Kirchen fördern kindgerechtere KI und fordern stärkere Regulierung
Die evangelische und die katholische Kirche wollen zusammen mit dem Verein Seitenstark Kinder für eine zunehmend von KI geprägte Welt stärken. Mit ihrer Initiative "KI kindgerecht! – für geschützte Teilhabe im Verantwortungsnetzwerk" reagieren sie auf 56 Handlungsempfehlungen der Unabhängigen Expertenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt".
Ziel sei es, wie Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Mittwoch erklärten, Kindern nicht nur Schutz vor Risiken zu bieten, sondern auch Zugang zu gewähren zu guten digitalen Angeboten, Begleitung und Befähigung.
Verhaltenscode für kindgerechte interaktive KI
Die Initiative will zum einen mit anderen Experten verschiedener Fachrichtungen einen Verhaltenscode für kindgerechte interaktive KI entwickeln. Darauf aufbauend sollen praxistaugliche Qualitätsstandards für gute und kindgerechte KI-Systeme entstehen – als Orientierungsrahmen für Entwickler, Anbieter und Bildungseinrichtungen.
Darüber hinaus fordert die Initiative eine stärkere gesetzliche Regulierung, um Anbieter zur Einhaltung kindgerechter Standards zu verpflichten. Auch müsse Medienbildung finanziell gestärkt werden, damit Kinder, Eltern und pädagogische Fachkräfte die notwendigen Kompetenzen für einen souveränen Umgang mit KI erwerben können.
Bischof Bätzing: Nicht nur Eltern gefragt
"Im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz müssen wir die Würde des Menschen verteidigen – besonders dort, wo Kinder leicht Gefahren ausgesetzt sind", betonte der katholische Medienbischof Georg Bätzing. Die Initiative setze hier an, verbinde Schutz, Teilhabe und Verantwortung und mache deutlich, dass digitale Räume dem Wohl des Kindes dienen müssten.
"Verantwortung darf dabei nicht allein auf Eltern abgewälzt werden", fügte Bätzing hinzu. Gefordert seien Anbieter, Politik, Bildungseinrichtungen und Familien gemeinsam: "Gerade weil wir um die Verletzlichkeit von Kindern wissen, sehen wir uns in der Pflicht, Anwaltschaft für diese schutzbedürftige Gruppe zu übernehmen – auch im digitalen Raum. Technologie muss dem Menschen dienen, nicht rein ökonomischen Interessen."
Offen für weitere Akteure
Der Verein Seitenstark e. V. engagiert sich seit 2007 für die Umsetzung von Kinderrechten im digitalen Raum. Seit 2022 verleiht er das "Seitenstark-Gütesiegel" an hochwertige digitale Kindermedien. Dem offenen Netzwerk "KI kindgerecht!" können sich nach Aussage der Organisatoren auch andere Einrichtungen, Verbände und Institutionen anschließen.