Peter Kohlgraf ist der ernannte Bischof von Mainz.
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Mainzer Oberhirte über Weihe und Macht

Bischof Kohlgraf offen für Debatte über Zölibat

Die Zugangsbedingungen zum Priesteramt werden sich in den nächsten Jahren ändern, glaubt der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf. Dennoch wehrt er sich gegen den Vorwurf, dass es beim Zölibat um Macht geht.

Freiburg - 09.04.2018

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat sich offen für eine Debatte über den Zölibat katholischer Priester gezeigt. "Dass es in Zukunft andere Zugangsformen geben wird, wenn auch vielleicht nicht flächendeckend, da bin ich mir ziemlich sicher", sagte Kohlgraf in einem Streitgespräch mit der Journalistin Christiane Florin in der neuen "Herder Korrespondenz". Bereits jetzt gebe es verheiratete Priester, etwa in den katholischen Ostkirchen. Er selbst werde noch 25 Jahre Bischof sein. "Ich glaube nicht, dass wir in dieser Zeit noch den Kopf in den Sand stecken können und sagen: Wir sitzen das Thema aus."

Andererseits, so der Bischof weiter, würde eine Lockerung des Zölibats keineswegs automatisch die aktuellen Probleme des Priestermangels in der katholischen Kirche lösen. Auch der Behauptung, dass der Zölibat vor allem ein Machtmittel sei, trat Kohlgraf entgegen. "Wenn ich in meinem Bistum verheiratete Priester hätte, könnte ich auch deren Ehesituation als Machtmittel benutzen", sagt er. Sobald man Dienstvorgesetzter sei, könne alles als Machtinstrument verwendet werden. Er würde jedoch nie auf die Idee kommen, einen seiner Priester zu erpressen, weil dieser Schwierigkeiten mit dem Zölibat hätte. "Ich würde doch zunächst einmal versuchen ihm zu helfen, seine Lebenssituation zu reflektieren", so Kohlgraf. Für ihn selbst sei der Zölibat in erster Linie "eine Form, in der Kirche meine Gottesliebe und Christusnachfolge zu leben".

Auch glaubt Kohlgraf nicht, dass die katholische Kirche komplett ohne geweihte Priester auskommen könnte. "Der geweihte Priester soll garantieren, dass Christus in der Kirche und in der Gemeinde sakramental gegenwärtig ist", sagte er. So könne man sich nicht selbst die Sünden vergeben oder die Taufe spenden. Zwar könnten manche Sakramente in besonderen Situationen auch durch Laien gespendet werden. "Aber insgesamt steht für diese sakramentale Dimension, für diese Dimension der Vermittlung, der Priester", so der Bischof. Was sich dagegen geändert habe, sei der Gedanke, dass der Priester einen engeren Draht zu Gott habe. Davon sei man "theologisch eigentlich weg". (bod)