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Über Kind und Familie im Geschenkewahn

Wenn der Nikolaus neunmal kommt

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Bonn - Geschenke gehören zu Nikolaus und Weihnachten dazu - daran lässt sich nicht rütteln. Manchmal kann daraus ein Geschenkewahnsinn entstehen. Da freut es Kinder, wenn der Nikolaus nicht nur einmal kommt.

Weihnachten ist ein erfolgreiches Konzept und wer Erfolg hat, erntet auch Kritik. Zu hektisch, zu kitschig, zu oberflächlich sei das Fest der Feste, verkommen zu einer einzigen Konsumschlacht. Das stimmt und das sollte so nicht sein. Aber ändern wird sich daran in absehbarer Zeit nichts. Auch nicht bei uns auf dem Land, wo die Shoppingtempel fern sind. Dafür fahren die Gabenbringer in gelben, braunen oder weißen Kastenwagen von Haus zu Haus.

Meine Tochter ist fünf. Vor zwei Jahren spielten Geschenke zu Weihnachten noch kaum eine Rolle. Schnee war viel wichtiger. Heute bemüht sie sich nach Kräften noch an Nikolaus, Weihnachtsmann oder das Christkind zu glauben. Am liebsten an alle drei und dazu noch an den Gabenengel, die Weihnachtselfen, Väterchen Frost und die Hexe Befana. Ganz nach dem Motto: Viel hilft viel. Dieses Sicherheitsdenken zeigt sich auch beim Wunschzettel, den sie mir mit der Anrede "Liebes Christkind, ich wünsche mir vom Weihnachtsmann…" diktiert.

Bei Geschenken reden die Verwandten mit

Nun könnte man meinen, wir würden unser Kind darben lassen, es bekäme nie und nimmer etwas geschenkt und müsse sich aus Baumrinde und Altpapier ihr Spielzeug selber bauen. Wenn es nach meinem Mann ginge, wären wir bereits auf diesem guten Weg. Allerdings geht es in diesem Fall nicht nach meinem Mann, sondern nach Opas und Omas, Tanten und Onkeln, Paten, Freunden von Paten und den mannigfaltigen Gabengebern, die einem derzeit in Geschäften, auf Weihnachtsmärkten oder mitten auf der Straße auflauern.

Weihnachtsgeschenke erfreuen jung und alt.

Ja, ich gebe es zu. Ich selbst darf mich aus der Gleichung auch nicht ausnehmen. Ich kann oft nicht widerstehen und schon gibt es hier eine Kleinigkeit und dort ein Dingeling und das Kind freut sich. Einen Tag lang. Bis das nächste Geschenklein winkt. Welche Ausmaße das Ganze angenommen hat, wird mir allerdings erst in diesem Advent so richtig klar. Zuerst war da der Adventskalender. Von Hand befüllt mit Pixibüchern und Spängchen, Figürchen und Malsachen. Sie werden jeden Morgen mit gleichbleibender Begeisterung entnommen, bevor sie sich dann im ganzen Haus verteilen und darauf warten, dass der Hund ihnen den Garaus macht.

Dann kam der Nikolaus. Nicht einmal, nicht zweimal, nein geschlagene neun Mal. Der erste brachte ein Kissen mit LED-Beleuchtung zu den Großeltern. Der zweite begegnete der anderen Oma und drückte ihr ein Feen-Sticker-Album in die Hand. Der dritte flog etwas unorthodox mit einem Rentierschlitten über das Haus der Tante und warf einen Jutesack mit Schokolade und Kuschelelch durch den Kamin. Der vierte versorgte die herausgestellten Winterstiefelchen vor der Haustür mit Apfel, Nuss und Mandelkern, aß den Keks und trank die Milch.

Es ist ein beliebter Brauch, am Nikolaustag Schuhe und Stiefel vor die Tür zu stellen. Der Heilige füllt sie dann.

Der fünfte kam persönlich in den Kindergarten. Meine Tochter durfte sogar den Bischofsstab halten, während er "ganz schön viele Geschenke" unter die Kinder brachte. Sie ist übrigens überzeugt, dass das der echte Nikolaus gewesen sein muss, denn "sein Bart war angewachsen". Nun könnte man meinen, der gute Mann hätte noch das ein oder andere Kind zu beschenken und keine Zeit mehr für meine Tochter. Weit gefehlt.

Werbung im Stutenkerl

Am 6. Dezember brachte er Leckerlis zum Adventssingen ins Pfarrheim, am 9. desgleichen beim Kinderturnen und am 12. saß er im Supermarkt und verteilte Tütchen mit Schokoriegeln. Auch am Wochenende war ihm noch nicht die Puste ausgegangen. Er ließ sich auf dem Weihnachtsmarkt Gedichte vortragen und beschenkte die Kinder mit Stutenkerlen. Darin eingebackene Zettel wiesen den Weg zu einem angrenzenden Geschäft, wo eine Geschenktasche mit Malbuch, Stiften, Seifenblasen, Knete und Süßem wartete.

Unterdessen hat die ausgeklügelte Geschenkelogistik innerhalb der Großfamilie bereits zum Erfolg geführt. Die digitalen Wunschlisten sind abgearbeitet und das Zimmer meiner Tochter wird spätestens am ersten Weihnachtsfeiertag zu einem kitschigen Einhornreich mutieren - inklusive Einhornteppich, Einhornlampe und Einhornwandtattoo. Am zweiten Weihnachtsfeiertag wird sie dann beschließen, dass Einhörner total für Babys sind. Woher ich das weiß? Genauso ist es im letzten Jahr mit Pippi Langstrumpf passiert. Wir hätten da eine Perücke, ein Großer Onkel-Schaukelpferd und ein Äffchen im Angebot…

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