Kolpingwerk im Bistum Münster sucht Hinweise zu Missbrauch
Das katholische Kolpingwerk im Bistum Münster ruft seine Mitglieder auf, Hinweise auf früheren oder aktuellen Missbrauch zu melden. Das Schweigen von Laien auch in den katholischen Verbänden habe Missbrauchstaten durch Geistliche ermöglicht, teilte das Kolpingwerk am Dienstag mit. Nur wenn Wissen aus der Vergangenheit offenbart werde, könne Betroffenen endlich Gerechtigkeit zugesprochen werden.
Kurz nach der Veröffentlichung einer Missbrauchsstudie für das Bistum Münster im Juni hatte der Verband bereits angekündigt, den eigenen Umgang mit einem früheren Missbrauchsbeschuldigten aufzuarbeiten. In der Untersuchung der Universität Münster wird unter anderem der Fall eines inzwischen verstorbenen Priesters beschrieben, der Ende der 1960er-Jahre und Anfang der 1970er-Jahre in hoher Position für das Kolpingwerk tätig war. Während dieser Zeit soll er sich – wie bereits zuvor und auch später noch – an Minderjährigen vergangen haben.
Die Münsteraner Studie belastet alle Diözesanbischöfe seit 1945 im Hinblick auf ihren Umgang mit sexualisierter Gewalt. Erst in der Amtszeit Bischof Felix Genns Genns (ab 2009) sei es zu einem Umdenken gekommen. Insgesamt wurden 196 Geistliche beschuldigt, davon 183 Priester, ein Diakon und zwölf Ordensbrüder. Die Studie konnte 610 Betroffene ermitteln. Die Forscher vermuten aber ein Dunkelfeld, das acht- bis zehnmal höher liegt. Nach Veröffentlichung der Untersuchung gab Genn einen Maßnahmenkatalog bekannt, um Missbrauch im Bistum Münster künftig zu verhindern. (mal/KNA)