Johannes-Dyba-Allee in Fulda behält ihren Namen
Ein Anlauf zur Umbenennung der Johannes-Dyba-Allee in Fulda ist gescheitert. Die Stadtverordnetenversammlung der hessischen Kommune lehnte den Antrag am Montagabend nach mehr als zweistündiger Debatte mit 33 zu 23 Stimmen ab, wie eine Sprecherin der Stadt mitteilte. Das Vorhaben hatte bereits vor einer Woche im Fuldaer Haupt- und Finanzausschuss keine Mehrheit erreicht.
Nach der Entscheidung gegen eine Umbenennung äußerten sich Betroffene von sexuellem Missbrauch im kirchlichen Bereich enttäuscht. Das Votum der Stadtverordneten sei auch deshalb schwer nachvollziehbar, "weil die entscheidende Frage letztlich weniger lautete, welche Verantwortung Erzbischof Dyba während seiner Amtszeit im Umgang mit Betroffenen und Beschuldigten trug, sondern ob ihm ein persönliches, möglicherweise sogar strafrechtlich relevantes Fehlverhalten nachgewiesen werden kann", teilte der gemeinsame Betroffenenbeirat der Diözesen Fulda und Limburg am Dienstag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit.
Für Betroffene sei die Entscheidung "auch auf einer anderen Ebene bitter", so der Beirat weiter. "Viele von ihnen kennen aus ihrer eigenen Geschichte das Muster, dass angesehene kirchliche Persönlichkeiten und ihr Ansehen geschützt wurden, während die Perspektive der Betroffenen und die Frage nach Verantwortung in den Hintergrund traten." Die Entscheidung vom Montag könne deshalb bei Betroffenen Erfahrungen wachrufen, die weit über die Frage nach einem Straßennamen hinausgingen.
Auch Bistum äußert sich
Der Beirat hatte zuletzt an die Lokalpolitik appelliert, für eine Umbenennung der Allee zu stimmen, die ihren Namen von dem verstorbenen Erzbischof (1929–2000) hat und in der Fuldaer Innenstadt nahe dem Dom liegt. Hintergrund sei die Verantwortung von Johannes Dyba im Umgang mit sexualisierter Gewalt in seiner Amtszeit als Bischof, hatte der Beirat erklärt. "Wegschauen ist nicht neutral. Sexueller Missbrauch kann und konnte über Jahrzehnte auch deshalb fortbestehen, weil Verantwortliche nicht eingegriffen, Betroffene nicht ausreichend geschützt und institutionelle Interessen priorisiert haben."
Das Bistum Fulda bekannte sich am Tag nach der Abstimmung dazu, "angesichts der bitteren Geschehnisse unter kirchlicher Verantwortung in der Vergangenheit" weiterhin seiner Verpflichtung nachzukommen, Missbrauch entgegenzutreten. Man werde mit entschlossenen und gezielten Maßnahmen zur Prävention und Intervention alles zu tun, damit Kirche ein sicherer Ort sei, an dem es keinen Raum für sexualisierte Gewalt gibt, teilte das Bistum zur Entscheidung mit.
Dem vor mehr als 25 Jahren verstorbenen Erzbischof wird vorgeworfen, Hinweisen auf sexualisierte Gewalt und Missbrauch durch Priester nicht nachgegangen zu sein. Dies geht aus einem im Juni 2025 veröffentlichten Bericht einer unabhängigen Kommission hervor. Die SPD hatte im Fuldaer Stadtparlament deshalb die Umbenennung der nach Dyba benannten Allee in Kastanienallee beantragt – so wie die rund 150 Meter lange Straße am Domplatz bis zum Jahr 2000 hieß. (tmg/KNA)
8.9., 15 Uhr: Ergänzt um Reaktionen von Betroffenenbeirat und Bistum.