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Kirchengebäude als öffentliche Räume

Für längere Öffnungszeiten: Per QR-Code in die Kirche?

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Eine Frau lehnt sich an eine Kirchentür
Bonn - Für manche sei eine verschlossene Kirche schlimmer als ein verschlossenes Klo, hat der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch einmal gesagt. Wegen Vandalismus und Personalmangel ist es aber gerade bei kleineren Kirchen immer schwerer, die Öffnungszeiten zu halten. Immerhin gibt es kreative Versuche, gegenzusteuern.

Anlässe, auch außerhalb von Gottesdiensten in eine Kirche zu gehen, gibt es viele: Manche Menschen suchen Ruhe vor der Hektik draußen oder sind als Touristen an der Architektur interessiert, andere möchten beten oder brauchen nach einer schlechten Nachricht einen Rückzugsort. Doch zu gewährleisten, dass die Gebäude auch offen sind, scheint vielen Gemeinden und Kirchenverwaltungen immer schwerer zu fallen. Es häufen sich Berichte, dass Menschen vor verschlossenen Türen stehen.

Verstärkter Vandalismus

Michael Dörnemann kennt solche Beschwerden. Er ist Leiter des Dezernats Pastoral in der Diözese Essen. "Gerade in den Städten werden die Öffnungszeiten von Kirchen tatsächlich immer mehr eingeschränkt", sagt er. Bei den zentralen Kirchen in Stadtzentren sei der Effekt zwar noch nicht so stark, aber viele Stadtteilkirchen seien schlicht zu. Wie im Ruhrbistum sieht es auch in vielen anderen deutschen Diözesen aus.

Vor allem zwei Gründe werden häufig als Ursache für eingeschränkte Öffnungszeiten genannt: es gibt an vielen Orten nicht genug Ehrenamtliche, die in der Kirche nach dem Rechten schauen. Zudem grassiert die Angst vor Vandalismus. Wände werden beschmiert, Kirchenbänke umgeworfen, Opferstöcke in Brand gesetzt, Kunstgegenstände gestohlen.

Ein umgestoßener Opferstock in der Abtei St. Matthias in Trier.
Immer wieder gibt es Meldungen über Vandalismus - wie hier im Dezember 2018 in der Abtei St. Matthias in Trier, als der Opferstock umgeworfen wurde.

Dabei haben die Gebäude religiös wie kulturell eine wichtige Funktion. "In vielen Dörfern sind der Supermarkt, das Postamt und das letzte Gasthaus längst geschlossen; die Kirche ist der einzige Identifikationsort, der noch bleibt", sagt Jesuitenpater Eckhard Frick. Er ist Professor an der Hochschule für Philosophie in München und hat vor einigen Jahren ein Buch über "Kirchenbauten in der Gegenwart" mit herausgegeben. "Wenn dann auch noch die Kirchen geschlossen sind, wird das als großer Verlust empfunden."

Michael Dörnemann begegnet die Thematik sogar manchmal bei Kirchenaustritten: 'Da wäre es mir einmal wichtig gewesen, in die Kirche zu gehen und dann war sie zu', lautet in solchen Fällen das Argument. Dörnemann zitiert den 2005 gestorbenen Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch, der einmal gesagt haben soll, eine verschlossene Kirche sei für viele Menschen schlimmer als ein verschlossenes Klo. Und auch der Theologe findet, dass verschlossene Gotteshäuser eigentlich im Widerspruch zu Universalität der katholischen Kirche stünden: "Sie sind Orte der Gotteserfahrung, hier manifestiert sich der Glaube — und das sollte idealerweise immer erfahrbar sein."

Daher wird innerhalb der Kirche auch nach Ideen gesucht, wie trotz der erschwerten Bedingungen möglichst viele Kirchen weiter offengehalten werden können. Eine ausgefeilte Strategie gibt es noch nicht — dafür aber viele einzelne Ideen. Im Bistum Essen etwa gab es vor Weihnachten das Projekt "Offene Kirchen im Advent", an dem sich 36 der 42 Pfarreien des kleinen Bistums beteiligten. Manche Kirchen hatten stundenweise geöffnet, andere tagesweise — und manche auch ganztätig. "Wir haben sehr viele positive Rückmeldungen bekommen. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, dem Trubel der Weihnachtsmärkte zu entgehen", erklärt Dörnemann. Nun wird überlegt, ob das Projekt bei anderen Gelegenheiten fortgesetzt werden kann.

Auch, vor dem Altarraum ein Gitter oder eine Glaswand einzuziehen, kann eine Möglichkeit sein, damit Kirchen ohne Aufsicht geöffnet haben können. Sie funktionieren als "Werktagskapellen" schon seit langem in vielen Kirchen. Altar und Kunstgegenstände, werden geschützt, gleichzeitig können Besucher die Schönheit des Kirchenraums erfahren.

Eckhard Frick regt außerdem an, auch mit Gruppen außerhalb der Kirche zusammenzuarbeiten. "Es gibt Initiativen im kulturell-säkularen Bereich, die sich sehr dafür einsetzen, dass die Kirche im Dorf bleibt - und natürlich auch in der Stadt", sagt er. "Unabhängig von den Eigentumsverhältnissen: Kirchen gehören allen, sind öffentliche Räume, die viele Menschen aufsuchen". So gibt es beispielsweise die Initiative "Förderkries Alte Kirchen Berlin-Brandenburg", der sich seit 30 Jahren für die Instandsetzung von Kirchen in seinem Verbreitungsgebiet einsetzt.

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In Zukunft könnte aber auch die moderne Technik ihren Teil beitragen, um Besuchern den Zugang zu Kirchen ermöglichen. Eine solche Lösung hat die evangelische Kirche für St. Peter und Paul auf Nikolskoe in Berlin-Wannsee im Blick. Als Teil eines Pilotprojekts "digitale Kirche" könnte an dem Gebäude ein QR-Code-Scanner angebracht werden, berichtet Alice von Podbielski-Stellpflug, die Vorsitzende des Verwaltungsgremiums für das Gotteshaus. Damit könnten Besucher dann ähnlich wie beim Online-Banking eine Zahlenkombination auf ihr Handy bekommen, mit der sie für kurze Zeit die Kirche betreten könnten. Um Vandalismus auszuschließen, ist auch eine Art Identifikationsverfahren angedacht, damit nachvollzogen werden kann, wer wann das Gebäude besucht.

Denkmalschutz muss berücksichtigt werden

Doch noch ist das alles Zukunftsmusik: Gerade wird die Kirche renoviert und eine neue Heizungsanlage installiert. Auch der Denkmalschutz spielt eine Rolle, wie von Podbielski-Stellpflug berichtet. "Nicht in jede Wand kann man einfach so bohren, um technische Geräte daran zu installieren." Bis all diese Fragen geklärt sind, müssen sich wohl noch viele Besucher damit begnügen, Kirchen von außen anzuschauen.

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