Bischof Meier vermisst "Tugend der Diskretion" beim Synodalen Weg
Der Augsburger Bischof Bertram Meier hält das Zuhören und Schweigen-Können für wichtig für den Synodalen Weg. Mit Blick auf das aktuelle Reformprojekt der katholischen Kirche in Deutschland sagte Meier am Freitag: "Gerade im Hinblick auf den Synodalen Weg, auf dem wir uns in Deutschland befinden, wird es wichtig sein, einander wohlwollend zuzuhören, einander mit den jeweiligen Wünschen und Sorgen anzuhören und vor allem unser Ohr dem Wort Gottes zuzuneigen." Meier verwies zudem auf die "Tugend der Diskretion". Er erklärte: "Beratung macht nur Sinn, wenn sie sich paart mit Verschwiegenheit. Die lässt mitunter sehr zu wünschen übrig."
Der Bischof äußerte sich in Seeg im Ostallgäu. In der dortigen Pfarrkirche Sankt Ulrich findet bis Juni 2023 an jedem letzten Freitag im Monat eine Messe statt. Meier zelebrierte nun die erste Feier in diesem Rahmen. Die Reihe ist als geistliche Vorbereitung auf das bevorstehende Ulrichsjubiläum in den kommenden beiden Jahren gedacht. Das Bistum Augsburg feiert gleich zwei Jubiläen: den 1.100. Jahrestag der Bischofsweihe des heiligen Ulrich sowie dessen 1.050. Todestag.
Meier ergänzte: "Synodale Kirche fängt dort an, wo wir wieder anfangen, einander das Ohr zu schenken – nicht um uns zu belauschen oder auszuhören, geschweige denn uns gegenseitig zu verhören, sondern damit wir uns im Hören bestärken und trösten." Ohne engagierte Frauen und Männer, die ihm auf Augenhöhe begegneten, könne er seinen Dienst als Oberhirte nicht tun, so Meier weiter. "Ich bitte aber auch um Verständnis, dass ich mir nicht alles, was mir gesagt und geraten wird, zu eigen machen kann. Ein Bischof hört viel, aber die erste Instanz, deren Stimme bei seinen Entscheiden Gewicht haben muss, sind das Wort Gottes und das Gewissen, das ihm eingepflanzt ist." (KNA)