Glaubensevent findet in einem Jahr in Südkorea statt

Deutscher Diakon in Seoul: Weltjugendtag ist riesige Chance für alle

Fahne von Südkorea und Weltjugendtagskreuz vor dem Petersdom
Bild: KNA/Cristian Gennari/Romano Siciliani

Eine Million junge Menschen werden in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul erwartet, wenn dort zwischen dem 3. und 8. August 2027 der Weltjugendtag stattfindet. Mittedrin ist dann auch Diakon Edgar Krumpen. Er leitet die deutschsprachige Gemeinde in Seoul. Im katholisch.de-Interview spricht er darüber, wie seine Gemeinde sich auf das Großereignis vorbereitet und was der Weltjugendtag für Südkorea bedeuten könnte. 

Frage: In einem Jahr findet der Weltjugendtag in Seoul statt. Merkt man das schon in der Stadt, Diakon Edgar?

Diakon Edgar: Da muss man etwas differenzieren: In der Stadt und in einem säkularen Land wie Südkorea merkt man das so gut wie gar nicht. Sobald man aber in katholische Kreise hineinkommt, ist sehr viel davon zu spüren: An jeder Kirche gibt es Weltjugendtagslogos, an der Kathedrale gibt es große Transparente, es gibt Gottesdienste und Festivals und eine große Begeisterung.

Frage: Wie bereiten Sie sich als deutschsprachige Gemeinde auf den Weltjugendtag vor?

Diakon Edgar: Wir haben uns drei Punkte überlegt, die für uns wichtig sind: Zum einen habe ich einen Newsletter zum Weltjugendtag angelegt, der aktuell noch etwas unregelmäßig erscheint und viele Abonnenten aus dem deutschsprachigen Raum hat. In den vergangenen drei Jahren habe ich zahlreiche Anfragen organisatorischer Art bekommen, die ich nicht alle bedienen kann – gerade wenn es um Hotelbuchungen oder Reisebegleitung geht. Ich kann aber Brücken bauen und den Menschen Türen zeigen, durch die sie gehen können.

Frage: Was haben Sie noch geplant?

Diakon Edgar: Während des Weltjugendtags wollen wir eine Oase für die deutschsprachigen Menschen – aber natürlich auch andere Interessierte – sein, die eine Auszeit brauchen. Unser Gemeindesaal liegt mitten in der Stadt und das könnte eine gute Gelegenheit sein, dort etwas zu essen und zu trinken, Musik zu machen, Gespräche zu führen – oder sich einfach mal eine Stunde aufs Sofa zu legen. Außerdem haben wir eine neunteilige Videoserie auf unserem YouTube-Kanal "dkgkorea" namens "Koreatholisch" produziert, in der wir viele Aspekte zu Kirche und Korea vorstellen. Es gibt bei den ganzen Vorbereitungen aber eine Schwierigkeit.

Frage: Welche denn?

Diakon Edgar: Wir haben in der Gemeinde hier einen hochdynamischen Wechsel, daher weiß ich noch gar nicht, wie viele Menschen in einem Jahr da sein werden. Wir haben quasi keinen Sonntag, wo ich nicht neue Leute begrüße und ältere wieder verabschiede. Viele Leute sind nur für ein paar Wochen im Urlaub da oder Studierende für ein Semester. Daher kann ich vermutlich erst in einem Dreivierteljahr sicher sagen, mit wie vielen Gemeindemitgliedern ich planen kann.

Frage: Wie kann ich mir das Gemeindeleben in der deutschsprachigen Gemeinde in Seoul denn grundsätzlich vorstellen?

Diakon Edgar: Der Fixpunkt in unserem Gemeindeleben ist die heilige Messe auf Deutsch um 10 Uhr am Sonntag. Dazu kommen in der Regel koreanische Jesuiten, die in Deutschland oder Österreich studiert haben und hier jetzt als Theologieprofessoren arbeiten. Zu diesen Gottesdiensten kommen im Schnitt 40 bis 60 Menschen. Weil viele aber auch in ganz Südkorea oder der Welt unterwegs sind, streamen wir unsere Gottesdienste auch auf YouTube. Da schalten sich dann zwischen 70 und 120 Menschen dazu. Außerdem haben unsere Newsletter 450 Abonnentinnen und Abonnenten, die sich mit der Gemeinde verbunden fühlen. Der Rest passiert – typisch für Korea – sehr spontan.

Frage: Was meinen Sie damit?

Diakon Edgar: Wenn ich sonntags auf den Kalender für die kommende Woche schaue, ist der meist sehr leer. Und wenn ich dann eine Woche später zurückschaue, ist doch sehr sehr viel passiert. Das sind viele Einzelgespräche, aber ich repräsentiere auch die deutschsprachige katholische Kirche in Korea bei Empfängen mit den Botschaftern aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz etwa. Ich bekomme auch manchmal Einladungen von Universitäten, um über das Thema Diakonat zu sprechen, denn ich bin der einzige Ständige Diakon im ganzen Land. Deshalb gibt es keinen Alltag, weil jeder Tag anders ist.

Diakon Edgar Krumpen bei einer Predigt
Bild: © Privat

Er leitet die deutschsprachige Gemeinde in Seoul in Südkorea: Diakon Edgar Krumpen. In Südkorea ist das Amt des Ständigen Diakons weitgehend unbekannt. Krumpen ist nach eigenen Angaben der einzige Ständige Diakon, der dort lebt.

Frage: Sie haben vorhin schon erwähnt, dass Südkorea ein säkulares Land ist. Welche Rolle spielt die Kirche denn grundsätzlich bei Ihnen?

Diakon Edgar: Rund zwölf Prozent der Menschen hier sind Katholiken. Die katholische Kirche ist eine sehr respektierte Kirche mit einer langen Geschichte. Nach der langen Zeit der Militärdiktatur fanden 1987 die ersten freien Wahlen statt und die katholische Kirche war in diesem Prozess der Demokratisierung ein wichtiger Faktor. Schon zuvor hat die katholische Kirche zum Beispiel bei Studentenprotesten 1980, die vom Militär brutal niedergeschlagen wurden, auf der einen Seite mitdemonstriert, auf der anderen Seite aber auch Friedensgespräche angeboten und Brücken gebaut und sich um die verletzten Menschen gekümmert. Und bis heute ist die katholische Kirche hierzulande politisch aktiv. Was die katholische Kirche darüber hinaus sehr geprägt hat, sind die vier großen Verfolgungswellen im 19. Jahrhundert. Damals wurden tausende Katholiken getötet, was im Nachhinein zu einem großen Selbstbewusstsein geführt hat: Wir stehen zu unserem Glauben.

Frage: Vor welchen Herausforderungen steht die Kirche in Korea denn aktuell?

Diakon Edgar: Korea ist sehr stark von Konfuzius geprägt. Damit verbunden ist auch eine strenge Hierarchie, die in der Gesellschaft hier sehr präsent ist. Das taucht in der Sprache auf, aber auch im Umgang miteinander. Auch die katholische Kirche ist nicht frei davon. Hier wird viel Hierarchie gepflegt. Anderseits ist es eine lebendige Kirche, die sich in einem Umfeld befindet, wo Christen die Minderheit sind. Das führt immer wieder zu einem bewussten und persönlichen Glaubenszeugnis.

Frage: Was kann die Kirche in Deutschland von der Kirche in Südkorea lernen?

Diakon Edgar: Sie kann lernen von der missionarischen Dynamik und von dem Gemeinschaftssinn, mit dem hier viele koreanische Gemeinden unterwegs sind. Ich glaube, dass das eine Brücke ist, die gar nicht hoch genug geschätzt werden kann. Ich sehe das durchaus auch als eine Bereicherung für die Weltkirche.

Frage: Welche Chance liegt aus Ihrer Sicht im Weltjugendtag in Seoul?

Diakon Edgar: Die katholische Kirche in Korea lädt die ganze Welt zum Weltjugendtag ein. Es ist nach Manila 1995 überhaupt erst der zweite Weltjugendtag in Asien – und der erste in einem Land, das nicht eine europäische Sprache als Amtssprache hat. Für alle Menschen wird das eine ganz große Chance sein, sich auf das Andere, auf das Neue, auf das Fremde einzulassen. Die häufigste Frage, die mir gestellt wird, ist: Wie sollen wir das denn machen, wenn wir nur wenig Englisch können? Ich denke, wir haben genug technische Möglichkeiten, um uns zu verständigen. Und ich halte es für ein großes Abenteuer, bei dem es sich lohnt, sich darauf einzulassen.

Christoph Brüwer