117-mal ist in der Bibel von Steinen die Rede

Sind uns Steine im Weg oder offenbaren sie DAS Wunder?

Veröffentlicht am 25.03.2024 um 00:01 Uhr – Von Schwester Maria Gabriela Zinkl – Lesedauer: 
Spiritea

Grafschaft ‐ Steine sind uns eher im Weg, als dass sie uns freuen, schreibt Schwester Gabriela Zinkl. Wie so oft lohnt sich ein zweiter Blick: Denn Steine bieten uns nicht nur Schutz in Form von Wänden. Ohne den einen Stein gäbe es auch keine Auferstehung.

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Unterwegs von A nach B spüre ich ein kleines Steinchen im Schuh. Mist, ausgerechnet jetzt, wie ärgerlich und nervig! Aber, es nützt ja doch nichts, wenn ich nicht bei jedem Schritt gestört werden will, muss ich kurz anhalten, meinen Schuh ausziehen und das kleine spitze Etwas herausschütteln. Was so ein kleiner Stein für eine Unruhe stiften kann …

Ich mag Berge, Felsen, Klettersteige und Wasserfälle, aber das Steinchen im Schuh ist nicht unbedingt mein Freund. Meistens sind uns Steine sind im Weg. Sie stören uns, wir behandeln sie lieblos, wollen sie aus dem Weg haben, egal ob klein oder groß. Noch dazu sind Steine eine ziemlich starre, unflexible Materie. Leblos, kalt und grau. Nicht selten macht man sich die Hände schmutzig. Höchstens klein geschliffen, als Sand am Meer oder Seeufer können wir uns mit ihnen anfreunden.

Aber Edelsteine sind anders!

Was will man schon groß mit Steinen? Mit so einer toten Materie kann man herzlich wenig anfangen. Ansonsten sind Steine als Geschenk ziemlich ungeeignet, außer man nimmt einen Kieselstein, bemalt in bunt und schreibt einen schlauen Spruch darauf. Nur Edelsteine, die sind anders, die noble Variante sozusagen. Aber all die Diamanten und Bergkristalle, die es auf der Welt gibt, sind doch eher die Ausnahme unter all dem Steinmaterial da draußen. Ein graues, unansehnliches Ding hängt sich niemand um den Hals.

Trotzdem gibt es Menschen, denen ziemlich viel an Steinen liegt, weil sie damit arbeiten: Geologen untersuchen Steinformationen und ihr Alter. Bildhauer und Steinmetze hauchen den Steinen als Skulptur oder mit Ornamenten neues Leben ein. Am meisten haben natürlich die Straßenbauer, Maurer, Betonmischer und Baggerfahrer, die solidesten aller Handwerke, mit Steinen zu tun. Ohne sie säße ich jetzt nicht hier, in einem Zimmer mit vier Wänden, in einem stabilen Gebäude. Um mich, um uns herum gibt es Steine, wohin man blickt: auf den Straßen, in der Architektur der Häuser, in den Mauern der Geschäfte, in einigen öffentlichen Sitzbänken. Überall dort, wo wir Menschen leben, haben wir uns unsere Umgebung aus Steinen wind- und wetterfest umgestaltet. Raus aus den Höhlen, rein in die Reihenhäuser und Bungalows. So gesehen leben wir "steinreich", damit meine ich nicht etwa Gallen- oder Nierensteine, sondern die all die Gebäuden aus Stein und Steingemischen aller Art, darunter nicht nur Wohnhäuser, Schulen, Firmen, sondern genauso Bahnhöfe, Museen, Schlösser, Kirchen oder Krankenhäuser. Am Ende unseres Lebens kommt nochmal ein Stein dazu, höchst persönlich, ein Grabstein oder eine Grabplatte. Nicht wenige möchten darauf gerne verzichten, und das sind nicht nur solche mit einem "Herzen aus Stein", wie im schönen Märchen "Das kalte Herz" von Peter Hauff.

Das leere Grab Jesu (Symbolbild).
Bild: ©Glenda Powers/Fotolia.com (Symbolbild)

Nicht nur das leere Grab Jesu zeigt, dass er auferstanden ist – sondern auch der weggerollte Stein.

Ein Stein spielt auch zum Osterfest eine wichtige Rolle, und das, obwohl er im Licht der eigentlichen Neuigkeit und Osterbotschaft, der Auferstehung Jesu, gerne übersehen wird. Es ist der Stein, mit dem das Grab Jesu verschlossen war. Damals war es aus hygienischen Gründen und zum Schutz vor Grabräubern und Tieren absolut üblich, ein Felsengrab mit einem großen Stein oder einer Steinplatte zu verschließen.

Deshalb stehen die Frauen, die am Morgen des dritten Tages zum Grab Jesu gehen, um den Leichnam des toten Jesus mit wohlriechenden Ölen einzubalsamieren, vor dem großen Problem: Wer wird uns den Stein aus dem Weg räumen? (z.B. Mk 16,1-7). Eine Frage, die uns in all unseren Sorgen nicht unbekannt ist, nur dass es sich am Ostermorgen tatsächlich um einen ganz konkreten Stein handelte.

117-mal ist in der Bibel von Steinen die Rede, im positiven wie im negativen Sinn. Da wirft zum Beispiel David dem Goliath mit seiner Steinschleuder einen Stein an den Kopf, was den Sieg der Israeliten über die Philister brachte. Mose schlug bei der Wanderung durch die Wüste mit seinem Stab auf einen Stein und es kam Wasser daraus hervor, sodass alle Israeliten ihren Durst stillen konnten. Abraham, Jakob oder der Prophet Elia benutzten Steine zum Bauen von Altären, um an besondere Ereignisse und die Hilfe Jahwes zu erinnern. Immer wieder sind Steine aber auch ein Tötungsinstrument, das fängt schon ganz klein an mit der Steinigung. In vielen Geschichten der Bibel werden Menschen gesteinigt. Selbst Jesus wollten die Leute seiner Zeit steinigen. Einmal hat er selbst eine Steinigung einer Frau verhindert mit den bekannten Worten: "Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein" (Joh 8,7). Er selbst wird im Neuen Testament als "Stein, den die Bauleute verwarfen und der zum Eckstein geworden ist" bezeichnet (Ps 118,22; Mt 21,42; Apg 4,11; 1 Petr 2,7). Ein bisschen klingt sie darin ja schon an, die Osterbotschaft.

Der Stein aller Steine

Bis er dann kommt, der große Stein am Ostermorgen, von dem alle Evangelien übereinstimmend berichten. Ohne den Stein, der vom Grab weggerollt war, als die Frauen um Maria von Magdala dort ankamen, gäbe es keine Osterbotschaft. Dass der Stein aus dem Weg geräumt ist, ist schon mal das erste Wunder dieses Ostermorgens. Die Evangelien berichten, dass ein oder zwei Engel die Frauen am Eingang des leeren Grabes empfingen und ihnen berichteten, dass Jesus auferstanden ist.

Deshalb spielt der Stein zu Ostern eine wichtige Rolle. Jesus selber hätte das Wegrollen des Steins nicht nötig gehabt, so wie wir ihn kennen. Er hätte ja einfach hindurchgehen können, so wie er später den Jüngern erschien, obwohl sie sich eingesperrt hatten. Nein, der Stein war weggerollt und die Frauen konnten in das Grab gehen, die leeren Leinenbinden sehen und erkannten, dass Jesus nicht gestohlen, sondern auferstanden sein musste. Der Stein war weggerollt, das Grab war leer. So war klar, dass nicht irgendwo ein Geist namens Jesus herumspukte, sondern dass er tatsächlich auferstanden war. So hat der Stein am Grab eine immens wichtige Rolle bekommen. Und wir haben die Hoffnung, dass wir nicht auf ewig vor den Grabsteinen stehen und warten müssen. Gott sei Dank!

Von Schwester Maria Gabriela Zinkl

Die Autorin

Schwester Dr. Maria Gabriela Zinkl SMCB arbeitet in der Ordensleitung des Kloster Grafschaft. Sie pendelt zwischen Deutschland und Jerusalem, wo sie in der Lehre tätig ist. Für "Spiritea" schreibt sie regelmäßig Texte über Themen rund um Spiritualität und Glaubensalltag.

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