"Fliegende Pressekonferenz" nach Frankreich-Reise

Papst Leo XIV. sieht Chancen für Kirche in Deutschland

Papst Leo XIV. steht im Gang eines Flugzeugs und spricht in ein Mikrofon
Bild: KNA/Vatican Media/Romano Siciliani

Papst Leo XIV. traut den Kirchen in Deutschland trotz ihrer derzeitigen Krise eine positive Entwicklung zu. Bei der "fliegenden Pressekonferenz" von Metz nach Rom sagte er am Montagabend, er teile nicht die Ansicht, dass die Kirche in Deutschland auf dem Weg des Absterbens sei. Er verwies auf die katholische Kirche in Frankreich, die viele bereits abgeschrieben hätten, die sich aber in den letzten vier Tagen bei seinem Besuch ganz anders gezeigt habe.

Für Deutschland zeigte er sich überzeugt, dass es auch dort "sehr viele Menschen gebe, die ihren christlichen Glauben leben und feiern wollen". Dafür müsse die Kirche den richtigen missionarischen Geist finden. Er sei daher optimistisch, obwohl er die vorhandenen Probleme sehe und erkenne.

"Ich hoffe sehr, wieder dorthin zu reisen"

Es gebe eine Krise, die nicht nur die katholische Kirche, sondern auch die protestantischen Kirchen hart getroffen habe. Sie treffe auch die Gesellschaft in Deutschland insgesamt. Der Papst betonte, er wolle mit dem Leitungspersonal der Kirche in Deutschland gemeinsam Wege suchen, um diesen Herausforderungen zu begegnen.

Das Kirchenoberhaupt betonte, dass ihm eine Einladung nach Deutschland vorliege. "Ich hoffe sehr, wieder dorthin zu reisen – ich war zwar schon einmal dort, aber nicht als Papst –, doch ich hoffe, Deutschland zu besuchen, so wie ich hoffe, viele andere Orte zu besuchen." Einen Termin für eine Deutschlandreise gebe es jedoch noch nicht. Außer dem Weltjugendtag in Korea gebe es für 2027 noch keine festen Termine in seinem Reisekalender.

Papst Leo XIV. traf Missbrauchsbetroffene in Lourdes

Der Skandal um den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen durch Geistliche hat auch in Frankreich die Kirche stark belastet. Am dritten Tag seiner Frankreichreise sprach Leo XIV. mit sieben Betroffenen.

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Der Papst sprach darüber hinaus auch über den jüngsten Aufstieg rechter Parteien in Deutschland. Dieser sei eine Herausforderung für die christlichen Kirchen. Wie die katholischen und protestantischen Bischöfe in Deutschland sei er der Meinung, dass die in manchen rechten Gruppen anzutreffende Verbindung mit bestimmten religiösen Ideen kein authentisches Christentum sei, so Leo XIV.

Dem müssten die Kirchen die wahren Werte des Evangeliums entgegensetzen und für die Grundsätze ihrer Soziallehre werben. Dabei gehe es nicht um Hass und Spaltung, sondern um Verständnis, Mitgefühl und Begleitung. Zugleich sprach sich der Papst dafür aus, Menschen mit rechten Überzeugungen nicht aufzugeben. Er sagte: "Ich hoffe zutiefst, dass es der Kirche gelingt, mit jener Mehrheit von Menschen guten Willens in Kontakt zu kommen, die verstehen, dass es wichtig ist, wenn sie sich mit ihren Entscheidungen für das Gemeinwohl und nicht für extremistische Ideen einsetzen, die Gefahren mit sich bringen, die wir noch gar nicht absehen können."

Den Begriff eines systematischen Missbrauchs in der katholischen Kirche wollte der Papst bei der "fliegenden Pressekonferenz" vermeiden. Es gebe zwar einige Organisationen innerhalb der Kirche, die "zuweilen – wenn man so will – " als System missbräuchlich gehandelt hätten. "Aber ich halte es für wichtig, hier zu unterscheiden: Sexueller Missbrauch ist in erster Linie ein menschliches Problem."

Kirche trage besondere Verantwortung

"Wenn so etwas passiert – gerade innerhalb der Kirche –, kommt tatsächlich noch eine ganz andere Dimension hinzu, weil das Glaubensleben der Menschen tief verwundet und manchmal sogar zerstört wird", so Leo XIV. Daher trage die Kirche eine besondere Verantwortung, die Betroffenen zu begleiten und ihnen zu helfen, Heilung zu finden.

Papst Leo XIV. äußerte sich auf eine Frage nach dem Treffen mit Opfern sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche. Am Sonntagabend hatte er mit sieben Betroffenen persönlich gesprochen. Er habe sie dabei gebeten, "mir dabei zu helfen, anderen Opfern die Bereitschaft von mir persönlich und der Kirche zu vermitteln, ihnen zuzuhören und sie auf ihrem Weg der Heilung zu begleiten, wobei wir den Schmerz anerkennen, der in ihrem Leben durch Missbrauchsfälle verursacht wurde".

In diesem Zusammenhang habe er auch mit ihnen darüber gesprochen, dass die Kirche in gewisser Weise als verantwortlich angesehen wird. "Aber gleichzeitig, so glaube ich, ist ein wichtiger Teil, ihnen zu helfen, Heilung zu finden."

Bild: © Lola Gomez/Vatican Pool/KNA

Seine erste Enzyklika "Magnifica humanitas" widmete Papst Leo XIV. dem Thema Künstliche Intelligenz. Seitdem habe er zahlreiche Anfragen aus unterschiedlichen Bereichen bekommen, erzählte er.

Der Fortschritt Künstlicher Intelligenz (KI) bereitet Papst Leo indes keine schlaflosen Nächte. "Wenn mich jemand fragen würde, ob ich in Panik bin? Nein, das bin ich nicht", sagte das Kirchenoberhaupt. "Ich schlafe nachts ruhig", so der Papst, der sein erstes großes Lehrschreiben "Magnifica humanitas" unter anderem den Risiken von KI gewidmet hat. 

Allerdings müssten die Bedenken, die von vielen Experten und Spezialisten im Bereich KI geäußert werden, ernst genommen werden. Er kritisierte KI-Entwickler, die sich gegen staatliche Regulierung aussprechen. "Das ist ein Problem, über das wir uns meiner Meinung nach zusammensetzen und reden müssen."

"Wir können uns nicht einfach zurücklehnen"

Er plädierte dafür, dass politische Entscheidungsträger, führende Köpfe der KI-Branche sowie soziale Organisationen und Verbände weiterhin zusammenkommen und gemeinsam zu dem Thema beraten. Einfach zu sagen: 'Ach, das wird schon nicht passieren', und die Augen davor zu verschließen, sei wahrscheinlich nicht die verantwortungsvollste Herangehensweise, so der Papst. Es müsse sichergestellt werden, "dass KI nicht an einen Punkt gelangt, an dem sie die Menschheit zerstören oder aus dem Diskurs verdrängen könnte".

Seit der Vorstellung seiner Enzyklika im Mai habe es viele Anfragen von Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen und Fachgebieten gegeben, erzählte der Papst. Deshalb fördere der Vatikan weiter den Dialog und die Forschung. Er sei relativ optimistisch, weil es genug interessierte Menschen gebe, die das Thema auch jenseits der Fragen nach Macht betrachten. "Aber wir müssen weiter daran arbeiten. Wir können uns nicht einfach zurücklehnen und so tun, als würde nichts passieren."

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei seiner Audienz bei Papst Leo XIV.
Bild: © picture alliance / SvenSimon-ThePresidentialOfficeU | Presidential Office of Ukraine (Archivbild)

Auf seiner "fliegenden Pressekonferenz" sprach Papst Leo XIV. sich gegen eine militärische Lösung des Ukraine-Konflikts aus. Alle Menschen hofften auf eine Stimme, die einen anderen Weg weisen könne. Diese Stimme könne die Kirche sein.

Des Weiteren sprach Papst Leo sich gegen eine militärische Lösung des Ukraine-Konflikts aus. Die Kirche müsse ihre Lehre vertreten, die gegen die Förderung von Gewalt, Hass und Waffen eintrete, so der Papst. Er beklagte, dass derzeit einige politische Führer sogar wieder von der Möglichkeit des Einsatzes atomarer Waffen sprächen, deren Einsatz enorm viele Menschenleben vernichten würde. Die Bereitschaft, immer mehr Waffen zu bauen, verstärke nur die Spannungen und könne zu weiteren Kriegen führen.

Wie sein Vorgänger Franziskus (2013–2025) sagte Leo XIV., dass an Aufrüstung letztlich nur die Waffenindustrie verdiene und dass man mit diesen Milliardengewinnen Probleme wie Hunger und Wohnungsknappheit lösen könne. Alle hofften auf eine Stimme, die einen anderen Weg weisen könne.

Diese Stimme müsse die Kirche sein, indem sie für Menschenwürde und das Lebensrecht aller eintrete, so der Papst. Sie sei es, die Russland und die Ukraine und andere Länder einlade, zusammenzukommen, einen Dialog zu beginnen und Wege zu suchen, wie die Probleme ohne Kriege gelöst werden können. "Das mag manchmal wirkungslos erscheinen, aber wir werden weiter zum Dialog einladen und das Evangelium verkünden", sagte Leo XIV. (cbr/KNA)