenarbeit. Ohne eine Festlegung für eine bestimmte Hochschule hatte der Priesterrat dafür votiert, die Priesterausbildung nicht von Bonn nach Köln zu verlagern.

Auch aus finanziellen Gründen sei Theologie an staatlichen Hochschulen für die Kirche attraktiv. Die Rolle der Bonner Fakultät als Ausbildungsstandort für Geistliche sei durch das Preußische Konkordat abgesichert. Da für die Kosten von geschätzt neun Millionen Euro der Staat aufkommt, sei die universitäre Theologie eine "indirekte Entlastung der Kirchenkasse in gewaltigem Umfang". "Gerade angesichts der jüngsten Austrittszahlen und des absehbaren massiven Einbruchs der Kirchensteuereinnahmen müsste es der Bistumsleitung und den für die Finanzplanung zuständigen Gremien sehr entgegenkommen, dass für das Theologiestudium kein eigener Kostenpunkt nötig ist", so Sautermeister. Die Finanzierung der KHKT ist noch unklar. Laut den aktuellen Wirtschaftsplänen des Erzbistums hat sie einen Finanzbedarf von 3 Millionen Euro pro Jahr, ursprünglich wurden 1,2 Millionen Euro angesetzt. Eine staatliche Finanzierung der Kölner Hochschule gibt es nicht. Mit Blick auf die hohen finanziellen Verpflichtungen des Erzbistums für die KHKT hält Sautermeister es für wichtig, "dass Bedarf sowie spezifische Ausrichtung und Zielsetzung klar erkennbar sind".

Anfang Mai hatte bereits der Rektor der Universität Bonn, Michael Hoch, sein Unverständnis über die KHKT geäußert. Hoch sicherte der Fakultät "mit großem Nachdruck" Unterstützung zu – unabhängig davon, "wie sich die Dinge entwickeln werden". Er hoffe, dass diese Verpflichtung seitens der Universitätsleitung auch von der Erzdiözese als Chance betrachtet werde, Herausforderungen dieser Zeit gemeinsam zu adressieren. Der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Köln forderte die Auflösung der KHKT. Seine Vize-Vorsitzende Bettina Heinrichs-Müller bezeichnete das Projekt als "wissenschaftlich komplett überflüssig". (fxn)