Bischof Jung lehnt Abschaffung des Zölibats ab
Der Würzburger Bischof Franz Jung lehnt eine Abschaffung des Zölibats als Konsequenz aus der Missbrauchsstudie der deutschen Bischöfe ab. Die Verpflichtung zu einem enthaltsamen Leben könne mit sich bringen, "dass man sich nicht ausreichend mit der eigenen Sexualität auseinandersetzt und ein reifer Umgang mit der eigenen Sexualität verhindert wird", sagte Jung am Samstag in Würzburg. Zölibatär Lebende seien jedoch stets neu gefordert, sich in ihrer gesamten menschlichen Entwicklung begleiten zu lassen.
Die Lebensform Jesu
Der Zölibat sei die Lebensform Jesu, betonte Jung. "Er macht deutlich, dass der geweihte Mensch in dieser Welt nicht aufgeht, sondern auf eine Vollendung hofft, die nur Gott allein geben kann, auf den hin unser Leben ausgerichtet ist."
Der Bischof äußerte sich bei der Weihe eines Priesteramtskandidaten zum Diakon. Der 31-Jährige verpflichtete sich mit der Weihe zu einem ehelosen Leben. Das in die Hand des Bischofs gegebene Versprechen sei Ausdruck der Liebe zur Kirche und der Bereitschaft, die ganze Kraft in den Dienst der Kirche zu stellen, sagte Jung.
Andere deutsche Oberhirten hatten Offenheit für eine Debatte über den Zölibat signalisiert. "Dass es in Zukunft andere Zugangsformen (zum Priesteramt) geben wird, wenn auch vielleicht nicht flächendeckend, da bin ich mir ziemlich sicher", sagte etwa der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf in einem Streitgespräch mit der Journalistin Christiane Florin in der "Herder Korrespondenz". Bereits jetzt gebe es verheiratete Priester, etwa in den katholischen Ostkirchen. Er selbst werde noch 25 Jahre Bischof sein. "Ich glaube nicht, dass wir in dieser Zeit noch den Kopf in den Sand stecken können und sagen: Wir sitzen das Thema aus." (tmg/KNA)