Gänswein: Christliche Strategien verleiten zu Fundamentalismus
Strategien von Christen in nachchristlichen Gesellschaften sind nach Aussage von Kurienerzbischof Georg Gänswein "weder notwendig noch opportun". Diese führten nur in Fundamentalismen, sagte Gänswein im Interview der Zeitung "Il Giornale" (Dienstag). "Wer den Glauben intelligent, überzeugend und mit einem Schuss Humor lebt, ist ein 'schweigsamer', aber sehr wirksamer Zeuge", so der Privatsekretär des früheren Papstes Benedikt XVI.
Gefragt nach christlichen Werten in der Politik, verwies Gänswein auf Paul VI., der Politik als höchste Form der Nächstenliebe bezeichnet hatte. Gleichzeitig, so der Erzbischof, "ist die Politik für Christen ein vermintes Feld". Es gebe "keine christliche Politik", allenfalls Frauen und Männer, die christliche Werte, Überzeugungen und ihren Glauben in die Politik einbringen.
Politik aus christlicher Überzeugung
Politik aus christlicher Überzeugung sei "die empfehlenswerteste und wünschenswerteste Form" für heute. Dies gelte für alle Felder: Wirtschaft, Finanzen, Kultur, Soziales, Sport. Auf aktuell kontroverse Themen wie Migration, Gesundheitspolitik, Lebensschutz oder Gender gingen weder Gänswein noch der Interviewer ein.
Stattdessen verwies Gänswein auf das christlich-jüdische Fundament Europas und des modernen Freiheitsgedankens. Der Glaubenskern, dass der Mensch das Ebenbild Gottes ist, sei die Grundlage für "Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit, Toleranz, Solidarität und Respekt".
Allerdings stellt sich nach Aussage des Erzbischofs in aktuellen gesellschaftlichen Debatten die Frage, welche Werte denn noch als unverhandelbar gelten. Deswegen komme es darauf an, "mit und für" solche aus christlicher Sicht fundamentalen Werte zu leben, sie praktisch anzuwenden und umzusetzen. (KNA)