Herzlich willkommen! Ein Priester lädt in die Kirche ein.
So wirkt Ihre Kirchengemeinde gleich viel freundlicher

Mehr Service! 10 Tipps für die Kirche vor Ort

Wer sich willkommen fühlt, kommt gerne wieder. katholisch.de stellt zehn Möglichkeiten vor, eine attraktive Willkommenskultur in Ihrer Kirchengemeinde vor Ort zu fördern und mehr Service anzubieten.

Von Madeleine Spendier |  Bonn - 20.11.2018

#1 Herzlich willkommen!

In manchen Gemeinden ist es mittlerweile selbstverständlich, Gottesdienstbesucher an der Kirchentür zu begrüßen und auch mit Händedruck zu verabschieden. Diesen Dienst können ein Seelsorger, Laien oder auch Ehrenamtliche übernehmen. Manche Gemeinden haben sogar ein eigenes Begrüßungsteam, das Gesangbücher, Liedzettel oder Pfarrblätter vor der Messe verteilt. Schön ist es, wenn die Ehrenamtlichen über die Gemeinde auskunftsfähig und mit Namensschildern ansprechbar sind. Ältere Menschen freuen sich bestimmt über solche Kontaktmöglichkeiten. Andere fühlen sich dadurch vielleicht belästigt. Daher sollte die Kontaktaufnahme keineswegs aufdringlich, sondern sensibel sein. Solch eine freundliche Willkommenskultur könnte sich auch in der Gottesdienstgestaltung fortsetzen. Zu Beginn oder am Ende der Messe werden engagierte Ehrenamtliche namentlich erwähnt, die Kirchenmusiker und Lektoren gelobt, den Ministranten für ihren Dienst gedankt sowie für Verstorbene aus der Gemeinde gebetet. Das ist Wertschätzung pur!

#2 Besucht einander!

Einander zu besuchen zählt zu den sieben Werken der Barmherzigkeit. Nicht nur in schweren Zeiten, wenn jemand krank wird oder einen Trauerfall in der Familie hat, sondern auch zu schönen Ereignissen wie zum runden Geburtstag oder zu besonderen Jubiläen sollte man einander besuchen. So kann man als Kirche ein freundliches Gesicht zeigen und der Einsamkeit entgegenwirken. Eventuell könnte man Besuchsteams für Seniorenheime, Krankenhäuser, Gefängnisse oder einfach für die eigene Wohnstraße organisieren. Jedem fällt bestimmt eine Person ein, die sich über einen Besuch freuen würde. Aus Datenschutzgründen kann es sinnvoll sein, so einen Besuchswunsch vorab anzumelden. Das gilt auch für den Besuch von Sternsinger und Nikolaus zu Hause. Wer einen Besuch macht, sollte sein Gegenüber nicht neugierig ausfragen, sondern ehrliches Interesse zeigen und aufmerksam zuhören. Ein schöner Brauch ist es auch, Neuzugezogene mit Brot und Salz zu begrüßen. Es gibt auch Gemeinden, die einen wöchentlichen Treff organisieren, wo sie über mögliche Ehrenämter in der Gemeinde informieren, Stadtführungen anbieten und gemeinsame Aktivitäten planen.

Zwei ältere Paare (m/w) stoßen in einer Küche mit Weißwein an.

Zwei befreundete Paare stoßen miteinander an.

#3 Für ältere Menschen

Oft zeigt sich die Lebendigkeit einer Gemeinde im Umgang mit älteren Menschen. Damit mobilitätseingeschränkte Menschen auch Gottesdienste oder Gemeindeaktionen besuchen können, können etwa Fahrdienste gebildet werden. Ein Hol- und Bringservice also von denen, die ohnehin auf derselben Strecke unterwegs sind: schön, wenn man dabei generationenübergreifend ins Gespräch kommt. Vielleicht erfährt man so mehr aus dem Leben eines älteren Menschen und kann auch mal einen Besuch anbieten oder überlegen, ein Seniorencafé oder anderes einzurichten. Oder man überlegt gemeinsam, wie sich Ältere sinnvoll ins Gemeindeleben einbringen können. Als Oma-Babysitter etwa oder als Vorleser im Kindergarten? Man könnte auch am Gemeindefest eine Talente-Tauschbörse organisieren, um sich gegenseitig mehr im Alltag zu unterstützen.  

#4 Für die Familien

Schön, wenn eine Gemeinde ein familienfreundliches Gesicht zeigt und Angebote für Familien mit und ohne Kinder anbietet. Gibt es Familiengottesdienste in Ihrer Gemeinde? Laden Sie bewusst dazu ein! Die Anwesenheit von Kindern ist ein Geschenk, auch im Gottesdienst. Ermutigen Sie die Eltern daher mit einem Lächeln dabei zu sein und es auch zu bleiben. Strafen sie nicht mit Blicken, wenn der Gottesdienst mit Kindern lebendiger wird. Halten Sie in der Kirche Kinderbücher bereit und gestalten Sie eine Krabbelecke mit Spielsachen. Behalten Sie bei Ihren Angeboten auch andere Familienmodelle im Blick. Auch sie sind dazu eingeladen. Nach dem Gottesdienst gibt es Saft oder Tee für alle. Das wäre eine Möglichkeit, noch eine Weile zusammen zu bleiben und sich auszutauschen. Vielleicht lassen sich auch so gemeinsame Aktivitäten in Väter- oder Müttergruppen planen und ein Babysitterdienst für Abendveranstaltungen in der Gemeinde organisieren. Noch etwas: Gibt es bereits Wickeltische auf der Toilette in Ihrer Kirchengemeinde?  

Glastür, Schriftzug "You're welcome"

Auf einer Glastür steht der Schriftzug "You're welcome" (Ihr seid willkommen) geschrieben.

#5 Für Jugendliche

Vor allem junge Menschen sollen sich in der Kirche willkommen fühlen. Dazu braucht es eigene Räume und Zeiten. Bitte keine ausgemusterten Möbelecken in dunklen Kellerräumen dafür bereitstellen. Auch im Gottesdienst sollen Jugendliche in ihren verschiedenen Ämtern und Aufgaben präsent und gewürdigt werden. Sie sollen ihre eigenen Ideen und Projekte vorstellen und ausprobieren können. Oft sind Kirchengemeinden auch Talenteschmieden für das spätere Berufsleben. Bieten Sie auch Weiterbildungsmöglichkeiten an! Wichtig ist zu beachten: Für spirituelle Angebote oder Ausflüge mit jungen Leuten braucht es feste Ansprechpartner, die durch Anwesenheit glänzen. Eine Pizza für alle zu bestellen, reicht da nicht aus. Jugendliche suchen Vorbilder, die sie ernst nehmen und auch Grenzen aufzeigen können. Organisieren Sie Kochabende für junge Erwachsene, gestalten Sie Taizé-Gebete oder stellen Sie eine Musikgruppe zusammen. Oft wissen Jugendliche selbst ganz genau, was sie möchten und was nicht. Fragen Sie nach und machen Sie Mut für Neues!  

#6 Offene Kirche sein

Auch wenn die Angst vor Vandalismus groß ist: Geschlossene Kirchenräume sind nicht einladend! Die Sehnsucht der Menschen nach einem Ort der Stille und Besinnung ist groß. Wer im Kirchenraum Fürbittbücher auslegt, einen Kerzentisch anbietet oder Gebetskärtchen auslegt, weiß das. Vielleicht kann man sich als Kirchengemeinde auch auf besondere Öffnungszeiten im Advent oder in der Fastenzeit einigen? Manchmal sind auch der Pfarrer, Seelsorger oder Ehrenamtliche dazu bereit, sich für ein oder mehr Stunden pro Woche in die Kirche zu setzen, um ansprechbar zu sein und weiterhelfen zu können. Manche Kirchengemeinden bieten einmal im Monat nach dem Sonntagsgottesdienst ein Kirchencafé mit selbstgebackenem Kuchen an. Auch das ist eine gute Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Kirche sollte schließlich auch ein Wohlfühlort sein. Zu überlegen ist auch, ob man nicht zu besonderen Anlässen Angebote für Menschen macht, die der Kirche fern stehen, sich enttäuscht abgewandt haben oder einer anderen Glaubensgemeinschaft angehören. Es würde echte Gastfreundschaft bedeuten, alle willkommen zu heißen.   

#7 Feste feiern

Feste feiern können Christen! Aber fühlen sich dabei auch andere dazu eingeladen? Was ist das Besondere an Ihrem Gemeindefest? Was können Gäste von Ihrer Gemeinde dadurch erfahren? Feiern Sie ökumenisch? Haben Sie auch Kooperationspartner eingeladen und selbst die Kunden der Tafel mit kostenlosen Essensgutscheinen mitbedacht? Fürs gemeinsame Feiern gibt es viele Anlässe. Manche Gemeinden begrüßen neugeborene Babys und ihre Familien mit einem eigenen Segensgottesdienst und verschenken Segenskarten. Manchmal gibt es in der Kirchengemeinde sogar ein eigenes Glockenläuten für jedes neugeborene Kind, zu dem man sich im Pfarrbüro anmelden kann. Darüber hinaus gibt es Segensfeiern für Schwangere oder für Verliebte am Valentinstag. Auch hier kann ein kleiner Empfang im Anschluss daran zu einer gastfreundlichen Atmosphäre beitragen. Auch bei Hochzeiten, Taufen, Ehejubiläen, Krippenspielen oder an Weihnachten kann vor Beginn der Messfeier eine Person aus dem Seelsorgeteam mit einem Mikrofon durch die Kirche gehen und die Gäste begrüßen, Wissenswertes zur Gemeinde sagen, ein paar Lieder einstudieren und damit eine herzliche Stimmung verbreiten. Schön, wenn auch während des Gottesdienstes einzelne Elemente erklärt  werden, damit auch die, die sich nicht so gut auskennen, gut mitfeiern können.

Wegweiser zum Pfarrbüro

Ein Wegweiser zum Pfarrbüro.

#8 Gemeindebüro

Viele Pfarrbüros reduzieren Personal und bieten nur unzureichende Präsenzzeiten an. Hier kann nachgebessert werden, denn oft ist das Pfarrbüro der erste Kontakt von Menschen zur Kirche. Ehrenamtliche, die gut kommunizieren können, könnten Anrufe entgegennehmen. Wichtig ist, dass die einzelnen Anliegen verlässlich weitergegeben werden.  Eine schöne Idee sind auch mobile Gemeindebüros. Software, Speicherplatz und Daten könnten in einer Cloud-Lösung einheitlich abgespeichert werden und sind so für jeden Mitarbeiter überall verfügbar. Dies ermöglicht einen besseren Service. Schließlich sind die modernen Medien auch in der Kirchengemeinde angekommen! Eine freundliche Stimme am Anrufbeantworter ist gut, aber warum auch nicht die Chatmöglichkeiten über Apps oder Facebook nutzen? Ehrenamtliche können sich über Whatsapp-Gruppen organisieren, ebenso Erstkommuniongruppen und Katecheseteams. Freundliche Atmosphäre verbreitet man auch, wenn es einen Kaffeeautomaten im Pfarrbüro gibt, als Ort des Austausches und der Begegnung. Wichtig ist, aufgeräumt wird dann auch wieder gemeinsam.  

#9 Webseite aktuell?

Die Internetseite der Kirchengemeinde ist die Visitenkarte nach außen! Überprüfen Sie daher regelmäßig, ob die genannten Ansprechpersonen und die dazugehörigen Kontakte noch aktuell sind. Achten Sie bitte auch auf ansprechende Bilder! Beachten Sie dabei die Datenschutzrichtlinien und holen Sie schriftliche Genehmigungen dafür ein. Auch die Ausschilderungen im Schaukasten sollten ordentlich gestaltet sein. Vielleicht gibt es sogar ein eigenes Team dafür?

Ein freundliches Gesicht auf einer Cafétasse.

#10 Feedback

Führen Sie eine Feedbackkultur ein! Schließlich wollen Sie auch von Rückmeldungen lernen. Dafür gibt es einige Möglichkeiten mit wenig Aufwand: Vielleicht reservieren Sie im Gemeindehaus ein eigenes Postfach dafür oder stellen eine Feedback-Box auf, in der man anonym Wünsche, Anregungen und Kritik äußern kann. Natürlich Stift und Papier bereitlegen oder das ganze online ermöglichen. Damit zeigen Sie auch, wie ernst Sie es mit der Willkommenskultur in Ihrer Gemeinde meinen. Sie werden sehen, es lohnt sich!

Von Madeleine Spendier